Sri Lanka schreibt Einäscherung von Toten mit COVID-19 vor – Muslime lassen Tote in Leichenhallen

Seit April dürfen in Sri Lanka Tote mit einer COVID-19-Diagnose nur eingeäschert werden. Muslime und Christen stören sich an der Vorschrift, die angeblich die Ausbreitung des Coronavirus verhindern soll. Im mehrheitlich buddhistischen Land kommt es nun zu Protestaktionen.

Die Behörden von Sri Lanka erlauben infolge der COVID-19-Pandemie nur noch die Einäscherung von Toten, bei denen der Erreger SARS-CoV-2 nachgewiesen worden ist. Die Vorschrift ist seit diesem April in Kraft und gilt auch bei Verdachtsfällen. Dies stört Muslime und Christen, die ihre Toten traditionellerweise begraben. In dem mehrheitlich buddhistischen Inselstaat sind sie aber eine Minderheit.

Die Regierung Sri Lankas argumentiert, dass das Begraben von Toten mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion das Grundwasser verschmutzen könne, sodass sich die Krankheit weiter ausbreite. Dafür gibt es jedoch nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine wissenschaftliche Grundlage.

Aus Protest gegen die Einäscherungsvorschrift haben sich in den vergangenen Tagen 19 muslimische Familien geweigert, die Gebühr von 48.000 Rupien (rund 213 Euro) für einen Sarg für ihre verstorbenen Angehörigen zu zahlen und deren Körper aus den Leichenhallen abzuholen. Nun will die Regierung die 19 Leichen auf eigene Kosten einäschern.

Der muslimische Parlamentsabgeordnete Gajendra Kumar Ponnambalam sagte dazu:

"Im Islam wird Feuer mit der Hölle assoziiert und das Verbrennen der Toten wird als Bestrafung angesehen."

Insgesamt wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Colombo alle anderen bislang 144 bekannten Toten mit einem positivem Corona-Test kremiert, unter ihnen 80 Muslime. Zuvor hatten Vertreter der muslimischen und christlichen Minderheiten versucht, gerichtlich gegen die Verbrennungsvorschrift vorzugehen. Doch das oberste Gericht des Landes wies zwölf solche Eingaben zurück. In den vergangenen Wochen protestierten immer wieder Dutzende Menschen auf den Straßen.

Buddhistische Mönche, die in dem Land viel Einfluss genießen, fordern die Regierung auf, dem Wunsch der Muslime auf keinen Fall nachzukommen. Besonders seit den islamistischen Anschlägen auf Kirchen und Luxushotels an Ostern des vergangenen Jahres mit mehr als 250 Toten gibt es in dem Land viel Stimmung gegen Muslime.

Der Inselstaat verzeichnet seit Oktober einen Anstieg der COVID-19-Erkrankungen. Seitdem hat sich die Zahl der nachgewiesenen Fälle mehr als verachtfacht und liegt bei mehr als 29.300. (rt / dpa)

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