Der Vorhang fällt, das ganze Theater mit: Staatswappen stürzte bei Guaidó-Auftritt zu Boden (Video)

Juan Guaidó, von den USA als "Interimspräsident" Venezuelas anerkannter Oppositioneller, gab bei einer Live-Videoübertragung gerade seine Künste als eloquenter Orator zum Besten – als das auf der Bühne hinter ihm angebrachte Wappen Venezuelas zu Boden fiel.

Es ist unschön und geradezu unglücklich, wenn so etwas einem Staatsoberhaupt passiert. Doch vielleicht noch übler sogar ist es für jemanden, der nicht von den Bürgern seines Landes, sondern nur von äußeren Mächten und von diesen nur als "Interimspräsident" (und sei dies auch auf Lebenszeit) anerkannt wurde. Bei einem als Video live übertragenen Auftritt des venezolanischen Oppositionspolitikers Juan Guaidó fiel der runde Holzschild mit den venezolanischen Staatsinsignien, der an einem leichten Dekorationsstand in den Landesfarben befestigt war, zu Boden. Offenbar wurde das Dekorationsstück oder der Stand zufällig von jemandem angestoßen, der dahinter vorbeiging.

Just in diesem Moment war Guaidó dabei, unter gleichermaßen theatralisch gekonntem und staatsmännisch-würdevoll dezentem Gestikulieren eine Frage zu beantworteten. Der Moment wurde mit der Kamera festgehalten und machte am Montag in den sozialen Medien schnell die Runde. Ein Nutzer titelte auf Twitter: "Wenn das Theater fällt."

Guaidó hatte das rund einstündige Ereignis live auf Twitter übertragen. Der Moment des Schilderfalls mit Staatswappen ist nach der 58. Minute zu sehen.

Der Oppositionspolitiker hatte sich im Januar 2019 zum "Interimspräsidenten" von Venezuela erklärt und den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro als "illegitimen Diktator" bezeichnet.

Es folgten mehrere Versuche, die Macht in Caracas zu übernehmen. Hierbei spielten erst die Trump-Regierung und später die Regierung unter Joe Biden in Washington jeweils eine wichtige Rolle. Die EU zog ihre anfänglich lautstarke Unterstützung für den erfolglosen Oppositionellen im Januar 2021 zurück.

Die Rede vom Montag folgte als Reaktion auf das Ergebnis der Regionalwahlen vom Wochenende. Bei diesen gewann die regierende sozialistische Partei 20 Gouverneursposten, während sich die Opposition nur drei sichern konnte. Guaidó ermahnte die Oppositionsführer zu "Nachdenken, Einigkeit und Arbeit" und dass sie ihre Egos gefälligst auf Nebenrollen delegieren und zusammenarbeiten, um "den Diktator zu beseitigen".

Die USA verurteilten die Wahlergebnisse erwartungsgemäß als zugunsten von Maduros Partei "verzerrt". US-Außenminister Antony Blinken gelobte, Guaidó weiterhin zu unterstützen – auch mit Sanktionen gegen Venezuela. Es wird erwartet, dass sich die EU-Wahlbeobachter am Dienstag zu ihren Erfahrungen in Venezuela äußern werden. Bereits jetzt sprechen einige Experten von einer gewissen Hoffnungslosigkeit, die unter den Venezolanern herrsche und sich in einer geringen Wahlbeteiligung von 41,8 Prozent geäußert habe. Demgegenüber gilt es jedoch zu bedenken, dass erstens die Wahlbeteiligung höher war als bei den im vergangenen Jahr abgehaltenen Parlamentswahlen und zweitens andere europäische Wahlbeobachter und Politologen jüngst die Transparenz der Wahlen gelobt und von einem "Wendepunkt im Land" gesprochen haben.

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