Ein Al-Qaida-Revival, dass den USA nicht ganz ungelegen kommt

Während sich angesichts des Vorrückens des "Islamischen Staats" (IS) eine internationale Koalition abzeichnet, um diese entweder durch eigenes militärisches Eingreifen und  Unterstützung von Akteuren vor Ort zu bekämpfen, taucht am Horizont bereits eine neue terroristische Gefahr, in Form eines neuen Al-Qaida Arms auf.  Die USA könnten dies nutzen, um sich Legitimation für weitere Intervention im Nahen Osten zu verschaffen.
Einem Bericht der New York Times zufolge, stellen die bisher unbekannte Al-Qaida-Islamistengruppe Khorasan in Syrien und die al-Nusra-Front eine größere Gefahr für die USA und Europa dar als IS selbst. Während Letzterer nämlich Anschläge in den USA oder Europa noch nicht zu seinem Aktionsrepertoire zählt, hätte genau das im Zentrum des Geschäftsmodells von Al-Qaida gestanden. Khorasan soll von Muhsin al-Fadhli, einem einst engen Vertrauten von Bin Laden, geführt werden. Der 33-jährige aus Kuwait stammende al-Fadhli soll sich dem Zugriff der USA durch eine Flucht aus Afghanistan in den Iran entzogen haben und dort eine eigene Al-Qaida-Einheit aufgebaut haben – wobei die Quellen nicht viel darüber aussagen, wie ihm das im streng schiitischen und selbst geheimdienstlich gut ausgestatteten Iran gelungen sein soll, ohne bemerkt zu werden. Auf al-Fadhli sollen sieben Millionen US-Dollar Kopfgeld ausgesetzt worden sein. Mithilfe reicher Spender aus Kuwait soll er Geld und Rekruten nach Syrien geschafft und "Djihadisten" aus Pakistan über den Iran und die Türkei nach Europa oder Nordafrika gebracht haben. Der oberste Geheimdienstchef James Clapper bestätigte, dass "Khorasan für die Bedrohung der USA eine größere Gefahr als der Islamische Staat darstellen kann". Ein Revival der Al-Qaida hätte für die Obama-Administration jedoch entscheidende Vorteile hinsichtlich ihres Handlungsspielraums. Der US-Präsident hat bei seinem Vorgehen gegen IS den Kongress einbezogen und von diesem auch Rückendeckung erhalten. Der "Krieg gegen den Terror" aber, der auf die Grundlage der 2001 und 2002 gewährten Kriegsermächtigungen (Authorizations for the Use of Military - AUMF) das weltweite Vorgehen gegen die Verantwortlichen von 9/11 stützt, nimmt ausdrücklich Bezug auf Al-Qaida. Lässt sich eine Gefährdungssituation auf ein Fortbestehen von Al-Qaidabe gründen, bräuchte Obama kein erneutes Mandat, um militärische Gewalt – notfalls auch unter Verletzung syrischer Souveränitätsrechte – einzusetzen. Er könnte sich auf die damalige Ermächtigung stützen. Gegen den IS würde diese jedoch nicht mehr greifen und er müsste erst mühsam Mehrheiten suchen.