NATO-Militärtransporte durch Deutschland – Unmut der DB-Lokführer wächst

Am 14. Juli hatte RT Deutsch in einem Artikel über den zunehmenden Transport von US-Kriegsgerät via der Hafenstadt Kiel ins Baltikum, und wie dies die beteiligten Lokführer der Deutschen Bahn AG in Gewissensnöte bringt, berichtet. In Reaktion darauf erhielt RT weitere Zuschriften und Anrufe von Mitarbeitern der Deutschen Bahn, insbesondere der Güterverkehrtstochter DB Schenker, die ähnliches aus dem gesamten Bundesgebiet berichten.
Neben Kiel, das sich als neues Drehkreuz für US-Militärtransporte ins Baltikum und in die Ukraine etabliert hat, gibt es nach den Informationen, die uns zugingen, auch im Süden Deutschlands eine ähnliche Tendenz zu beobachten. So berichtet Anton C.*, langjähriger Lokführer aus Bayern, gegenüber RT Deutsch:  "Hatte ich in meiner jahrzehntelangen Laufbahn als Lokführer zusammen genommen vielleicht fünf Militärzüge befördert, so waren es seit Beginn der Ukrainekrise schon über 15 solcher NATO-Transporte mit diversem Kriegsgerät." Laut Anton C. beginnen oder enden diese Transporte in den Militärstandorten Grafenwoehr, Vilseck und Hohenfels. Während US-Militärtransporte zumeist nach Grafenwöhr und Vilseck gehen, konzentrieren sich  Militärzüge anderer NATO-Staaten auf Hohenfels. Amateuraufnahmen von NATO-Militärtransporten in Weiherhammer, zwischen Vilseck und Grafenwöhr: Anton C. zufolge ist insbesondere der Truppenübungsplatz Hohenfels mittlerweile ein militärisches Epizentrum: "Beinahe täglich gehen dort Militärtransporte ein und aus. Allein in den letzten sechs Monaten konnte ich dort die Ankunft oder Abfahrt von Streitkräften aus Dänemark, Frankreich sowie zahlreichen osteuropäischen NATO-Mitgliedsstaaten beobachten. Zumeist bestehen die Züge aus bis zu drei Militärwaggons für Soldaten und Begleitschutz sowie zahlreichen weiteren, die mit schwerem Kriegsgerät sowie Munitionscontainern beladen sind." Diese Aussagen werden von weiteren Zuschriften von Mitarbeitern der DB-AG an RT Deutsch bestätigt. Der Lokführer Anton C. verweist zudem auf einen bisher wenig bekannten Aspekt: "Die DB hat, wie allgemein bekannt, einen massiven Personalmangel, der immer wieder zu zahlreichen Verspätungen führt, nicht jedoch im Falle der Militärzüge. Diesen räumt die DB beinahe absolute Priorität ein. Notfalls wird von anderen Zügen Personal abgezogen, damit die NATO-Transporte unter allen Umständen pünktlich ans Ziel kommen." Gegenüber RT Deutsch betonte Anton C., ähnlich wie dies bereits  zuvor der Mitarbeiter der DB-AG, Peter B.*, getan hatte, dass es für ihn vor allem eine psychische Belastung darstellt, die Militärzüge zu steuern: "Ich bekomme regelmäßig Gewissensbisse, da ich in diesem neuen Kalten Krieg eindeutig auf Seiten Russlands stehe, aber durch meine Tätigkeit als Lokführer regelmäßig die USA und ihre geostrategischen Pläne mit unterstützen muss. Ich habe die Russen, oder früher die Sowjets, noch nie als Feinde wahrgenommen, und sehe auch nicht ein, wieso ich dies jetzt tun sollte. Das ist mit mir nicht zu machen." Angesichts der zahlreich eingegangenen E-Mails, Zuschriften und Anrufe von Mitarbeitern der Deutschen Bahn AG, die gegenüber RT Deutsch ihr Unwohlsein darüber zum Ausdruck brachten, dass sie im Zuge von steigenden geopolitischen Spannungen in die NATO-Logistik eingebunden sind, scheint Anton C. mit seiner Einstellung nicht allein zu stehen. *Name von der Redaktion geändert.