In diesen Tagen feiern die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan ihr 35. Jubiläum. Das Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Kassym-Schomart Tokajew in Berlin hat neben geopolitischen Fragen auch klar im Zeichen der Wirtschaft gestanden. Bei einem Pressebriefing nach der Begegnung berichtete der Staatschef des zentralasiatischen Staates über erste Ergebnisse seiner Reise. Demnach seien im Rahmen der Verhandlungen mehr als 30 Verträge zum Gesamtwert von zwei Milliarden US-Dollar unterzeichnet worden. Tokajew betonte in diesem Zusammenhang:
"Es ist offensichtlich, dass die Zusammenarbeit unserer beiden Länder im Fall einer effizienten Umsetzung dieser Verträge noch fester werden wird."
Seine Verhandlungen mit Merz nannte der Kasache "inhaltsreich und fruchtbar". Man habe dabei wichtige Vereinbarungen getroffen. Es habe darüber hinaus einen Meinungsaustausch zu aktuellen Angelegenheiten der regionalen und globalen Agenda gegeben, sagte Tokajew.
"Wir haben uns darauf verständigt, unseren Dialog im Format 'Zentralasien – Deutschland' zu entwickeln. Kasachstan will seine strategische Partnerschaft mit Deutschland festigen, die auf langfristige, gegenseitig vorteilhafte und greifbare Ergebnisse ausgerichtet ist."
Unmittelbar vor seiner Reise nach Deutschland hatte der kasachische Präsident für eine engere Rohstoff- und Industriezusammenarbeit mit dem EU-Land geworben. Außer Erdöl nannte Tokajew auch andere strategisch wichtige Rohstoffe wie Lithium, Silizium, Kobalt, Niob, Wolfram und Kupfer, die im zentralasiatischen Land gefördert werden. Dabei schlug der Kasache nicht nur den Verkauf von Rohstoffen vor, sondern gemeinsame Wertschöpfungsketten: von der Förderung über die Verarbeitung bis hin zur Produktion und Wiederverwertung.
Bundeskanzler Merz seinerseits erklärte, Deutschland sei sehr an Erdöllieferungen aus Kasachstan interessiert – "als Ersatz für das Öl, das wir aus Russland nicht mehr beziehen". Deutschland suche nach Diversifizierung seiner Lieferbeziehungen, wobei Kasachstan "ein wichtiger Baustein" sei. Details zu dem Vorhaben nannten die beiden Politiker jedoch nicht.
Kasachstan ist nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer bereits der wichtigste Wirtschaftspartner der Bundesrepublik in Zentralasien und steht für etwa 80 Prozent des deutschen Handels mit der Region. Im ersten Halbjahr 2026 hat das bilaterale Handelsvolumen nach kasachischen Angaben bereits bei mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar gelegen.
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