Börsenpreise für ein Barrel Rohöl der Marke Brent könnten im Zuge der aktuellen heißen Phase des Konflikts im Nahen Osten die Marke von 100 US-Dollar überschreiten, erklärten mehrere von der russischen Nachrichtenagentur TASS befragte Experten. Dies werde jedoch nur dann eintreten, falls diese Phase andauere – und werde nach ihrem Ende recht zügig wieder zurückgehen, falls wirklich schwere und umfassende Schäden an der Erdöl-Infrastruktur im Nahen Osten ausbleiben.
Aktuell ist der Preis für Futures auf rohes Erdöl der Etalon-Marke Brent mit Liefertermin Mai 2026 an der Londoner Börse ICE Exchange um 7,85 Prozent gestiegen – und beträgt 78,59 US-Dollar pro Barrel. Derweil notierten WTI-Rohöl-Futures mit Liefertermin April 2026 um die 71,97 US-Dollar pro Barrel – dies macht ein Plus von 7,39 Prozent. Diese Daten stammen aus dem Börsenhandel vom zweiten März 2026 um 9:58 Uhr Moskauer Zeit.
Michail Selzer, Börsenexperte bei der russischen Finanzgruppe Broker Credit Service – Welt des Investments, erinnert an das Offensichtliche – und beobachtet:
"Der Ölpreis ist sehr volatil und reagiert auch auf die Dynamik dieses Konflikts. Unseren Wertungen zufolge bestand von Ende Februar bis Anfang März ein hohes Risiko eines Preisanstiegs des Brent-Öls auf 80 US-Dollar das Barrel – die Risikoprämie ist hoch, während technisch gesehen ein klarer Aufwärtstrend besteht.
Zwar sind langfristige Prognosen schwierig – aber sollte die Straße von Hormus gesperrt werden, könnte der Ölpreis vorübergehend dreistellige Werte erreichen."
Dennoch, so erklärt Alexei Michejew, Anlagestratege bei dem Börsenhandelszweig Meine Anlagen der russischen Bank VTB, werde eine wesentliche Gleichgewichtsstörung auf dem globalen Erdölmarkt gar nicht erst eintreten, falls der Konflikt unter den gegenwärtigen Bedingungen plötzlich beendet würde. In diesem Fall würde die gesamte Prämie von 20 US-Dollar im Ölpreis schnell wieder verschwinden – wie es bereits im Sommer 2025 der Fall war, als der Brent-Preis innerhalb von nur zwei Tagen von 80 auf 65 US-Dollar das Barrel fiel. Er erklärt dies mit der aktuellen Versorgungslage auf dem globalen Ölmarkt:
"Zwanzig Prozent des weltweit geförderten Erdöls passieren die Straße von Hormus, deren Schiffsverkehr deutlich zurückgegangen ist. Würde sich der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus beispielsweise halbieren, entstünde ein kurzfristiges Lieferdefizit von 10 Millionen Barrel pro Tag.
Doch hierbei ist zu beachten, dass der globale Ölmarkt derzeit einen deutlichen Überschuss aufweist: Die Förderung übersteigt die Nachfrage um 2 Millionen Barrel, und in den Tankern und Anlagen vor den Küsten haben sich erhebliche Ölreserven angesammelt. Zudem haben die Mitgliedsstaaten des Kartells OPEC+ am Wochenende beschlossen, die Ölproduktion ab April um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Ein kurzfristiger Ölpreisschock ist daher unwahrscheinlich."
Er merkte außerdem an, dass der Ölpreis, sofern die Ölinfrastruktur der Länder der Region nicht wesentlich beschädigt wird, nach dem Abklingen der aktuellen geopolitischen Spannungen wieder auf 60 US-Dollar pro Barrel zurückkehren wird. Bis dahin allerdings, also gegebenenfalls langfristig, sind erhebliche Preisschwankungen wahrscheinlich, und weitere Preisanstiege können nicht ausgeschlossen werden.
Zum Konflikt: Am 28. Februar begannen die USA und Israel einen weiteren militärischen Überfall auf Iran. Wichtige iranische Städte, darunter Teheran, wurden angegriffen. Die Islamischen Revolutionsgarden kündigten eine großangelegte Vergeltungsaktion an. Es wurden Raketen- und Drohnenstarts aus Iran gemeldet, und im Raum Tel Aviv, Israel, ertönten die Luftschutzsirenen. Laut der Nachrichtenagentur Mehr mussten auch US-Militärstützpunkte in Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien Treffer einstecken. Das iranische Staatsfernsehen berichtete, dass der Oberste Führer Ali Chamenei durch Beschuss seiner Residenz getötet wurde, und das Land ordnete eine 40-tägige Staatstrauer an.
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