Tchibo verlässt den russischen Markt

Vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen Russland verlässt die Tchibo GmbH den russischen Markt. Das Unternehmen hat sein Russlandgeschäft verkauft. Experten sind aber der Ansicht, dass Kaffeekonsumenten im Land den Rückzug des Unternehmens nicht bemerken werden.

Tchibo, der viertgrößte Kaffeehersteller der Welt, hat sein Russlandgeschäft verkauft, berichtet die russische Zeitung Kommersant unter Berufung auf das Einheitliche Staatliche Register für juristische Personen in Russland. Anfang Juli wurde die Sparte Tchibo GUS vom russischen Unternehmer Michail Kowalewski übernommen.

Bis Ende des Jahres behält Tchibo GUS die Rechte zur Nutzung der bekannten Marken Tchibo und Davidoff, danach soll das Unternehmen die Produkte unter neuen Markennamen verkaufen. Ein möglicher Markenname für die Kaffeesparte ist "Gold".

Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax nimmt Tchibo etwa 2,6 Prozent des physischen Kaffeehandels in Russland ein, das sind 1,6 Prozent des Gesamtumsatzes im Markt. Im Jahr 2021 betrug der Umsatz des Unternehmens knapp 3,2 Milliarden Rubel (rund 51 Millionen Euro) gegenüber knapp 2,99 Milliarden Rubel (rund 47 Millionen Euro) im Jahr 2020. Der Nettogewinn betrug 103,6 Millionen Rubel (rund 1,7 Millionen Euro) gegenüber 119,9 Millionen Rubel (rund 1,9 Millionen Euro) im Jahr 2020.

Kenner des Kaffeemarkts in Russland sind der Ansicht, dass die russischen Kaffeekonsumenten den Rückzug des deutschen Unternehmens kaum bemerken werden.

Laut Ramas Tschanturija, dem Generaldirektor bei Rostschaijkofe, dem russischen Verband der in- und ausländischen Tee- und Kaffeefirmen, sei Tchibos Russlandgeschäft in den vergangenen Jahren "aus natürlichen Gründen" rückläufig gewesen. Insbesondere aufgrund mangelnder Investitionen in Marketing und Werbung.

Zuvor hatte Tschanturija erklärt, dass Kaffee trotz der Lieferschwierigkeiten nicht vom russischen Markt verschwinden werde. Er stellte fest, dass der Anstieg der Kaffeepreise mit Teuerungen für Kaffeebohnen zu tun habe und nicht auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen sei. Tschanturija erinnerte daran, dass im Jahr 2021 in Brasilien aufgrund von Dürre und später aufgrund von Frost die Ernte gelitten habe.

Tchibo ist nicht der einzige große Kaffeeproduzent, der den russischen Markt verlässt. Im Mai hatte das finnische Unternehmen Paulig den Verkauf seines Russlandgeschäfts angekündigt. Das russische Nachfolgeunternehmen wird im September seinen Namen in Poetti ändern.

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