Hantavirus: Schweizer positiv getestet - Kanaren wollen Kreuzfahrtschiff nicht anlegen lassen

In der Schweiz wurde ein Mann nach einer Südamerika-Reise positiv auf das Hantavirus getestet. Der Patient wird im Universitätsspital Zürich isoliert therapiert. Derweil ist die Lage für das Kreuzfahrtschiff vor den Kanaren kritisch.

In der Schweiz ist erstmals im Zusammenhang mit dem aktuellen internationalen Ausbruch ein Fall des Hantavirus bestätigt worden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete am Mittwoch, dass ein Mann nach einer Südamerika-Reise positiv getestet wurde. Er befindet sich aktuell im Universitätsspital Zürich in Isolation.

Nach Angaben der Behörden besteht für die Bevölkerung keine Gefahr. Die Abläufe im Spital seien eingespielt und der Patient werde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen behandelt. Auffällig ist jedoch die Virusvariante. Es handelt sich um das sogenannte Andesvirus das im Unterschied zu den in Europa bekannten Hantavirus-Typen unter bestimmten Umständen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Auf den ersten Blick handelt es sich um einen isolierten Fall, der jedoch auf eine komplexere Infektionslage verweist. Der Betroffene war zuvor auf einer Kreuzfahrt, auf der mehrere Krankheitsfälle registriert wurden. Seine Ehefrau ist symptomfrei und vorsorglich in Selbstisolation.

Kanaren: Kreuzfahrtschiff als schwimmender Krisenherd

Gleichzeitig entwickelt sich vor der Westküste Afrikas eine Lage, die internationale Behörden zunehmend beschäftigt. Das Expeditionsschiff MV Hondius liegt nach mehreren Todesfällen und Infektionen mit Verdacht auf Hantavirus vor Kap Verde.

Unklar bleibt, wie das Schweizer Ehepaar nach der Reise in die Schweiz zurückgekehrt ist, ob über den Flughafen Zürich eingereist wurde und zu welchem Zeitpunkt. Die Behörden geben dazu bislang keine Auskunft.

An Bord des Schiffes herrschen quasi-quarantäneähnliche Zustände. Passagiere sind isoliert, Gemeinschaftsbereiche verwaist. Die Weltgesundheitsorganisation geht derzeit von mehreren bestätigten Infektionen und mindestens drei Todesfällen aus. Die genaue Dynamik der Übertragung bleibt Gegenstand von Untersuchungen, doch es verdichten sich Hinweise auf enge Kontaktinfektionen.

Spanien hat dem Schiff erlaubt einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen, eine Entscheidung die innenpolitisch auf Widerstand stößt. Der Regionalpräsident Fernando Clavijo äußerte Vorbehalte gegen das Anlegen, während Madrid auf humanitäre Verpflichtungen und internationale Absprachen verweist.

Die Inselgruppe gilt als nächstgelegener Ort mit ausreichender medizinischer Infrastruktur. Mehrere schwer erkrankte Personen sollen vorab ausgeflogen werden, andere Passagiere könnten erst vor Ort untersucht und versorgt werden.

Hantaviren sind keine neuen Erreger. Die Übertragung erfolgt in der Regel über Nagetiere, etwa durch kontaminierten Staub. Infektionen beim Menschen treten selten auf, können jedoch schwer verlaufen. In Europa dominieren Varianten, bei denen eine Übertragung von Mensch zu Mensch bislang nicht nachgewiesen wurde.

Beim Andesvirus handelt es sich um eine seltene südamerikanische Variante, die unter bestimmten Bedingungen auch eine direkte Übertragung zwischen Menschen ermöglichen kann. Insbesondere in engen, geschlossenen Umgebungen wie auf Schiffen können solche Übertragungswege erleichtert werden.

Der Verlauf macht deutlich, wie schnell sich lokal begrenzte Infektionen im Rahmen globaler Mobilität über große Distanzen ausbreiten können. Der Einzelfall in Zürich ist dabei weniger als nationales Ereignis zu verstehen denn vielmehr als Teil einer Infektionskette, die von Südamerika über den Atlantik bis nach Europa reicht.

Für die Schweiz bleibt die epidemiologische Lage stabil. Der Fall macht jedoch deutlich, dass selbst seltene Infektionskrankheiten in einer vernetzten Welt nicht an geografische Grenzen gebunden sind.

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