Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweiz über die Volksinitiative "Keine 10-Millionen-Schweiz" ab.
Eine Erhebung des Instituts Leewas zeigt ein enges Rennen. 45 Prozent sprechen sich für die Vorlage aus, 47 Prozent dagegen. Acht Prozent sind unentschlossen. Im Dezember lag das Ja-Lager noch vorn.
Im Kern verlangt die Initiative eine Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung auf höchstens zehn Millionen Menschen bis 2050.
Bereits ab einer Schwelle von 9,5 Millionen wären Bund und Parlament verpflichtet, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Diese zielen insbesondere auf Einschränkungen im Asylbereich und beim Familiennachzug.
Sollte die Obergrenze erreicht oder überschritten werden, müssten internationale Abkommen, die das Bevölkerungswachstum begünstigen, neu verhandelt oder gegebenenfalls beendet werden. Dazu zählt auch die Personenfreizügigkeit mit der EU.
Ausgangspunkt ist eine Bevölkerung von rund neun Millionen. Prognosen des Bundes gehen davon aus, dass die Zehn-Millionen-Marke bereits um das Jahr 2040 erreicht werden könnte. Entsprechend hätte die Initiative direkte Auswirkungen auf zentrale Pfeiler der Migrationspolitik.
SVP-Präsident Marcel Dettling sieht sich durch die Umfrage bestätigt. Die Sorgen über Zuwanderung reichten weit über die eigene Wählerschaft hinaus.
Probleme in Schulen, im Verkehr und bei der Sicherheit würden zunehmend mit dem Bevölkerungswachstum in Verbindung gebracht. Die bestehenden politischen Antworten reichten aus Sicht der Partei nicht aus.
Die Umfrage zeigt zugleich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. In Städten überwiegt die Ablehnung klar, während die Zustimmung in ländlichen Regionen und Agglomerationen höher ausfällt.
Ältere Stimmberechtigte stehen der Initiative skeptischer gegenüber als jüngere. Zwischen Männern und Frauen zeigen sich ebenfalls leichte Abweichungen.
Parteipolitisch bleibt das Bild erwartbar: Die Anhängerschaft der SVP unterstützt die Vorlage deutlich. Bei FDP-Sympathisanten ist die Meinung gespalten, während Mitte, SP, Grüne und GLP mehrheitlich dagegen sind.
Der Widerstand gegen die Initiative formiert sich breit. SP-Co-Präsident Cédric Wermuth bezeichnet das Anliegen als weitreichend und riskant.
Eine Annahme käme einem Experiment mit unklaren Folgen gleich, insbesondere für Arbeitsmarkt und Gesundheitswesen. Auch Philipp Matthias Bregy von der Mitte stellt nicht in Abrede, dass Zuwanderung ein zentrales Thema ist, hält die Initiative jedoch für den falschen Ansatz. Sie berge das Risiko, die bilateralen Beziehungen zur EU zu gefährden.
Ähnlich argumentiert Benjamin Mühlemann von der FDP. Er warnt vor wirtschaftlichen Verwerfungen und strukturellen Problemen im Asylsystem im Falle einer Annahme.
Seit Anfang März läuft unter dem Titel "Nein zur Chaos-Initiative" eine koordinierte Kampagne von Parteien, Wirtschaftsverbänden und weiteren Akteuren. Auch der Bundesrat beteiligt sich an der Kritik. Beat Jans verweist auf mögliche Engpässe auf dem Arbeitsmarkt sowie Risiken für bestehende internationale Abkommen.
Die Ausgangslage präsentiert sich weiterhin als offen. Die Vorlage gewinnt den Charakter einer migrationspolitischen Grundsatzentscheidung. Ob sich eine Mehrheit für eine verbindliche Kontingentierung ausspricht oder den bisherigen Kurs mit gezielten Justierungen fortführt, dürfte sich erst in der Schlussphase des Abstimmungskampfes entscheiden.
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