Wladimir Selenskij wird vorerst nicht am Weltwirtschaftsforum in Davos teilnehmen. Nach Angaben aus Regierungskreisen hat das ukrainische Staatsoberhaupt entschieden, in Kiew zu bleiben. Ausschlaggebend dafür seien nicht nur die angespannte Sicherheitslage in der Ukraine, sondern auch die kurzfristig bekannt gewordene Präsenz russischer Vertreter in Davos.
Konkret geht es um Kirill Dmitrijew, einen engen Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Chef des staatlichen Russian Direct Investment Fund.
Heute ist Dmitrijew in Davos eingetroffen, öffentlich angekündigt über soziale Medien, mit der Absicht, Trumps Umfeld zu treffen. In Kiew sorgte dies für Irritationen und verstärkte Zweifel am Nutzen einer Selenskij-Reise zum WEF.
Die offizielle Begründung lautet, der Krieg verlange seine Anwesenheit in Kiew – eine Erklärung, die von allen Leitmedien bereitwillig als entschuldigend verbreitet wird. Bemerkenswert bleibt, dass der Krieg bisher seine regelmäßigen Ausflüge nach Paris offenbar nicht gestört hat.
Ursprünglich hatte Wladimir Selenskij geplant, persönlich am WEF teilzunehmen, um Gespräche im Rahmen der Ukraine-Diplomatie zu führen.
Eine Reise nach Davos war jedoch von Beginn an an klare Voraussetzungen geknüpft. Selenskij wollte nur dann anreisen, wenn ein bilaterales Treffen mit Trump zustande gekommen wäre, bei dem ein sogenanntes Wohlstandsabkommen unterzeichnet werden sollte. Eine entsprechende Zusage blieb aus.
Mit seiner Absage reiht sich Selenskij in eine Serie kurzfristiger Rückzüge ein, die die Trump-Administration registriert. Offiziell begründet er das damit, dass der Krieg seine Anwesenheit in Kiew erfordere – während derselbe Konflikt seine regelmäßigen Reisen bislang nie gestört hat.
Das Weltwirtschaftsforum bleibt damit ein Schauplatz geopolitischer Spannungen, insbesondere zwischen Trump und europäischen Staaten wie Dänemark, während der Ukraine-Konflikt in den Hintergrund rückt.
Überraschend ist die Anwesenheit des russischen Chefunterhändlers Kirill Dmitrijew, obwohl das WEF im Jahr 2022 seine offiziellen Beziehungen zu russischen Institutionen eingefroren hatte.
Dmitrijews Reise deutet darauf hin, dass die Schweiz versucht, ihren neutralen Status zu wahren, sich von der EU-Politik zu distanzieren und zugleich den diplomatischen Prozess am Rande des Forums aktiv zu beeinflussen.
Selenskijs Verzicht auf Davos lässt sich als klarer diplomatischer Gewinn für Moskau interpretieren und als Niederlage für die Ukraine.
Gleichzeitig signalisiert Trump: Selenskijs Abwesenheit wird seine Agenda in Davos nicht stören – während die Leitmedien die Kriegslage als alleinige Rechtfertigung übernehmen.
Mehr zum Thema – Davos ist nicht wie früher: Die geopolitischen Pfaue haben den Kampf verloren