Moskau hat ab heute eine neue Metrolinie, auf dem offiziellen Netzplan mit der Nummer 17 und der Farbe Graphit eingezeichnet. Wie in Moskau üblich, hat die Neue auch einen Namen: Rubljowo-Archangelskaja, auch wenn die einst unter diesem Namen geplante Station zugunsten Russlands größter Bank Sber-City heißen wird.
Archangely sind Erzengel, christliche Namen sind in der Moskauer Metro aber auch nichts Neues. Bereits die 1938 – Josef Stalin war Parteichef – eröffnete dritte Linie der Moskauer Metro führte von Anfang den Namen Arbatsko-Pokrowskaja. Pokrow nennt sich im russisch-orthodoxen Glauben der Schutz durch die Mutter Gottes. Russische Geschichte birgt viel Paradoxes ...
Gleich vorab: Tatsächlich hat die Moskauer Metro ab heute 16 Linien, die Linie Nummer 14 ist zwar offiziell Teil des Metronetzes, sie ist jedoch in Wahrheit ein von der russischen Eisenbahnen betriebener oberirdischer S-Bahn-Ring, der im Herbst 2016 eröffnet wurde. Auch eine Linie Nummer 13 gibt es nicht – nicht der Vorurteile wegen, sondern weil die unbeliebte Ziffer an die inzwischen stillgelegte Monorail vergeben war und sie künftig mit der Linie 8 verbunden werden soll, trägt die als dreizehnte eröffnete Linie die Nummer 8a.
Für die neue Linie wurden drei unterirdische Bahnhöfe erbaut und zwei weitere, die von 2018 bis 2024 als Abzweigung vom Großen Metroring betrieben wurden, reaktiviert. Kurz vor 16 Uhr Moskauer Zeit gab Moskaus Oberbürgermeister Sergei Sobjanin den Startschuss, der heute zusammen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin auch noch den Neubau des S-Bahnhofs "Serp i Molot" ("Hammer und Sichel") einweihte.
Für seine Verdienste um Moskau – auch den rasanten Ausbau des Verkehrsnetzes der Hauptstadt – wurde Sobjanin bei dieser Gelegenheit vom Staatsoberhaupt mit dem Orden "Held der Arbeit" ausgezeichnet. In den 16 Jahren, die Sobjanin der russischen Hauptstadt vorsteht, wuchs das Metronetz um 195 Kilometer, 95 neu gebaute Stationen wurden eröffnet, ein weiterer, seit 1975 im Rohbau bestehender Bahnhof, fertiggestellt und aktiviert. Die schon erwähnte Ring-S-Bahn mit 54 Kilometern Länge und 31 Bahnhöfen kommt noch oben drauf.
Die Linie 17 hat vorerst eine Länge von 6,5 Kilometern und – wie erwähnt – fünf Stationen. Sie beginnt im Wolkenkratzerviertel Moskau City, bietet in ihrem Verlauf Umsteigemöglichkeiten zu vier anderen Linien und endet vorerst in einem Wohngebiet im Nordwesten der Stadt. An ihrer Verlängerung weiter stadtauswärts wird bereits intensiv gebaut: 2027 soll sie um fünf weitere Stationen in die westlich des Autobahnrings entstehende Sber-City verlängert werden. Am anderen Streckenende sind die Verlängerungsperspektiven dagegen noch vage.
Einer der neuen Bahnhöfe ist nach General Dmitri Karbyschew benannt, der in deutscher Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg zu Tode gefoltert wurde.
Die Moskauer Metro (wieder ohne den "Zwitter" mit der Nummer 14) hat ab heute eine Streckenlänge von knapp 497 Kilometern und 278 Stationen.
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