Er tötete Freunde und Verwandte: Giftmörder im Moskauer Vorort zu lebenslang verurteilt

Er tötete seine Großmutter und einen Schulfreund, trachtete seiner Mutter, seiner Verlobten und weiteren nahestehenden Menschen nach dem Leben. Und alles des Geldes wegen – ein Mordfall aus einem Moskauer Vorort, der fassungslos macht.

Bislang war Balaschicha, ein Moskauer Vorort und größte Stadt des die russische Metropole umgebenden Verwaltungsbezirks, vor allem dadurch bekannt, dass Anna Karenina, die Hauptfigur aus Lew Tolstois gleichnamigem Roman, sich im Finale hier unter den Zug geworfen hat.

Die damals ländliche Station hieß zu Tolstois Zeiten Obiralowka, ist heute ein moderner Großstadtbahnhof mit nigelnagelneuem Empfangsgebäude aus Beton und Glas und heißt unspektakulär Schelesnodoroschny (Eisenbahnstadt). 2015 wurde die dazugehörige Großstadt mit Balaschicha verschmolzen, mit über 150.000 Einwohnern wahrscheinlich die größte jemals in eine andere Stadt eingemeindete Siedlung.

Nun macht Balaschicha russlandweit mit einem spektakulären Mordfall Schlagzeilen, der fassungslos macht. Zwischen Januar 2024 und Mai 2024 verabreichte der heute 26 Jahre alte Artjom M. Verwandten und Freunden Gift, das sich in ihren Körpern ansammeln und irgendwann zum Tod führen sollte.

Bei zwei Menschen – der Großmutter des Giftmörders und seinem Freund seit Kindheitsjahren – gelang der Plan: Beide starben an dem verabreichten Gift, das sich sukzessive in ihrem Körper angesammelt hatte. Für sieben weitere Opfer, alles Verwandte und enge Beziehungspersonen des Täters, kam die Entdeckung rechtzeitig: Ärzte konnten sie erfolgreich entgiften.

Am Freitag fällte das Moskauer Bezirksgericht sein Urteil über den eiskalt berechnenden Mörder: Lebenslang muss er nun hinter Gitter, unter den schärfsten in Russlands abgestuftem Vollzugssystem vorgesehenen Bedingungen. Zweifacher vollendeter, siebenfacher versuchter Mord lässt da auch kaum eine Alternative.

Video: Artjom M. vor der Urteilsverkündung auf der Anklagebank (24.07.2026); Rechteinhaber: Bezirksstaatsanwaltschaft Moskau

Das Gericht bejahte gleich mehrere Mordmerkmale: Vielzahl an Opfern, gemeingefährliches Mittel, Heimtücke und Habgier als Motiv. Seine Großmutter tötete M., um schnell an das Erbe zu gelangen. Miterben wollte er aus dem Weg räumen, sie zählen zu den Überlebenden. Einen Kindheitsfreund tötete M. nach den Feststellungen des Urteils, um eine Geldschuld nicht zurückzahlen zu müssen, schenkte ihm selbstgemachte Konfitüre, der er das Gift beigemischt hatte. Der Mann starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Unter den Opfern war sogar die Verlobte des Verurteilten: Ihr mischte das Monster im Januar 2024 eine größere Portion des Giftes in ein Getränk, so dass sie noch am selben Abend mit Vergiftungssymptomen hospitalisiert werden musste. Während die Frau dort ums Überleben kämpfte, schloss M. mit ihrem Personalausweis und auf ihren Namen zwei Kreditverträge ab, kassierte 570 Tausend Rubel (nach damaligem Umrechnungskurs rund 6.000 Euro).

Die junge Frau war eine Art "Testballon" – das erste Opfer des Täters. Warum damals niemand begriff, dass die Vergiftung kein Zufall war und M. dahinter steckt, kann sich heute niemand erklären. Die Darlehen blieben bis Mai unentdeckt – bis das Mikrokredit-Unternehmen Rückzahlung verlangte. 

Dass ihm damals niemand auf die Schliche gekommen war, beflügelte Artjom zu seinen weiteren abscheulichen Taten. Seiner Großmutter mischte M. das Gift in Medikamente, die sie einnehmen musste, aber das ist nicht einmal der tiefste Abgrund in dem Fall: Um an das Erbe zu gelangen (es ging um eine Wohnung), musste neben seinem Onkel auch M´s Mutter aus dem Weg. Ihr und seinem Stiefvater mischte Artjom Gift ins Essen, dem Onkel ins Speisesalz.

Vor Gericht gestand der "liebende Sohn, Enkel, Neffe, Bräutigam und Freund" seine Taten, räumte auch die niederen Motive ein und bat um Vergebung. Ob Tolstoi und Dostojewski (in "Schuld und Sühne" ging es ja auch um heimtückischen Mord aus Habgier) sich davon beeindrucken ließen?

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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