Russische Zentralbank-Chefin: Auswirkung der westlichen Sanktionen nicht so gravierend wie erwartet

Die russische Zentralbank-Chefin Nabiullina hat erklärt, dass die Folgen der westlichen Sanktionen zwar nicht so stark ausfallen würden wie erwartet. Allerdings gehe man davon aus, dass die Sanktionen noch nicht gänzlich zur Wirkung gekommen sind.

Auch wenn die Auswirkungen der westlichen Sanktionen gegen Russland nicht so stark seien wie erwartet, stehe deren volle Entfaltung vielleicht erst noch bevor. Das erklärte die Präsidentin der russischen Zentralbank Elwira Nabiullina auf einer Pressekonferenz am Freitag, wie die Nachrichtenagentur TASS berichtete. Sie sagte:

"Ja, wir können feststellen, dass unsere Exporte nicht so stark zurückgegangen sind, wie wir ursprünglich erwartet hatten. Und ja, die Auswirkungen der Sanktionen sind wahrscheinlich nicht so gravierend, wie wir befürchtet hatten. Dies zeigt auch die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Aber es ist noch zu früh, um zu sagen, dass die Sanktionen ihre volle Wirkung entfaltet haben."

Die Zentralbank-Chefin wies auch darauf hin, dass es verfrüht sei, um Schlussfolgerungen in Bezug auf die strukturelle Anpassung der Wirtschaft zu ziehen. "Die Ungewissheit, die Entwicklung der Situation, die strukturelle Anpassung der Wirtschaft, ihre Fähigkeit zur Umstrukturierung – all das ist ein andauernder Prozess, sodass es verfrüht ist, hier irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen", betonte sie.

Eine der Gefahren der gegenwärtigen Situation, so Nabiullina, sei die Wahrscheinlichkeit von Sekundärsanktionen, die die Lage ernsthaft verschlechtern könnten. Auch die Tätigkeit von Unternehmen im Außenhandel gestalte sich angesichts der Sanktionen gegen Russland hindernisreich. "Die meisten Unternehmen, die in der Außenwirtschaft tätig sind, haben heute Probleme: Es ist schwierig, mit neuen Lieferanten in Kontakt zu treten, Zahlungen zu leisten, neue Märkte zu finden und Waren auf neuen Wegen zu liefern", sagte Nabiullina. Die Lösung dieser Probleme werde viel Zeit in Anspruch nehmen, fügte die Zentralbank-Chefin hinzu.

Was die Lage auf dem Binnenmarkt betrifft, sehe die Zentralbank keine ernsthaften Stagflationsrisiken und beziehe sie daher nicht in die Basisprognose ein, schrieb TASS. Wie die Leiterin der Zentralbank mitteilte, sei die Preissteigerungsrate in Russland rückläufig. Es sei aber noch zu früh, um von einer nachhaltigen Verlangsamung der Inflation zu sprechen, sie liege immer noch über dem Zielwert von 4 Prozent, schlussfolgerte Nabiullina.

Mehr zum Thema - Der Westen scheitert am goldenen Rätsel des Rubels