Russland: Duma-Abgeordnete fordern Zufluchtsorte für Opfer häuslicher Gewalt während Quarantäne

Die Selbstisolierung hat zu einer alarmierenden Zunahme an häuslicher Gewalt geführt, da die meisten Menschen während der Quarantäne zu Hause bleiben müssen. Infolgedessen erwägen russische Parlamentarier einen besseren Schutz für Opfer häuslicher Gewalt.

In einem Brief vom Dienstag an die russische Zeitung RBK fordern drei weibliche Abgeordnete – Oxana Puschkina, Irina Rodnina und Olga Sewastjanowa – die stellvertretende Premierministerin Tatjana Golikowa auf, dringende Maßnahmen zum Schutz der Opfer häuslicher Gewalt zu treffen. Die Abgeordneten gehen davon aus, dass der Zyklus der Misshandlungen kürzer und jede Episode schlimmer sein wird als die vorherige, wenn sich ein Paar in Insolation befindet.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören Unterkünfte für die Opfer, die Verpflichtung der Polizei, unverzüglich auf alle Berichte über häusliche Gewalt zu reagieren sowie keine strafrechtliche Verfolgung jener, die auf der Flucht vor der Gewalt gegen die Quarantänevorschriften verstoßen. Im März warnte die Menschenrechtsanwältin Mari Dawtjan in der Moskauer Tageszeitung Iswestija, dass die häusliche Gewalt während der Zeit der Selbstisolierung wahrscheinlich noch zunehmen wird. Sie sagte:

Dies ist das erste Mal, dass wir es mit einer Quarantäne zu tun haben, doch natürlich wird sich die Situation mit der häuslichen Gewalt verschlechtern.

Eine Person, die zu Gewalt neigt, ist ständig bei dem potenziellen Opfer, und das Opfer hat keine Möglichkeit, der Gesellschaft ihres Peinigers zu entfliehen.

Dawtjans Prognose ist wahrscheinlich traurige Realität. Dem Schreiben der Abgeordneten zufolge ist die Zahl der Anrufe beim Allrussischen Frauen-Notruf im März im Vergleich zum Vormonat um 24 Prozent gestiegen. Eine weitere Wohltätigkeitsorganisation, die sich auf häusliche Gewalt konzentriert, das "Krisenzentrum Kitesch", meldete ebenfalls einen Anstieg, während sich die Anrufe beim Krisenzentrum in der Stadt Wologda sogar verdreifacht haben sollen. Eine der Unterzeichnerinnen des Briefes an die stellvertretende Premierministerin, Oxana Puschkina, erklärte:

Jetzt müssen wir dringend die Maßnahmen ergreifen, die wir in dem Appell angedeutet haben. Wenn wir den Kopf in den Sand stecken, schadet das nur den Menschen.

Nicht nur in Russland, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt wurde ein starker Anstieg von häuslicher Gewalt gemeldet. Am 6. April sprach UN-Generalsekretär António Guterres über das Problem der Gewalt gegen Frauen in ihrem eigenen Zuhause. Er forderte die Regierungen auf, ihre Sicherheit an die erste Stelle zu setzen.

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