Österreich: Hitlers Geburtshaus in Braunau wird Polizeistation

Im Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn ist am 22. Juli 2026 eine Polizeistation eröffnet worden. Rund 45 Polizeibeamte und das Bezirkspolizeikommando werden künftig im umgestalteten Haus arbeiten. Die Fassade wurde stark verändert, damit das Gebäude nicht mehr als ehemaliges Hitler-Haus erkennbar ist.

In dem Haus, in dem Adolf Hitler 1889 geboren wurde, hat Österreich am Mittwoch eine Polizeistation eröffnet. Mit dem Umbau für etwa 20 Millionen Euro will man dem Haus seine Anziehungskraft für Neonazis und Rechtsextreme dauerhaft entziehen.

Mit der feierlichen Eröffnung des neuen Polizeizentrums in der Salzburger Vorstadt 15 in Braunau am Inn schließt die Republik Österreich ein jahrzehntelanges Ringen um den Umgang mit einem historisch belasteten Ort ab. Innenminister Gerhard Karner erklärte bei der Zeremonie, Braunau sei Hitlers Geburtsort – ein "Zufall der Geschichte". Dennoch müsse der Staat Verantwortung übernehmen. Das Gebäude, so Karner, werde nun zu einem Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Sicherheit.

Das Haus, in dem die Eltern Hitlers mit ihrem Sohn nur wenige Monate lebten, steht seit 2017 im Eigentum der Republik. Nach der Enteignung der früheren privaten Eigentümerin blieb es jahrelang leer und verfiel zusehends. Eine interdisziplinäre Kommission hatte verschiedene Nutzungsvarianten geprüft und sich gegen einen Abriss ebenso ausgesprochen wie gegen eine museale Nutzung.

Beides hätte nach Einschätzung der Experten entweder als Versuch der Geschichtsleugnung oder als Gefahr einer neuen Anziehungskraft für Rechtsextreme gewirkt. Empfohlen wurde eine behördlich-administrative Nutzung, die den bisherigen Wiedererkennungswert des Gebäudes weitgehend beseitigt.

Das Vorarlberger Architekturbüro Marte.Marte hat diesen Auftrag seit Herbst 2023 umgesetzt. Die Fassade wurde grundlegend verändert: Der gelbliche Putz wich einem hellen Weiß, die typischen Fensterbögen wurden durch schlichte rechteckige Formen ersetzt.

Das Erscheinungsbild orientiert sich bewusst an der Bauweise des 17. und 18. Jahrhunderts. Über dem Eingang prangt nun ein Polizeilogo.

Der Gedenkstein vor dem Haus mit der Aufschrift "Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen" bleibt bestehen.

Rund 45 Beamte der Polizeiinspektion sowie vier Mitarbeiter des Bezirkspolizeikommandos werden künftig in dem Gebäude arbeiten. Ein operativer Schwerpunkt liegt wegen der Grenznähe zu Deutschland im Bereich der Drogenkriminalität. Zusätzlich sind Schulungen vorgesehen, auch mit Kollegen aus Bayern und Baden-Württemberg. Die Beamten erhalten ergänzende Fortbildungen zum Thema Rechtsextremismus.

Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher nannte den Tag "sehr bedeutsam" für die Stadt. Die Enteignung habe den Weg für eine neue Nutzung geöffnet, die nun abgeschlossen sei. Die Stadt stelle sich der historischen Tatsache und übernehme Verantwortung.

Über Jahrzehnte hinweg diente das Haus Rechtsextremen und Neonazis als Pilgerort. Immer wieder wurden dort, vor allem am 20. April, Kränze abgelegt. Die Regierung in Wien hofft, dass die dauerhafte Polizeipräsenz und die veränderte Optik diese Anziehungskraft nachhaltig mindern.

Die neue Nutzung ist allerdings nicht überall gut angekommen. Vertreter des Mauthausen-Komitees Österreich halten die Polizeinutzung für problematisch.

Die Symbolik lasse sich nicht einfach "neutralisieren", und die Polizei stehe in jedem politischen System im Dienst der jeweiligen Staatsmacht. Einige Bürger bemängeln die hohen Kosten und hätten sich eine gedenkpolitische oder friedenspolitische Nutzung gewünscht. Die Verantwortlichen entgegnen, dass alternative Modelle die Probleme eher verstärkt hätten.

Mit der Eröffnung setzt Österreich auf eine pragmatische Lösung. Das Gebäude wird dem öffentlichen Sicherheitsapparat übergeben und seiner früheren Symbolkraft beraubt. Ob dieser Ansatz langfristig trägt, wird die Praxis zeigen.

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