Das US-Justizministerium hat einen umfassenden Kurswechsel in Bezug auf die Todesstrafe angekündigt. Die Behörde hebt damit das unter Präsident Joe Biden im Jahr 2021 verhängte Moratorium auf Bundesebene auf und treibt die Ausweitung der höchsten Strafe voran. Dies geht aus einer Mitteilung vom 24. April hervor.
Grundlage ist ein Dekret von Präsident Donald Trump, das dieser am ersten Tag seiner Amtszeit unterzeichnete. Es sieht die Anwendung der Todesstrafe "für alle Verbrechen vor, deren Schwere sie erfordert". Zudem wurde der Justizminister angewiesen, "alle notwendigen und rechtmäßigen Maßnahmen" zu ergreifen, um die Bundesstaaten mit ausreichenden Mengen an Mitteln für tödliche Injektionen zu versorgen. Der amtierende Justizminister Todd Blanche erklärte:
"Die vorherige Regierung hat ihre Pflicht zum Schutz des amerikanischen Volkes nicht erfüllt. Sie hat es versäumt, die härteste Strafe gegen die gefährlichsten Verbrecher – darunter Terroristen, Kindermörder und Mörder von Polizeibeamten – zu verfolgen und anzuwenden. Unter der Führung von Präsident Trump sorgt das Justizministerium wieder für die Durchsetzung des Gesetzes und unterstützt die Opfer."
Im Zuge der Neuausrichtung sollen Hinrichtungen künftig konsequent durchgeführt werden, sobald alle Rechtsmittel erschöpft sind. Bereits jetzt wurden Anträge auf die Todesstrafe gegen 44 Angeklagte genehmigt.
Zentraler Bestandteil der neuen Linie ist die Rückkehr zur tödlichen Injektion mit Pentobarbital. Dieses Verfahren war unter der Vorgängerregierung ausgesetzt worden, da Bedenken bestanden, das Mittel könne zu "unnötigen Qualen und Leiden" führen.
Zentrales Element der Reform ist die Ausweitung der zulässigen Hinrichtungsmethoden. Neben der tödlichen Injektion sollen künftig auch Erschießungen möglich sein. Laut dem US-Justizministerium sowie Berichten der New York Times zählen zu den Methoden zudem der elektrische Stuhl und tödliches Gas. Die praktische Umsetzung bleibt jedoch komplex. Das Justizministerium erklärte:
"Diese Schritte sind entscheidend, um die grausamsten Verbrechen zu verhindern, den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen und den Hinterbliebenen eine lang erwartete Versöhnung zu ermöglichen."
Parallel dazu arbeitet die Behörde an einer Reform ihrer internen Abläufe. Die Verfahren sollen vereinfacht und beschleunigt werden, um die Zeitspanne zwischen Urteil und Vollstreckung deutlich zu verkürzen. "Sollte die neue Regelung verabschiedet werden, wird sich dieser Zeitraum um Jahre verkürzen", heißt es.
Auch strukturelle Änderungen sind geplant. So wurde das Federal Bureau of Prisons angewiesen, das Protokoll für Hinrichtungen mit Pentobarbital wiederherzustellen und sich auf zusätzliche Methoden vorzubereiten. Zudem wird die Einrichtung neuer Standorte geprüft. Hintergrund ist die Rechtslage: Der Bund darf Todesurteile nur in Bundesstaaten vollstrecken, in denen diese erlaubt sind, und zwar nach deren Vorschriften.
Laut Berichten könnten daher Staaten wie Mississippi an Bedeutung gewinnen, da dort mehrere Hinrichtungsmethoden zugelassen sind. Bisher fanden Bundeshinrichtungen vor allem in Indiana statt, wo nur die tödliche Injektion erlaubt ist. Das Federal Bureau of Prisons soll Vorschläge für neue oder erweiterte Einrichtungen vorlegen. Auch der Bau eines zweiten Bundeszentrums wird nicht ausgeschlossen.
Bereits im Jahr 2025 hatte Trump ein Dekret zur Einführung der Todesstrafe für Mordfälle in Washington, D.C., unterzeichnet. Im selben Jahr wurde in den USA erstmals seit 15 Jahren wieder ein Verurteilter durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Dabei handelte es sich um Brad Sigmon. Der 67-Jährige war 2001 wegen Doppelmordes verurteilt worden und hatte die Erschießung als Hinrichtungsmethode selbst gewählt.
Nach Angaben der Zeitung The Guardian erreichte die Zahl der Hinrichtungen in den USA im Jahr 2025 den höchsten Stand seit 16 Jahren. Insgesamt wurden 47 Menschen hingerichtet, darunter ausschließlich Männer. Die Zahl lag damit nahezu doppelt so hoch wie im Jahr zuvor.
Gleichzeitig sinkt die gesellschaftliche Unterstützung. So befürworteten im Jahr 1994 noch rund 80 Prozent der Amerikaner die Todesstrafe, zuletzt waren es etwa 52 Prozent. Laut einer weiteren Umfrage halten 56 Prozent der US-Bürger die Todesstrafe für zulässig, in Russland sind es 49 Prozent.
In den USA wird die Todesstrafe überwiegend auf Ebene der Bundesstaaten vollstreckt. Die Meinungen über die Todesstrafe gehen dabei deutlich auseinander: In Staaten wie New York, New Jersey, Maryland und Kalifornien ist sie de facto abgeschafft. In vielen Südstaaten wird sie hingegen weiterhin angewendet, darunter Texas, Florida, Alabama, Louisiana, North Carolina, South Carolina, Arizona und Montana.
Mit der Neuausrichtung signalisiert Washington eine deutliche Verschärfung der Strafpolitik und die Rückkehr zu Praktiken, die zuletzt teilweise ausgesetzt wurden.
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