In Tumbler Ridge, eine Gebietsgemeinde im Nordosten in der kanadischen Provinz British Columbia, kam es am Dienstag zu einem Amoklauf mit insgesamt zehn Todesopfern, darunter auch der Täter. Nach ersten Notrufen warnten Behörden und Medien die Bevölkerung zunächst vor "einer Frau in einem Kleid mit braunen Haaren". Die Ermittlungen ergaben nun, dass es sich bei dem Täter um den 18-jährigen Jesse Van Rootselaar handelt, der vor rund fünf Jahren laut Medien "eine hormonelle Geschlechtsumwandlung begann".
Die kanadische Gesellschaft ist geschockt – Medien sprechen vom "tödlichsten Massenereignis der jüngeren Geschichte des Landes". Kanadas Premier Mark Carney sagte aufgrund des Amoklaufs seine geplante Deutschland-Reise ab, wo er ursprünglich die Eröffnungsrede der Münchner Sicherheitskonferenz halten sollte.
Große Teile der kanadischen, US-amerikanischen und deutschen Mainstream-Medien berichten weiterhin von "einer Täterin". So hieß es noch am späten gestrigen Abend in einem Artikel des RND:
"Nach dem erschreckenden Angriff in einer Schule im Westen Kanadas hat die Polizei die Identität der mutmaßlichen Täterin öffentlich gemacht. 'Die Verdächtige wurde als 18 Jahre alte Frau identifiziert'."
Der Spiegel berichtet von einer "mutmaßlichen Schützin". Die ARD-Tagesschau erklärt den Lesern in einem aktuellen Artikel:
"Die mutmaßliche Täterin sollen die Ermittler bereits identifiziert haben ‒ eine 18-Jährige, die den örtlichen Behörden bekannt war."
Wie die kanadische Globe and Mail berichtet, fiel der Amokschütze den Behörden bereits seit Jahren auf und wurde regelmäßig von ihnen aufgesucht. Die örtliche Polizei habe nach aktuellem Ermittlungsstand "kein Motiv für den 18-jährigen Schützen genannt, der als biologischer Mann geboren wurde, aber vor etwa fünf Jahren eine Geschlechtsumwandlung begann".
In der National Post finden sich weitere Informationen zum Täter, der dort ebenfalls als weiblich dargestellt wird:
"Die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) identifizierte am Mittwoch den Täter des Massenmordes in Tumbler Ridge, British Columbia, als den 18-jährigen Jesse Van Rootselaar, eine Transgender-Frau. Dwayne McDonald, stellvertretender Kommissar der RCMP in British Columbia, sagte, Van Rootselaar sei als biologischer Mann geboren worden und habe vor etwa sechs Jahren begonnen, den Übergang zu einer Frau zu vollziehen. McDonald fügte hinzu, Van Rootselaar habe sich 'sowohl sozial als auch öffentlich als Frau identifiziert'."
Ein Artikel von Globe and Mail ergänzt, dass Berichte "von Menschen, die die Familie kannten, sowie Polizeiaussagen, Gerichtsdokumente und Beiträge in sozialen Medien" eine Familie beschreiben, "die seit Jahren von gescheiterten Beziehungen, Arbeitsunfällen und psychischen Erkrankungen gebeutelt war". Zum Tatzeitpunkt war Van Rootselaar demnach bereits längere Zeit aufgrund psychischer Auffälligkeiten vom Schulunterricht freigestellt worden. Laut der lokalen Schulbehörde habe er "vor etwa vier Jahren die Schule abgebrochen".
Nach bisheriger Rekonstruktion des Tattages stammten die ersten Opfer des 18-Jährigen aus seinem direkten familiären Umfeld. Dazu heißt es:
"Zwei weitere Opfer, eine 39-jährige Frau und ein 11-jähriger Junge, wurden tot in einem Wohnhaus in der Gegend aufgefunden. Es wird angenommen, dass es sich dabei um die Mutter und den Stiefbruder des Schützen handelt."
Der letzte größere Polizeieinsatz bei der Familie fand laut Medien im vergangenen Frühjahr statt und "stand im Zusammenhang mit 'Bedenken hinsichtlich der psychischen Gesundheit und Selbstverletzung'", wie der Sender CNN berichtete. Weiter heißt es:
"'Ich kann sagen, dass der Verdächtige bei verschiedenen Gelegenheiten zur Begutachtung und Nachverfolgung festgenommen wurde', erklärte der stellvertretende Polizeikommissar. Aus dem Haus wurden Schusswaffen beschlagnahmt, die später auf Antrag des Besitzers zurückgegeben wurden."
Die kanadische Polizei geht davon aus, dass "die Schützin", so CNN, zunächst "ihre Mutter und ihren Stiefbruder in einem Wohnhaus in Tumbler Ridge getötet hat, bevor sie sich auf den Weg zur Schule machte".
Dort erschoss Jesse Van Rootselaar eine Lehrerin sowie Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, um danach Selbstmord zu begehen. Etwa zwei Dutzend weitere Personen wurden zuvor verletzt. Ein 12-jähriges Schussopfer schwebt weiterhin in Lebensgefahr.
Laut kanadischen Medien handelt es sich um den tödlichsten Vorfall dieser Art an einer Bildungseinrichtung des Landes seit 1989. Damals erschoss ein 25-Jähriger an einer Fachhochschule in Montreal 14 Studentinnen, bevor er sich selbst das Leben nahm.
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