Nach einem Bericht der Financial Times vom Donnerstag haben sich Führer einer kanadischen Gruppe, die auf die Abtrennung der ölreichen Provinz Alberta hinarbeitet, seit April 2025 mindestens drei Mal mit Mitarbeitern der Regierung von US-Präsident Donald Trump getroffen.
Die Mitarbeiter erklärten, die Treffen wären Routine im Umgang mit bürgerschaftlichem Engagement und bedeuteten keine Unterstützung für die Sache der Separatisten. Allerdings vermuten Politiker, die sich in Alberta für die Einheit einsetzen, eine Förderung der Kampagne durch auswärtige Kräfte.
Das Wohlstandsprojekt Alberta (Alberta Prosperity Project, APP) beschreibt sich selbst als eine Bildungsinitiative, die für eine Unabhängigkeit von Ottawa eintritt und sich gegen den Globalismus und seine Utnerstützer stellt. Die Gruppe sammelt Unterschriften für eine Petition, um ein Referendum zur Unabhängigkeit abzuhalten. Die Wahlbehörden der Provinz haben ihr bis Mai Zeit gegeben, die Unterschriften von mindestens 177.732 Wählern zu sammeln, um auf dem Weg zum Referendum voranzukommen.
"Die USA sind sehr enthusiastisch, was ein freies und unabhängiges Alberta angeht", sagte Jeff Rath, Rechtsberater der APP, gegenüber der Financial Times. Die Organisation benannte die US-Vertreter nicht, mit denen sie gesprochen hatten, nannte sie aber hochrangig.
Jüngst hatte US-Finanzminister Scott Bessent das mögliche Referendum in einem Interview mit dem rechten Podcaster Jack Posobiec erwähnt und gesagt, ein unabhängiges Alberta wäre "ein natürlicher Partner für die USA".
Gil McGowan, Präsident der Alberta Federation of Labour, also des Gewerkschaftsbundes der Provinz, sagte der FT, es gebe "Beweise für ausländische Einmischung" bei der Unterschriftensammlung. Er zitierte Onlinenachrichten, die sich für die Separatisten aussprachen, und meinte:
"Es fühlt sich nicht natürlich an, wir sind im Visier der MAGA-Massen."
Die APP wiederum erklärt, es gebe organisierte Versuche, ihre Unterschriftensammlung zu behindern.
Die Provinz Alberta, benannt nach einer Tochter der britischen Königin Viktoria, ist die wohlhabendste Provinz Kanadas und trägt mit grob einem Zehntel der Bevölkerung zwischen 15 und 17 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Dort liegen die kanadischen Ölvorkommen, die überwiegend aus Ölsand bestehen; in Calgary und Edmonton gibt es aber auch Unternehmen der Hochtechnologie.
Die Spannungen zwischen den USA und Kanada haben zugenommen, seit Trump vorschlug, Kanada wäre als Teil der USA besser dran, und der Regierung von Premierminister Mark Carney vorwarf, von China beeinflusst zu sein. In seiner Rede in Davos hatte Carney vor kurzem gesagt, die westliche "regelbasierte Ordnung" zerbreche und nötige kleinere Nationen, nicht länger ein System aufrechtzuerhalten, das, wie er sagte, schon immer zum Teil auf bequemen Lügen beruht habe.
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