25 Jahre Putins Bundestagsrede – eine verpasste Chance auf Frieden

Zum anstehenden 25. Jahrestag des Auftritts des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Deutschen Bundestag erinnert Bernd Langeder an Russlands Versuche einer friedlichen Annäherung an Europa. Ein Nachruf auf eine verpasste historische Chance.

Von Bernd Langeder

Sehr geehrtes RT-Team, mein Name ist Bernd Langeder, Jahrgang 1966, Historiker und Techniker im Ingenieurswesen. Vor einigen Monaten bekam ich die große Ehre, dass RT-DE meinen Beitrag zum Aufruf "Erinnerungen aus Österreich: Das Kriegsende" in einem eigenen Artikel in der Hauptberichterstattung veröffentlichte. Ich bedanke mich an dieser Stelle ausdrücklich für die Gelegenheit, die Erinnerungen aus meiner Familie, die Erfahrungen aus der Besatzungszeit durch die Sowjetunion und meine eigenen Gedanken zur Tragödie des Zweiten Weltkrieges der geschätzten Leserschaft von RT-DE mitteilen zu dürfen.

Aus historischem Anlass – es jährt sich die Rede des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, im Deutschen Bundestag am 25. September zum 25. Mal – möchte ich erneut einen Artikel zur Veröffentlichung in Ihrer Hauptberichterstattung vorschlagen. Da mein Heimatland Österreich an den erschütternden Ereignissen der blutigen Geschichte des Dritten Reiches unmittelbar beteiligt war, ist es mir ein besonderes Anliegen, auf die historischen Begebenheiten der jüngeren Geschichte hinzuweisen. Meine Gedanken bewegen sich um die äußerst negative Entwicklung in Westeuropa in Bezug auf das Verhältnis zur Russischen Föderation, im Besonderen darüber, wie die Politik der Europäischen Union (und die Politik der Republik Österreich) gegen alle gemeinsamen Interessen der Völker Europas und des Volkes der Russischen Föderation gerichtet ist.

Es wäre mir eine besondere Freude, wenn auch dieser nun folgende Artikel in Ihrer Hauptberichterstattung eine Veröffentlichung erfahren könnte. Denn es ist, meiner bescheidenen Meinung nach, von großer historischer Bedeutung, vor allem im Zusammenhang mit der brisanten Entwicklung um die Ukraine, wenn die Leserschaft von RT-DE auf die verpasste Gelegenheit zum Frieden und der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation aufmerksam gemacht werden könnte. Die Betonung liegt deswegen auf "Hauptberichterstattung", weil mein Artikel zu diesem bedeutenden historischen Ereignis sonst in der Flut an allgemeinen Meinungen in der Rubrik "Leserbriefe" möglicherweise nicht die Beachtung finden wird, die er eigentlich verdient. Vielleicht können Sie es ausnahmsweise möglich machen, diesem Wunsch zu entsprechen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Mit freundschaftlichen Grüßen und mit vorzüglicher Hochachtung aus Österreich!

Anmerkung der Redaktion: Der im Leserbrief gestellten Bitte kommen wir gerne nach und veröffentlichen nachstehend ungekürzt den Artikel von Bernd Langeder zum 25. Jahrestag des Auftritts von Wladimir Putin.

Es war einmal … vor 25 Jahren im Deutschen Bundestag

Am 25. September 2026 ist ein Vierteljahrhundert vergangen, als der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, seine Gedanken zu einer Neuordnung Europas, einer gemeinsamen wirtschaftlichen Zukunft und zur Gestaltung einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur in Europa im Parlament Deutschlands ausgesprochen hatte:

"Ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbstständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig nur festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird."

Dies ist ein Schlüsselsatz in dieser historischen und denkwürdigen Rede vor dem Deutschen Bundestag. Dieser Satz von Wladimir Putin war die Einladung zur Arbeit am Aufbau einer gemeinschaftlichen, paneuropäischen Sichtweise und die Aufforderung, an ein gemeinsames Potenzial und an ein freundschaftliches Verhältnis zu denken. Das war eine Chance für Westeuropa und man hat sie nicht wahrgenommen.

"Drei Dinge, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können: das gesprochene Wort, der abgeschossene Pfeil, die verpasste Gelegenheit." (Weisheit aus China)

Diese verpasste Gelegenheit fliegt Westeuropa gerade in Form des Ukraine-Konflikts mit Kriegsgebrüll um die Ohren. Wer die Rede des russischen Präsidenten analysiert, wird verstehen, dass er von Europa gesprochen hat und nicht explizit auf die EU referierte. Das war, meiner Meinung nach, eine verborgene Botschaft, oder eine Mahnung, die Gemeinsamkeiten zu erkennen und die Vorteile einer allumfassenden Partnerschaft mit Russland anzunehmen. Doch das hätte eine komplette Neuordnung oder eine Neuaufstellung der EU (und der NATO) bedeutet.

"Die Welt befindet sich in einer neuen Etappe ihrer Entwicklung. Wir verstehen: Ohne eine moderne, dauerhafte und standfeste internationale Sicherheitsarchitektur schaffen wir auf diesem Kontinent nie ein Vertrauensklima und ohne dieses Vertrauensklima ist kein einheitliches Großeuropa möglich. Heute sind wir verpflichtet, zu sagen, dass wir uns von unseren Stereotypen und Ambitionen trennen sollten, um die Sicherheit der Bevölkerung Europas und die der ganzen Welt zusammen zu gewährleisten."

Wahrscheinlich wusste Präsident Putin bereits bei seiner Rede im Bundestag, dass das nicht möglich sein wird und ein gemeinsames Europa, mit Russland als verlässlichem Partner, von der EU (mit den USA im Rücken) nicht einmal angedacht werden wird. Vielleicht hoffte er auf die Vernunft Deutschlands, als mächtiges EU-Land, um doch einige Gedanken verwirklichen zu können. Wie auch immer, es kamen Merkel in Deutschland und Obama in den USA an die Macht und der antirussische Kurs wurde im Westen in Beton gegossen.

"Es ist wichtig, diese Geschichte richtig zu deuten. Wie ein guter westlicher Nachbar verkörperte Deutschland für Russen oft Europa, die europäische Kultur, das technische Denkvermögen und kaufmännisches Geschick. Nicht zufällig wurden früher alle Europäer in Russland Deutsche genannt, die europäische Siedlung in Moskau zum Beispiel 'deutscher Vorort'."

Doch Deutschland und die Europäische Union, immer mehr geleitet von transatlantischem Turboglobalismus und von Oligarcheninteressen, waren insgeheim ziemlich verärgert, dass das Ziel, Russland zu übernehmen und nach altem Muster zu filetieren und auszubeuten, fehlgeschlagen ist. Die neue Generation von Politikern in der Russischen Föderation musste bereits vor 2001 erkannt haben, dass der Westen mit Russland ganz eigene Wünsche verfolgte und diese nicht zum Vorteil Russlands sein würden. So gesehen kann man die Rede Putins auch als Warnung verstehen, wenn man aufmerksam die Zwischentöne beachtet, dass sich das neue und selbstbewusste Russland nicht als Rohstofflager des Westens versteht, das sich von demselben so einfach in den Sack stecken lässt.

"Die Verwirklichung demokratischer Prinzipien in den internationalen Beziehungen, die Fähigkeit, richtige Beschlüsse zu fassen, und die Bereitschaft zu einem Kompromiss – das ist eine schwierige Sache. Es waren aber ausgerechnet Europäer, die als Erste verstanden haben, wie wichtig es ist, nach einheitlichen Beschlüssen zu suchen und den nationalen Egoismus zu überwinden."

Inzwischen haben die dystopischen Kräfte im Westen und in der Europäischen Union Überhand genommen, die in der Rede von Wladimir Putin enthaltenen Angebote wurden nicht angenommen. Das Ergebnis dieser fatalen Fehlentscheidung sehen wir nun 25 Jahre später: Russland prosperiert, während sich Westeuropa an den Folgen der antirussischen Vorgehensweise selbst ruiniert und es sterben nun tagtäglich sinnlos Ukrainer sowie Russen, weil die geopolitischen/geostrategischen Interessen des "Wertewestens" unerbittlich vorangetrieben werden.

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