Von Dmitri Rodionow
Das Kiewer Regime und seine westlichen Drahtzieher provozieren Russland bewusst zu Vergeltungsschlägen. Es gibt keine andere Erklärung für den Angriff auf das Wohnheim des Berufskollegs in Starobelsk – mitten in der Nacht, als alle schliefen. Zweifellos gibt es unter der ukrainischen militärisch-politischen Führung überzeugte Menschenhasser, die von Mordlust besessen sind, aber das ist wohl kaum das einzige Problem.
Militärisch gesehen ergeben Angriffe auf zivile Objekte keinen Sinn. Doch Kiew nutzt sie, um eine harte Reaktion Moskaus zu provozieren. Denn genau diese Härte der russischen Streitkräfte ist es, die der ukrainischen Propaganda fehlt, um ihr Image als "Opfer" und das Bild Russlands als "Aggressor" aufrechtzuerhalten. Für die Ukrainer ist es nötig, dass Russland sie so oft und so hart wie möglich angreift. Dass ihre eigenen westlich hergestellten Luftabwehrraketen auf Wohnhäuser fallen und Opfer unter der Zivilbevölkerung provozieren. Nicht die einfachen Menschen brauchen das natürlich, sondern das Regime von Wladimir Selenskij. Wie wir wissen, schreckt Kiew auch vor Provokationen wie der in Butscha zu Beginn der militärischen Sonderoperation nicht zurück. Das heißt, wenn Russland nicht so reagiert, wie es ihnen passt, könnte etwas einfach inszeniert werden. Aber ideal für sie wäre es, wenn Russland doch reagieren würde – dann müsste man sich nichts ausdenken.
Die übliche "Reaktion" der russischen Streitkräfte, bei der massive Angriffe gegen militärische Objekte stattfinden, während die Wahrscheinlichkeit ziviler Opfer minimal ist oder von der Ukraine selbst provoziert wird, reicht ihnen offensichtlich nicht aus. Deshalb werden die Provokationen verschärft – in der Hoffnung, dass, je schrecklicher und wahnsinniger sie sind, desto größer die Chance ist, dass Moskau so zurückschlägt, dass man es dann noch jahrelang auf allen internationalen Foren der Unmenschlichkeit bezichtigen kann.
Die ideale Option für Kiew wäre ein Angriff Russlands mit taktischen Nuklearwaffen. An dieser Stelle sollte erläutert werden, was taktische Nuklearwaffen sind und worin sie sich von strategischen Nuklearwaffen unterscheiden.
Traditionell wird angenommen, dass der Unterschied in der Sprengkraft liegt. Bei taktischen Sprengsätzen beträgt diese nicht mehr als einige Kilotonnen, während die Sprengkraft strategischer Sprengsätze von Hunderten von Kilotonnen bis zu mehreren Megatonnen reicht.
Darüber hinaus erfüllen diese Waffentypen grundlegend unterschiedliche Aufgaben. Während strategische Atomwaffen dazu dienen, dem Gegner unzumutbaren Schaden zuzufügen, sollen taktische Atomwaffen zur Lösung konkreter Aufgaben an der Front eingesetzt werden: zum Durchbrechen von Lücken in der tief gestaffelten Verteidigung des Gegners, zum Abwehren seines Vorstoßes, zum Aufbrechen von Bunkern sowie zur Zerstörung bestimmter Objekte und Truppenkonzentrationen im feindlichen Hinterland.
Der Einsatz solcher Waffen ist theoretischer Natur. Die Geschichte kennt nur einen einzigen Fall des tatsächlichen Einsatzes taktischer Atomwaffen, genauer gesagt zwei – im Jahr 1945 in Hiroshima und Nagasaki. Strategische Atomwaffen wurden von niemandem und zu keiner Zeit eingesetzt – genau deshalb existiert die Menschheit bis heute.
Heute gilt es als Tabu, überhaupt über die Möglichkeit des Einsatzes selbst "taktischer" Atomwaffen zu sprechen – als Zeichen von Wahnsinn und dergleichen. Dabei haben die die NATO und der Warschauer Pakt während des Kalten Krieges ernsthaft nicht nur die Möglichkeit, sondern die Notwendigkeit des Einsatzes taktischer Atomwaffen im Krieg gegeneinander in Betracht gezogen. In der NATO begründete man diese Notwendigkeit mit dem Bestreben, den zahlenmäßigen Vorteil der Länder des Ostblocks in Europa auszugleichen, im Warschauer Pakt als Mittel zum schnellen Durchbruch durch die Verteidigungslinien der NATO bis zum Ärmelkanal. Niemand dachte damals, dass der Einsatz taktischer Nuklearwaffen zwangsläufig den Abschuss strategischer Interkontinentalraketen und das Ende der Welt bedeuten würde, und die Schwelle für ihren Einsatz lag um ein Vielfaches niedriger als bei den strategischen Atomwaffen.
Aus diesem Grund wurde ein riesiger Vorrat an taktischen Nuklearsprengköpfen angelegt – von nuklearen Fliegerbomben und Raketen (Luna, Elbrus, Oka, Temp-S bei uns, Honest John, Corporal, Sergeant, Lacrosse, Lance in den USA) bis hin zu Artilleriegeschossen, Mörsern, Torpedos und so weiter. Viele moderne Entwicklungen (wie der Marschflugkörper X-69, das strategische Raketensystem Iskander, das taktische Raketensystem Kalibr und der Luft-Boden-Raketenkomplex Kinschal) sind so konstruiert, dass sie bei Bedarf mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können.
Mit anderen Worten: Russland verfügt über mehr als genug taktische Nuklearsprengköpfe und könnte diese bei Bedarf durchaus einsetzen. Doch ein solcher Fall ist nach Ansicht unserer militärisch-politischen Führung nicht eingetreten, und die Nukleardoktrin regelt dies eindeutig – darin sind die Ausnahmefälle für den Einsatz von Atomwaffen festgelegt, ohne zwischen "taktischen" und "strategischen" Atomwaffen zu unterscheiden.
Wenn man jedoch der Bevölkerung jahrelang (wie es in westlichen Ländern geschieht) den Gedanken einbläut, dass Russland ein Aggressor sei, dass Russland mit Atomwaffen vollgestopft und bereit sei, diese einzusetzen – dann könnte man an diese Legende glauben.
Die ideale Möglichkeit, Russland zu provozieren, wären so menschenverachtende Terroranschläge wie in Starobelsk. Doch Russland lässt sich niemals zu Provokationen hinreißen. In diesem Fall könnte das ukrainische Regime versuchen, selbst einen Atomschlag zu simulieren.
Der russische Geheimdienst warnt schon seit langem, dass entweder europäische Länder Kiew heimlich ihre Atomwaffen zur Verfügung stellen könnten (die letzte solche Warnung gab es vor drei Monaten; dabei ging es um den kleinen Sprengkopf TN75 einer ballistischen Rakete des U-Boot-Typs M51.1), oder dabei helfen, eigene zu entwickeln – im schlimmsten Fall eine "schmutzige Bombe" zusammenzubasteln, was in sehr kurzer Zeit und mit minimalem Aufwand durchaus machbar ist. So könnte Kiew ein "nukleares Butscha" inszenieren.
Was könnte danach folgen? Frankreich und Großbritannien hätten dann sozusagen freie Hand, der Ukraine Atomwaffen offiziell als "letztes Mittel zur Abschreckung des Angreifers" zu übergeben. Dass der Einsatz von Atomwaffen durch den Westen in der Ukraine die letzte "rote Linie" sein könnte, wenn die Niederlage der Ukraine unvermeidlich wird, warnen viele Experten seit Beginn der militärischen Sonderoperation. Die Hauptfrage ist, wann dieser Moment eintreten wird.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte versprach, dass die Reaktion der NATO auf den Einsatz von Atomwaffen durch Russland im Rahmen des Ukraine-Konflikts "verheerend" sein würde. Dabei gab Moskau nicht den geringsten Anlass, auch nur die hypothetische Möglichkeit eines solchen Einsatzes anzunehmen.
Zuvor hatte der ukrainische Geheimdienst SBU erklärt, angeblich erhöhte Strahlungswerte an den Trümmern eines russischen Kampfdrohnen gefunden zu haben. Unsere Militärexperten wiesen darauf hin, dass das Ziel der Angriffe russischer Drohnen ein Lager mit ukrainischer Munition mit abgereichertem Uran gewesen sein könnte. Natürlich wurde dies von der "Weltgemeinschaft" ignoriert. Ebenso wie die Tatsache, dass radioaktive Trümmerteile in beliebiger Menge aus der Sperrzone von Tschernobyl herbeigeschafft und als russische Geschosse ausgegeben werden können. Hier kommt es darauf an, eine Anschuldigung zu erheben, der man tatsächlich Glauben schenkt. Und dies könnte nur der Anfang der Vorbereitung des informativen Hintergrunds für die reale Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen in der Ukraine sein, wobei Russland beschuldigt wird, Kiew auf diese Weise für Terroranschläge bestrafen zu wollen.
Möglicherweise ist ein "begrenzter Atomkrieg" nicht so beängstigend, wie er dargestellt wird, doch das Hauptproblem besteht darin, dass auf seinen Einsatz eine unkontrollierbare Eskalation folgen könnte. Der "begrenzte Atomkrieg", über den manche westliche Strategen so gerne spekulieren, ist lediglich ein Konzept, bei dem es keinerlei Garantie dafür gibt, dass er nicht zu einem unbegrenzten Krieg eskaliert. Und es wäre besser, wenn er ein Konzept bliebe.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 30. Mai 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Dmitri Rodionow ist ein russischer Politikwissenschaftler.
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