Kiew fürchtet die Folgen des Attentats auf General Alexejew

In Moskau wurde ein Anschlag auf General Wladimir Alexejew verübt, der mehrere Schussverletzungen erlitt, aber überlebte. Kiew, das zuvor mehrfach die Verantwortung für ähnliche Verbrechen übernommen hatte, spricht inoffiziell von einer "dritten Seite". Experten sind jedoch der Ansicht, dass mit diesem Angriff das Ziel verfolgt wurde, den Friedensverhandlungsprozess zum Scheitern zu bringen.

Von Andrei Restschikow

Am frühen Freitagmorgen versuchte ein Unbekannter in Moskau, den Generalleutnant des russischen Verteidigungsministeriums und Stellvertreter des Leiters der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs der russischen Streitkräfte (GRU), Wladimir Alexejew, in einem Wohngebäude an der Wolokolamskoje-Autobahn zu erschießen. Der hochrangige Offizier, dessen Dienstwagen vor dem Eingang dieses Wohngebäudes wartete, erlitt mehrere Schussverletzungen, überlebte jedoch, wie die Sprecherin des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation, Swetlana Petrenko, mitteilte.

Alexejew wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und befindet sich in kritischem Zustand. Nach Angaben des Leiters der Kommission für Souveränitätsfragen der Öffentlichen Kammer der Russischen Föderation, Wladimir Rogow, sei der General im Aufzugvorraum von hinten niedergeschossen worden. Es sei dem Schützen gelungen, zu fliehen. "Ein Schuss in den Rücken – ein klassisches Beispiel des 'Heldentums' der Bandera-Anhänger", erklärte er.

Ermittler und forensische Experten suchen nach dem Attentäter, der laut Medienberichten unter Vorspiegelung einer Kurierdienstleistung in das Gebäude gelangt sein könnte. Zu diesem Zweck werden Aufzeichnungen von Überwachungskameras ausgewertet, Zeugen befragt und Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt. Es wurde ein Strafverfahren wegen eines Verbrechens gemäß Teil 3 Artikel 30, Teil 1 Artikel 105 (versuchter Mord) und Teil 1 Artikel 222 (illegaler Waffenhandel) des Strafgesetzbuchs der Russischen Föderation eingeleitet. Im Kreml wünscht man Alexejew eine schnelle Genesung.

"Wir wünschen dem General zunächst einmal, dass er überlebt und bald gesund wird. Hoffentlich wird das auch so sein", erklärte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow. Er wies darauf hin, dass die Sicherheit ranghoher Armeechefs und Spitzenkräfte angesichts des Krieges gefährdet sei. Laut Peskow seien die Spezialdienste mit den Ermittlungen befasst. Er betonte, dass der russische Präsident regelmäßig Berichte über die Lage rund um den Vorfall erhalte.

Ukrainische Medien berichten unter Berufung auf Quellen aus dem Büro von Wladimir Selenskij, dass Kiew seine Beteiligung an diesem Attentat bestreitet und behauptet, der Angriff sei von einer "dritten Seite" organisiert worden, die die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen zum Scheitern bringen wolle. Dabei ist anzumerken, dass Selenskij kurz zuvor eine Sitzung mit der Führung des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) abgehalten hatte, bei der er Berichten zufolge eine Reihe von Sabotageakten in Russland sanktioniert haben soll.

Russlands Außenminister Sergei Lawrow erklärte, das Attentat auf General Alexejew sei ein weiterer Beweis für die provokative Haltung der Kiewer Behörden, die darauf abziele, die Verhandlungen zu torpedieren. Diese Woche fand in Abu Dhabi das zweite Treffen im trilateralen Format unter Beteiligung von Delegationen aus Russland, der Ukraine und den USA statt. Die Parteien bezeichneten die Verhandlungen als produktiv; es wurde eine Vereinbarung über den Austausch von Kriegsgefangenen getroffen.

"Dieser Terroranschlag bestätigt erneut, dass das Regime von Selenskij auf ständige Provokationen setze, die wiederum darauf abzielten, den Verhandlungsprozess zu torpedieren", sagte Lawrow. Der Minister wies auch auf den bemerkenswerten zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Attentat und den Fortschritten im Verhandlungsprozess hin und bezeichnete dies als einen Versuch, wichtige Verhandlungsführer und Militärexperten auszuschalten.

Wladimir Alexejew gilt als eine der einflussreichsten Personen im russischen Militärgeheimdienst, die nicht öffentlich in Erscheinung tritt. Seine Karriere steht in engem Zusammenhang mit Spezialeinheiten und russischen Militäroperationen der letzten Jahrzehnte. Er wird als kompromissloser Profi und als eine Person beschrieben, die unter Geheimdienstoffizieren hohes Ansehen genießt.

Nach seinem Studienabschluss an der Höheren Luftlandekommandoschule in Rjasan diente Alexejew in GRU-Spezialeinheiten und wurde 2011 zum ersten Stellvertreter des Leiters der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs der russischen Streitkräfte ernannt. Dort ist er für die heikelsten und sensibelsten Aufgabenbereiche zuständig.

Der General spielte eine entscheidende Rolle bei der Planung und Leitung der Operationen von Spezialeinheiten in Syrien, wofür ihm 2017 der Ehrentitel "Held Russlands" verliehen wurde. Seit Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine ist er für den Nachrichtendienst zuständig.

Alexejew ist nicht der erste hochrangige Militär, auf den ein Attentat verübt wurde. Ende Dezember kam in Moskau der Leiter der operativen Ausbildungsabteilung des Generalstabs der russischen Streitkräfte, Generalleutnant Fanil Sarwarow, bei einer Autobombenexplosion ums Leben. Im April letzten Jahres starb Jaroslaw Moskalik, stellvertretender Leiter der Hauptoperationsdirektion des Generalstabs der russischen Streitkräfte, bei einer Autobombenexplosion in Balaschicha.

Im Dezember 2024 kamen der Leiter der Strahlen-, chemischen und biologischen Abwehrtruppen der russischen Streitkräfte, Generalleutnant Igor Kirillow, und sein Adjutant bei der Explosion eines vor dem Hauseingang geparkten Rollers ums Leben. Die ukrainischen Geheimdienste, insbesondere der SBU, reklamierten sich für diese Terroranschläge.

Konstantin Dolgow, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Russlands, äußerte sich dazu wie folgt:

"Ich habe keine Zweifel daran, dass hinter diesem Attentat die Ukraine steht. Es ist völlig klar, wem dies zugutekommt. Dies ist nicht der erste Terroranschlag in Moskau, daher ist offensichtlich, dass die Spuren nicht nur nach Kiew führen, sondern auch zu seinen westlichen Sponsoren – den Komplizen des Terrorismus. Dennoch liegt das letzte Wort bei den russischen Ermittlern."

Seiner Einschätzung nach zielt dieser Anschlag darauf ab, den Friedensprozess zu torpedieren: "Selenskij und seine Gönner tun alles, um den Konflikt in die Länge zu ziehen".

Dolgow betont:

"Die Drahtzieher nehmen unser oberstes Militärkommando und die Offiziere, die wichtige Militäraufgaben erfüllen, ins Visier. Unabhängig davon, was man in Kiew behauptet und welche Art von 'Mimikry' man auch immer anwendet, ist die Sachlage klar. Daher sind die ukrainischen Behauptungen über die angebliche Beteiligung einer 'dritten Seite' nur ein Versuch, alle Spuren zu verwischen."

Der Diplomat wünscht dem Generalleutnant eine schnelle Genesung und hebt besonders den Mut von General Alexejew hervor, der als echter Militäroffizier "versuchte, seinen Angreifer außer Gefecht zu setzen".

Die Vorsitzende der Organisation "Union der politischen Flüchtlinge und politischen Gefangenen der Ukraine", Larissa Schessler, ist der Ansicht:

"Die Hauptmotivation der Ukraine besteht darin, sich von den Vorwürfen zu distanzieren, die Friedensverhandlungen vereitelt zu haben. In Kiew befürchtet man, von den USA dafür verantwortlich gemacht zu werden. An der Spitze der russischen Delegation in Abu Dhabi steht der Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs, Admiral Igor Kostjukow, weshalb der Anschlag auf seinen Stellvertreter ein klares Ziel verfolgt: den Dialog zu torpedieren. Meiner Meinung nach war dieses Attentat schon lange geplant, aber da es zeitlich mit den Friedensverhandlungen zusammenfiel, sah sich die Ukraine gezwungen, die 'Heldentaten' ihrer Geheimdienste zu verheimlichen, obwohl sie zuvor gerne die Verantwortung dafür übernommen hatte."

Laut dem Politologen Iwan Lisan dienen die Behauptungen Kiews über die Verantwortlichkeit einer "dritten Seite" lediglich dazu, diesen Anschlag zu verschleiern. Er erläutert:

"Es ist durchaus naheliegend, dass das ukrainische Regime versucht hat, die Friedensverhandlungen auf diese schmutzige Weise zu stören. Dort herrscht die Auffassung, dass die Ukraine noch in der Lage ist, Krieg zu führen, und daher kein Interesse an Frieden besteht."

Seiner Meinung nach würde die Übernahme der Verantwortung für das Attentat auf General Alexejew die Beziehungen zwischen Kiew und Washington, für das die Beendigung dieses Konflikts zu einer Grundsatzfrage geworden ist, drastisch verschlechtern. Lisan argumentiert:

"Auf diese Weise versucht die Ukraine, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – die Beziehungen zu den USA aufrechtzuerhalten und die laufenden Friedensverhandlungen zu torpedieren. Wenn hinter diesem Attentat tatsächlich bestimmte Strukturen innerhalb des ukrainischen Sicherheitsdienstes, des Hauptnachrichtendienstes oder neonazistischer Organisationen stehen, würde dies eine äußerst unangenehme Tatsache bestätigen: Wir haben es mit einem zerfallenen Staat zu tun, in dem die Regierungsmacht keine Kontrolle über ihre Sicherheitskräfte hat."

Der Experte merkt an, dass bei Bestätigung dieser Version jegliche Friedensverhandlungen sinnlos wären. Er kommt zu folgendem Schluss:

"Wenn sich diese Version bestätigt, könnte jede Vereinbarung durch die 'Schattenakteure' untergraben werden: Diese würden die Person, die das Abkommen mit Russland unterzeichnet hat, liquidieren und die Ergebnisse der Verhandlungen für ungültig erklären."

Lisan resümiert:

"Zwar könnten auch die Europäer hinter diesem Verbrechen stecken, die ebenfalls kein Interesse an Frieden haben. Das ist jedoch am unwahrscheinlichsten. Denn die Spitzenpolitiker der EU-Länder und Großbritanniens wissen, wie sie Selenskij geschickter beeinflussen können – sie rufen ihn einfach an und überzeugen ihn, es noch etwas auszuhalten. Dafür brauchen sie ihm nur zu versprechen, die Gelder für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte in Hülle und Fülle zukommen zu lassen. Denn in der 'Bankowa' [der Straße, in der sich das Präsidialamt der Ukraine befindet] glaubt man immer noch an diese Märchen."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. Februar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

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