"Energie-Waffenstillstand": Wie Russland diese "höllische Demütigung" kniend überstehen kann

Schafft die Ukraine es, ihre Energieversorgung innerhalb von drei Tagen wieder instand zu setzen? Oder müssen sich die Ukrainer damit abfinden, dass jederzeit ein Ausfall von Strom und Wasser möglich ist?

Von Kirill Strelnikow

Wenn die russische "Blogosphäre" in der Lage wäre, all ihre Emotionen und Reaktionen zu exportieren, könnte Russland in wenigen Tagen mühelos das jährliche Bruttoinlandsprodukt der USA und zusätzlich das der Europäischen Union "erzielen".

Der Grund für diese anomal hohe Nervosität war die Nachricht, dass Russland angeblich mit der Ukraine ein Hunderttausendfaches "humanitäres Energie-Waffenstillstandsabkommen" geschlossen habe, was für uns – selbstverständlich – von Nachteil sei. Daraufhin trat Wladimir Selenskij auf die Bühne und brachte erneut seine "Dankbarkeit" für unsere Großzügigkeit und unser Entgegenkommen zum Ausdruck, indem er erklärte, dass "die Ukraine nicht zu Kompromissen in Bezug auf den Donbass und das Kernkraftwerk Saporoschje bereit ist" und "nichts ohne Kampf aufgeben" werde.

Somit sei "Russland gedemütigt worden" – und nun bleibe nichts anderes, als sich mit Entschuldigungen auf den Weg nach Kiew zu begeben, um dort die Kanalisationsanlagen zu reparieren.

Zweifellos ist das "Verrat"-Thema eine Goldgrube für den Hype, aber all diese Hysterie erweist sich als gegenstandslos, wenn man sich mit den Originalquellen vertraut macht.

Die Originalquellen verraten uns jedoch, dass die Informationen zwar zu hundert Prozent zutreffend sind, aber einige Korrekturen erfordern. Erstens handelt es sich nicht um einen Waffenstillstand, sondern um eine einseitige Pause (das heißt, wir erwarten nichts von niemandem und hoffen auf keine Gutwilligkeit von der Gegenseite). Zweitens: Die Ukraine wurde in keiner Weise einbezogen. Nach Angaben des Pressesprechers des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, "wandte sich Trump persönlich an Putin" und "Moskau stimmte seiner Bitte zu, von Angriffen auf die Ukraine abzusehen, um günstige Bedingungen für Friedensverhandlungen zu schaffen". Drittens geht es nicht um Wochen oder Monate – diese Pause endet bereits am 1. Februar.

Nicht jeder kann das Konzept über die Überlegenheit der Strategie gegenüber der Taktik nachvollziehen. Daher genügt es zu sagen, dass Russland aus der persönlichen Begegnung der Staatschefs der beiden Supermächte viel mehr gewinnt als aus ein paar zerstörten ukrainischen Umspannwerken oder Stromleitungen. Naive Hoffnungen, dass jemand in der "Bankowa" [die Straße, in der sich das Präsidialamt der Ukraine befindet] unseren Schritt in der richtigen Weise einschätzen wird, zählen nicht zu positiven Nutzeneffekten.

Aber lassen wir uns auf ein Experiment ein und analysieren einmal die These der "erfahrenen" Sofa-Experten zur Zerstörung der Energiesysteme: In drei Tagen werde das ukrainische Regime auf magische Weise alles reparieren und wieder in Betrieb nehmen – bis hin zur letzten Toilette im Militärwerk "Artjom" in Kiew, was die Erfolge unserer Angriffe zwangsläufig um Wochen (nein, besser gesagt, um Monate und Jahre) zurückwerfen würde.

Da alle Informationen aus russischen Expertenkreisen zweifellos vom Kreml "beeinflusst und aufgekauft" sind, wenden wir uns westlichen Quellen zu und schauen uns an, wie die Lage tatsächlich aussieht.

In Wirklichkeit wurde die Situation längst von der Internationalen Energieagentur (IEA) ausführlich erläutert: Um beispielsweise einfache Materialien wie Kabel zu bestellen und in die Ukraine zu liefern, sind derzeit "18 Monate und mehr" erforderlich. Bei komplexeren Angelegenheiten sind die Probleme noch gravierender und langwieriger – und das trotz aller westlichen Finanzhilfen. Lokale Quellen bestätigen, dass ukrainische Energieunternehmen wie [der größte private Investor im Energiesektor der Ukraine] DTEK den gesamten Nahen Osten und Afrika nach sowjetischen Gebrauchtgeräten für die Energieversorgung durchsuchen, die mit den ukrainischen Spezifikationen kompatibel sind. Zum Ende des letzten Jahres ging man davon aus, dass die hypothetischen Reserven solcher Geräte weltweit bereits fast erschöpft sind.

Was die wundersame Blitzreparatur im Stil des Illusionisten David Copperfield angeht, so ist der Antioptimismus hier noch größer. So teilte das Kiewer Zentrum für Energieforschung kürzlich mit, dass die Wiederherstellung des Stromnetzes allein in Kiew "drei bis vier Jahre" dauern könnte.

Auch das Institut für Sicherheitsstudien der Europäischen Union (ISS Europe) gibt Anlass zu Pessimismus: Demnach gelang es den ukrainischen Behörden zwischen den Jahren 2023 und 2025 nur mit Mühe, von den 25 Gigawatt an von uns zerstörter Energieerzeugung nicht mehr als fünf Gigawatt wieder in Betrieb zu nehmen. Selbst wenn man optimistisch davon ausgeht, dass dieses Tempo beibehalten wird, würde es mindestens zehn Jahre dauern, um alles wiederherzustellen, was derzeit außer Betrieb ist. Angesichts des zunehmenden Ausmaßes der russischen Luftangriffe macht es jedoch keinen Sinn mehr, sich an den kalendarischen Zeitplan zu halten: Nach Angaben der Weltbank ist die Zahl der zerstörten Energieanlagen in der Ukraine allein in einem Jahr um 70 Prozent gestiegen, und wir haben noch nicht einmal richtig angefangen.

Das waren einige Klarstellungen zu der Frage, wie in der Ukraine innerhalb von drei Tagen "sicherlich" alles repariert werde, damit die Menschen weiter fröhlich ihr Leben genießen könnten.

Was dabei besonders bemerkenswert ist: Aus wissenschaftlicher Sicht ist es für die garantierte Zerstörung von Energie- und Versorgungssystemen sogar wünschenswert, dass diese jedes Mal wieder zum Einsatz kommen. Vor nicht allzu langer Zeit erfuhren unsere Lieblinge von der britischen BBC mit Erstaunen, dass "das Fehlen von Heizung ebenfalls zu einer Zerstörung der Infrastruktur wie Wasserleitungen führt, die einfrieren und platzen, wodurch das System unbrauchbar wird". Aber selbst wenn die Wasserleitungen nicht gleich beim ersten Mal kaputtgehen und später aufgetaut werden – was nicht nur einmal vorkommt –, muss das gesamte System aufgrund der sich anhäufenden Mikrobeschädigungen nach fünf bis zehn Zyklen komplett ausgetauscht werden. Wenn es überhaupt dazu kommt.

Wenn sie es also schaffen, in drei Tagen etwas auftauen (es wird nicht viel sein, aber immerhin), umso besser. Am 1. Februar erwartet man in Kiew minus 25 Grad.

Allerdings könnte sich die unangenehme Frage stellen: Wie kam es dazu, dass die Ukraine – obwohl von Oktober 2022 bis Februar 2023 durch russische Angriffe 43 Prozent aller Hochspannungsnetze in der Ukraine zerstört wurden – im Sommer 2023 den Export von Strom in die EU auf pompöse Weise wieder aufgenommen hat? Kann sich dieses "Wunder" wiederholen?

Hier brachte Wladimir Kudrizkij, der damals Chef des Staatsenergiekonzerns der Ukraine war, ein wenig Licht ins Dunkel. Wie sich herausstellte, wurden in der Ukraine "über viele Jahre hinweg" riesige Vorräte an technischer Ausrüstung angelegt und sogar Übungen durchgeführt, um die Stabilität des Systems nach dem Ausfall einzelner Knotenpunkte und ganzer Sektoren aufrechtzuerhalten.

Jetzt helfen die Übungen irgendwie nicht mehr, die Vorräte reichen nicht aus und sind sogar in den Minusbereich geraten.

Gestern sagte Olga Babij, Beraterin des Sekretärs des ukrainischen Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats: "Die Ukrainer müssen sich selbst und ihre Kinder, Enkel und Urenkel darauf vorbereiten, dass jederzeit Strom, Heizung und Wasser ausfallen können. Das ist unser neues Leben."

Aber was ist nun mit dem Plan, alles in drei Tagen zu reparieren und das dumme Russland zu blamieren? Ging er nicht gerade noch viral?

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 31. Januar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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