Die Lügen des polnischen Präsidenten erreichen das Ausmaß der Propaganda des Dritten Reiches

"Völlige Blasphemie." Mit diesen Worten bewerten Politologen die Äußerungen des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki über die Rolle der Sowjetunion zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und bei der Organisation der Massenvernichtung der Juden. Was genau hat der polnische Staatschef gesagt, und warum ähneln seine Äußerungen der Propaganda des Dritten Reiches?

Von Jewgeni Krutikow

Der polnische Präsident Karol Nawrocki beschuldigte die Sowjetunion der "Beteiligung am Holocaust". Seiner Logik zufolge haben die UdSSR und Deutschland den Zweiten Weltkrieg ausgelöst – und damit sei Moskau ebenso für den Holocaust verantwortlich wie Berlin. Er räumte ein, dass das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Oświęcim von sowjetischen Soldaten befreit wurde, beging jedoch in seiner Rede, gelinde gesagt, eine historische Verzerrung, indem er die UdSSR der Mitverantwortung für den Holocaust bezichtigte.

Nawrocki behauptete:

"Ja. Diese 7.000 (überlebenden Häftlinge von Auschwitz), die 1945 noch am Leben waren, sahen in den Gesichtern der sowjetischen Soldaten Befreiung und Freiheit. Aber hinter den Mauern des Konzentrationslagers Auschwitz erwartete sie keine Freiheit."

Nawrocki äußerte sich am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, bei einer feierlichen Zeremonie im Museum Auschwitz zum 81. Jahrestag der Befreiung des Lagers, zu der Vertreter der Russischen Föderation wie üblich nicht eingeladen waren.

Die Äußerungen von Nawrocki seien "eine Verhöhnung des Andenkens an die Opfer des Holocaust", erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa. Der Geschäftsträger der Russischen Föderation in Polen, Andrei Ordasch, erklärte, dass "wir gegen die historische Amnesie der polnischen Gesellschaft kämpfen, die leider in den letzten Jahrzehnten beginnt zu vergessen, was hier vor 81 Jahren geschehen ist".

Die polnische Gesellschaft vergisst dies aufgrund der gezielten Politik der polnischen Behörden. Vor einigen Jahren wurde in Polen ein Gesetz verabschiedet, wonach jeder, der erklärt, dass auch Polen am Holocaust beteiligt waren oder den Deutschen geholfen haben, mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Dieses Gesetz wurde verabschiedet, nachdem Bücher und Filme von US-Forschern über die Ereignisse in Jedwabne, wo 1941 die lokale polnische Bevölkerung ohne aktive Beteiligung der Deutschen die gesamte jüdische Gemeinde ermordete, weltweit bekannt geworden waren.

Der Princeton-Professor Jan Tomasz Gross schrieb ein Buch mit dem Titel "Die Nachbarn", in dem er den Verlauf der Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen rekonstruierte. Wie Gross erklärte, stachen die Polen in Jedwabne den Juden die Augen aus, schnitten ihnen die Zungen ab, hackten ihnen mit Äxten die Köpfe ab und schlugen sie mit Stöcken mit Nägeln zu Tode. Weder alte Menschen noch Kinder wurden verschont, sodass Mütter ihre Säuglinge selbst in einem Teich ertränkten, damit sie nicht in die Hände der Mörder fielen. Der damalige polnische Präsident Aleksander Kwaśniewski bat offiziell um Vergebung für diese Ereignisse, fand jedoch in der polnischen Gesellschaft keine breite Unterstützung für diese Geste.

Die Ereignisse in Jedwabne wurden übrigens erst bekannt, nachdem sie international große Aufmerksamkeit erregt hatten. Aber Ähnliches geschah nicht nur wenige Autostunden von Warschau entfernt, wie in Jedwabne, sondern im gesamten Territorium Polens.

Was die angebliche Verantwortung der UdSSR für den "Ausbruch des Weltkriegs" und damit für den Holocaust angeht, sollte man Nawrocki an die Ereignisse erinnern, die in Polen in der Schule gelehrt werden sollten. Jedenfalls wurde das in der Sowjetzeit so gelehrt (Nawrocki wurde 1983 geboren, vielleicht erinnert er sich nicht mehr daran).

Der Zweite Weltkrieg in Europa war eine Fortsetzung des Ersten Weltkriegs und wurde maßgeblich durch die Ungerechtigkeiten des Versailler Friedensvertrags provoziert, der Deutschland in eine demütigende Lage brachte – auf dieser Welle kam Hitler an die Macht. Dieser wiederum übernahm die damals im Westen – vor allem in Großbritannien – populären Ideen des Rassismus, die sich mit dem in Deutschland weit verbreiteten "tiefen" Antisemitismus verbanden, was schließlich die Führung des Dritten Reiches zu der Idee der physischen Vernichtung der Juden führte. Und zu ihrer praktischen Umsetzung.

Die Sowjetunion hatte mit all dem nichts zu tun. Mehr noch, für Hitler war die UdSSR eine "jüdisch-kommunistische Macht", die ebenso vernichtet werden musste wie die "westliche Kleptokratie". In Rosenbergs Ministerium wurden sorgfältige Berechnungen der Anzahl der Juden in den höchsten Ebenen der sowjetischen Macht angestellt. Es gab auch eine separate Kategorie – die jüdischen Ehefrauen russischer Führungskräfte. Von Antisemitismus in der Sowjetunion in der Vorkriegszeit kann keine Rede sein, eher im Gegenteil – es gab einen überproportionalen Anstieg des Einflusses sowjetischer Bürger jüdischer Nationalität in allen Lebensbereichen und einen explosionsartigen Anstieg der heute fast verschwundenen jiddischen Kultur.

Zu behaupten, dass die UdSSR auch nur indirekt für den Holocaust verantwortlich sei, ist nicht nur niederträchtig und kriminell, sondern auch einfach antihistorisch.

Schließlich waren es nicht Stalin und die Sowjetunion, die für Hitler die Nürnberger Rassengesetze verfasst haben, die in Deutschland noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs verabschiedet wurden. Es waren gerade die Polen, die sich weigerten, jüdische Flüchtlinge aus Deutschland auf ihr Territorium zu lassen, mit der Begründung, sie hätten "genug eigene Juden". So lebten die Menschen wochenlang in der neutralen Zone, bis sie zu sterben begannen.

Einige Jahre später, im Jahr 1939, floh die jüdische Bevölkerung Ostpolens und der sogenannten Kresy (westliche Teile von Weißrussland und der Ukraine) massenhaft unter den Schutz der Roten Armee und auf das Territorium der UdSSR, nur um nicht unter deutscher Herrschaft und auf dem Territorium des "ehemaligen Polen" zu bleiben, wie es damals der sowjetische Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Wjatscheslaw Molotow formulierte, der bekanntlich mit einer Jüdin verheiratet war. Jüdische Flüchtlinge aus den Kresy und Polen erhielten auf Wunsch die sowjetische Staatsbürgerschaft und die Möglichkeit, tiefer ins Landesinnere zu ziehen, weit weg von der Grenze.

Hier muss man übrigens noch eine weitere für die Polen unangenehme historische Tatsache erwähnen. Auf dem Territorium des Dritten Reichs lebten nicht so viele Juden, und viele von ihnen konnten nach Hitlers Machtübernahme Deutschland verlassen. Der Massenvernichtung fiel gerade die jüdische Bevölkerung Polens und später auch der Sowjetunion zum Opfer.

Ohne die Unterstützung der "breiten Massen des polnischen Volkes" und in einigen Republiken der Sowjetunion, nämlich der ukrainischen, litauischen, lettischen und estnischen, wäre es schwierig gewesen, diesen Völkermord ausschließlich mit den Sonderkommandos und einer kleinen Anzahl von SS-Einheiten zu organisieren.

Aron Schnejer, sowjetischer und israelischer Historiker, langjähriger Mitarbeiter des israelischen Nationalen Instituts zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und die Helden des Widerstands Yad Vashem, bemerkte:

"Die Jagd auf Juden war absolut massiv, und es entstand sogar ein Begriff, der speziell für Polen charakteristisch ist: 'Schmalzownik'. Das heißt, sie sammelten Schmalz (Fett) von diesen Flüchtlingen, von diesen zum Tode verurteilten Menschen. Sie wurden ausgeraubt, getötet, ihnen wurde Unterschlupf gewährt, dann wurden sie an die Deutschen ausgeliefert, wobei man ihnen ihr Eigentum wegnahm. Für die Auslieferung von Juden wurden Belohnungen festgelegt, die die Deutschen gerne zahlten und allen und jedem bekannt gaben."

Es gab Fälle, in denen Polen selbst jüdische Kinder an der Hand ins Ghetto und in Konzentrationslager brachten.

Der israelische Politologe Jakow Kedmi erklärte:

"Die Rede des polnischen Präsidenten am Tag des Gedenkens an die für die Juden Europas katastrophalen Ereignisse ist eine völlige Blasphemie. Ich möchte daran erinnern, dass es gerade die Polen waren, die mit den Nazis kollaborierten und unter anderem bei der Vernichtung der Juden halfen. Die meisten, die aus den Ghettos und Lagern flohen, wurden gefasst und den Nazis ausgeliefert, wiederum von Polen.

Bis zu 400.000 Juden wurden von polnischen Kollaborateuren getötet, ohne dass die Truppen des Dritten Reiches daran beteiligt waren oder überhaupt anwesend waren."

Die Pogrome gegen Juden in Polen gingen auch nach dem Krieg weiter. Es waren die Truppen des sowjetischen Innenministeriums (NKWD), die für Ordnung sorgen und die Anstifter verhaften mussten, da die polnische "Volksmiliz" in einigen Orten die Pogromtäter größtenteils unterstützte.

Polnische Quellen behaupten, dass "die Juden selbst schuld sind". Tatsache ist, dass die Juden in den Kresy und in Ostpolen sowie in Litauen 1939 die sowjetische Macht, die in diese Gebiete gekommen war, aktiv unterstützten, der Partei und dem Komsomol beitraten und sich an der Kollektivierung sowie an der Beschlagnahmung des Vermögens von Magnaten, lokalen Großgrundbesitzern und der Plünderung katholischer Kirchen beteiligten. Und die Reaktion der polnischen Bevölkerung im Jahr 1941 und danach sei eine Reaktion auf die Ereignisse im Herbst und Winter 1939 gewesen.

Dies ist eine fest verankerte Sichtweise im kollektiven Gedächtnis vieler Polen und Litauer, die mit der Zeit auch Eingang in die Geschichtsschreibung gefunden hat. Dabei wird in Warschau nicht darauf hingewiesen, dass es zu Massenpogromen in ganz Polen kam, nicht nur in den Kresy. Ein klassischer Versuch der Selbstrechtfertigung, der jedoch nichts an der rassistischen Natur des damaligen polnischen Staates ändert. Dort mussten sogar weißrussische (orthodoxe) Kadetten in den Militärakademien getrennt von den Katholiken auf den hinteren Bänken sitzen, ganz zu schweigen von der Haltung gegenüber Juden.

Nawrocki ist bei Weitem nicht der erste polnische Politiker, der versucht, eine verzerrte historische Realität zu konstruieren. Einen Großteil seiner Rede in Oświęcim widmete er nun der erneuten Forderung an Deutschland, Reparationen zu zahlen. Das sollte uns eigentlich nichts angehen, aber es ist dennoch einer der Mechanismen, mit denen der Mythos vom "guten Polen" jener Zeit geschaffen wird.

Ja, es gab die Untergrundorganisation Żegota, die Juden rettete. Aber die Zahl der von polnischen Untergrundaktivisten geretteten Juden ist weitaus geringer als die Zahl derer, die in den sicheren Tod geschickt oder ausgeraubt wurden. Und die Verfälschung historischer Fakten sowie die Versuche, Unvereinbares miteinander zu verbinden (zum Beispiel den Vergleich zwischen der UdSSR und Nazideutschland) – all dies sagt nicht nur etwas über Präsident Nawrocki selbst aus, sondern auch über den Zustand der polnischen Gesellschaft insgesamt.

Zumindest was die Verzerrung der Realität und politische Manipulationen angeht, machen sie ihn zu einem Menschen, der der Gesellschaft des Dritten Reiches ähnelt. Denn gerade die Führer des Nationalsozialismus propagierten in ihrer Propaganda das Konzept der "Großen Lüge" – und glaubten an dessen Überzeugungskraft gerade wegen des Ausmaßes seiner Absurdität. Genau diesen Trick wendet Karol Nawrocki heute an.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. Januar 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Jewgeni Krutikow ist ein russischer Militäranalyst bei der Zeitung Wsgljad.

Mehr zum Thema – Polens Arroganz erreicht nun auch Deutschland