Wie die BRICS-Staaten dem US-Dollar-System einen strukturellen Schock versetzen könnten

Die Oligarchie, die das Imperium des Chaos wirklich kontrolliert, hat den Panikknopf gedrückt, da die strukturellen Konturen der Hegemonie ernsthaft wackeln.

Von Pepe Escobar 

Der Petrodollar ist eines der Schlüsselmerkmale dieser Hegemonie: eine Recyclingmaschine, die den ununterbrochenen Kauf von US-Staatsanleihen kanalisiert, die dann für ewige Kriege ausgegeben werden.

Jeder Akteur, der auch nur daran denkt, sich von dieser höllischen Maschine zu lösen, wird mit Vermögenssperren, Sanktionen – oder Schlimmerem – konfrontiert.

Gleichzeitig kann das Imperium des Chaos keine rohe Macht demonstrieren, indem es sich in der schwarzen Erde von Novorossiya selbst ausblutet. Dominanz erfordert ständig wachsende – geplünderte – Ressourcen, begleitet durch das unaufhörliche Drucken von US-Dollar als Reservewährung, um astronomische Rechnungen zu bezahlen.

Zudem dient die Kreditaufnahme bei der Welt als imperiale finanzielle Eindämmung von Rivalen.

Nun wird eine Entscheidung jedoch unausweichlich – es ist eine unvermeidbare strukturelle Notwendigkeit. Entweder man behält die astronomischen Ausgaben für die militärische Vorherrschaft bei (siehe Trumps vorgeschlagenes 1,5-Billionen-Dollar-Budget für das Kriegsministerium) oder man behält die Kontrolle über das internationale Finanzsystem.

Das Imperium des Chaos kann nicht beides tun.

Und deshalb wurde die Ukraine, als die Rechnung aufgestellt wurde, entbehrlich. Zumindest in der Theorie.

Gegen die Instrumentalisierung des US-Staatsanleihensystems, das de facto einen monetären Imperialismus implementierte, verkörpert BRICS die strategische Entscheidung des Globalen Südens und koordiniert die Bestrebungen hin zu alternativen Zahlungssystemen.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war das Einfrieren – und faktisch der Diebstahl – russischer Vermögenswerte nach dem Ausschluss der Atommacht Russland aus dem SWIFT-System.

Inzwischen ist klar, dass Zentralbanken überall auf Gold und bilaterale Abkommen setzen und alternative Zahlungssysteme in Betracht ziehen.

Als erster ernsthafter struktureller Schock für das System seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs versucht die BRICS-Gruppe nicht offen, das System zu stürzen, sondern eine tragfähige Alternative aufzubauen, inklusive großangelegter Infrastrukturfinanzierung unter Umgehung des US-Dollars.

Venezuela zeigt nun einen kritischen Fall auf: Kann ein großer Ölproduzent außerhalb des US-Dollar-Systems überleben – ohne zerstört zu werden?

Das Imperium des Chaos hat entschieden: "Nein".

Der Globale Süden muss den Beweis erbringen, dass dies falsch ist.

Venezuela war auf dem geopolitischen Schachbrett nicht so entscheidend, da es nur vier Prozent der Ölimporte Chinas ausmachte. Iran ist in der Tat der entscheidende Fall, da 95 Prozent seines Öls an China verkauft und in Yuan statt in US-Dollar abgerechnet werden.

Iran ist jedoch nicht Venezuela. Die jüngsten koordinierten Geheimdienstoperationen/Terroranschläge/Regime-Changes in Iran – inklusive eines erbärmlichen Mini-Schah-Flüchtlings in Maryland – sind kläglich gescheitert.

Die Kriegsdrohung bleibt jedoch bestehen.

BRICS Pay, The Unit oder CIPS?

Der US-Dollar macht nur noch weniger als 40 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus – der niedrigste Stand in den letzten mindestens 20 Jahren. Gold hat mittlerweile einen höheren Anteil an den globalen Devisenreserven als Euro, Yen und Pfund zusammen. Die Zentralbanken stocken ihre Goldreserven wie verrückt auf, während die BRICS-Staaten die Erprobung alternativer Zahlungssysteme vorantreiben, die ich zuvor als "BRICS-Labor" bezeichnet habe.

Eines der Szenarien, das direkt den BRICS-Staaten vorgeschlagen wurde und als Alternative zum schwerfälligen SWIFT-System konzipiert ist, das täglich Transaktionen im Wert von mindestens einer Billion US-Dollar abwickelt, sieht die Einführung eines nichtstaatlichen, Blockchain-basierten Handelstokens vor.

Das ist The Unit.

The Unit, das zutreffend als "apolitisches Geld" beschrieben wird, ist keine Währung, sondern eine Rechnungseinheit, die für die Abwicklung von Handels- und Finanzgeschäften zwischen den teilnehmenden Ländern verwendet wird. Der Token könnte an einen Warenkorb oder einen neutralen Index gekoppelt werden, um die Dominanz irgendeines einzelnen Landes zu verhindern. In diesem Fall würde er wie die Sonderziehungsrechte des IWF funktionieren, jedoch innerhalb eines BRICS-Rahmens.

Dann gibt es noch Bridge – nicht Teil des "BRICS-Labors" –, das eine digitale Währung mehrerer Zentralbanken darstellt, die von den teilnehmenden Zentral- und Geschäftsbanken gemeinsam genutzt wird. Bridge umfasst nur fünf Mitglieder, dazu gehören jedoch mächtige Akteure wie das Digital Currency Institute der People's Bank of China und die Hong Kong Monetary Authority. Weitere 30 Länder sind interessiert, beizutreten.

Bridge war die Inspiration für BRICS Bridge, das noch getestet wird. Es zielt darauf ab, eine Reihe von internationalen Zahlungsmechanismen zu beschleunigen: Geldtransfers, Zahlungsabwicklung, Kontoverwaltung.

Der Mechanismus ist sehr einfach: Anstatt Währungen für den internationalen Handel in US-Dollar zu konvertieren, tauschen die BRICS-Länder ihre Währungen direkt untereinander.

Die New Development Bank (NDB) oder BRICS-Bank, die im Jahr 2015 in Shanghai gegründet wurde, soll als zentraler Knotenpunkt von BRICS Bridge fungieren.

Derzeit ist dies jedoch zurückgestellt, da alle Statuten der NDB an den US-Dollar gekoppelt sind und dies neu bewertet werden muss. Mit der Integration der NDB in die umfassendere Finanzinfrastruktur der BRICS-Mitgliedsländer sollte die Bank in der Lage sein, Währungsumrechnungen, Clearing und Abrechnungen im Rahmen von BRICS Bridge abzuwickeln. Aber davon sind wir noch sehr weit entfernt.

BRICS Pay ist wieder etwas anderes: eine strategische Infrastruktur zum Aufbau eines "dezentralisierten, nachhaltigen und inklusiven" Finanzsystems in den BRICS+-Staaten und ihren Partnerländern.

BRICS Pay befindet sich bis 2027 im Pilotmodus. Bis dahin sollten die Mitgliedsländer beginnen, über eine Vereinbarung zur Einrichtung einer Abrechnungseinheit für den Handel innerhalb der BRICS zu diskutieren, die spätestens 2030 einsatzbereit sein soll.

Auch dies wird keine globale Reservewährung sein, sondern ein Mechanismus, der innerhalb des BRICS-Ökosystems eine "parallele, kompatible Option" zu SWIFT bietet.

BRICS Pay ist momentan ein sehr einfaches System: Beispielsweise können Touristen und Geschäftsreisende es nutzen, ohne ein lokales Bankkonto zu eröffnen oder Geld zu wechseln. Sie verbinden einfach ihre Visa- oder Mastercard mit der BRICS Pay-App und nutzen diese, um per QR-Code zu bezahlen.

Und genau darin liegt das entscheidende Problem: Wie kann man Visa und Mastercard, die unter der Aufsicht des US-Finanzsystems stehen, umgehen und Karten von BRICS-Mitgliedern wie Union Pay (China) und Mir (Russland) integrieren?

Insgesamt bleibt für größere und komplexere Transaktionen das Problem der Umgehung von SWIFT bestehen.

All diese "BRICS-Lab"-Tests müssen zwei zentrale Probleme lösen: die Interoperabilität der Nachrichtenübermittlung – über sichere, standardisierte Datenformate – und die Abwicklung der eigentlichen Abrechnung, also wie Gelder über Zentralbankkonten unter Umgehung der unvermeidlichen Gefahr von Sanktionen bewegt werden.

Interne Einführung des Yuan oder eine neue Reservewährung?

Der hochgeschätzte Professor Michael Hudson ist weltweit führend in der Erforschung von Lösungen zur Minimierung der Hegemonie des US-Dollars. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass "der Weg des geringsten Widerstands darin besteht, dem bereits bestehenden chinesischen System zu folgen".

Gemeint ist damit das CIPS – das China International Payment System oder Cross-Border Interbank Payment System, das auf dem Yuan basiert und bereits äußerst beliebt ist. Es wird von Teilnehmern in 124 Ländern der Globalen Mehrheit genutzt.

Hudson insistiert: "Es ist sehr schwer, eine Alternative zu schaffen. Das Prinzip von The Unit [seine Betonung], das Berichten zufolge zu 40 Prozent aus Gold und andernteils aus den Währungen der Mitglieder besteht, ist gut. Aber dies kann am besten durch eine neue Zentralbank im Stil von Keynes umgesetzt werden, um Schulden und Zahlungsansprüche zu benennen, um Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedsländern auszugleichen – ähnlich wie beim Bancor."

Der Bancor wurde 1944 von Keynes in Bretton Woods vorgeschlagen – um gravierende Diskrepanzen in den Außenbilanzen, Protektionismus, Zölle und die Betrügereien von Nationen, die sich als Steueroasen etabliert haben, zu verhindern. Es ist kein Wunder, dass die hyperhegemonialen USA am Ende des Zweiten Weltkriegs ihr Veto einlegten.

In einem neuen Artikel über die Militarisierung des Ölhandels als Grundlage der US-Weltordnung erläutert Hudson, wie "die Freiheit Russlands und Venezuelas, Öl zu exportieren, die Fähigkeit der USA geschwächt hat, Öl als Waffe einzusetzen, um andere Volkswirtschaften unter Druck zu setzen. Sie tun das, indem sie ihnen mit derselben Entziehung von Energie drohen, die die deutsche Industrie und das deutsche Preisniveau plattgemacht hat. Diese nicht unter US-Kontrolle stehende Ölversorgung wurde daher als Verstoß gegen die regelbasierte Ordnung der USA angesehen."

Und das bringt uns zu einem der Hauptgründe für das Bestreben der BRICS-Staaten, alternative Zahlungssysteme zu entwickeln: "Die Außenpolitik der USA, Engpässe zu schaffen, um andere Länder von jenem Öl abhängig zu halten, das unter US-Kontrolle steht und nicht von Russland, Iran oder Venezuela geliefert wird, ist eines der wichtigsten Mittel der USA, um andere Länder in Unsicherheit zu versetzen."

Hudson fasst die fünf unabdingbaren Voraussetzungen für das Imperium des Chaos prägnant zusammen: "Die Kontrolle über den weltweiten Ölhandel muss ein Privileg der USA bleiben … Der Ölhandel muss in US-Dollar bewertet und bezahlt werden." Der Petrodollar muss die Vorherrschaft behalten, da "die internationalen Ölexport-Einnahmen an die USA verliehen oder in den USA investiert werden müssen, vorzugsweise in Form von US-Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Bankeinlagen." "Grüne Energiealternativen zum Öl sind zu verhindern"; und "keine Gesetze gelten für US-Regeln oder -Politiken oder schränken diese ein".

Paulo Nogueira Batista Jr., einer der Mitbegründer der New Development Bank und deren Vizepräsident von 2015 bis 2017, schließt sich Hudson an und entwirft in einem Papier, das er derzeit fertigstellt, einen gangbaren Weg zu einer neuen internationalen Währung.

In seinen Erwägungungen darüber, dass das US-Dollar-System "ineffizient, unzuverlässig und sogar gefährlich" ist und zu einem "Instrument der Erpressung und Sanktionen" geworden ist, kommt Batista Jr. zum gleichen Schluss wie Hudson und argumentiert, dass "das einzige Szenario, das eine gewisse Tragfähigkeit aufweisen könnte, die großangelegte Internationalisierung der chinesischen Währung wäre … Aber es ist noch ein langer Weg, bis sie den Dollar in nennenswertem Umfang ersetzen kann. Und die Chinesen zögern, es zu versuchen."

Batista Jr. schlägt dann eine ähnliche Lösung wie Hudson vor: "Eine Gruppe von Ländern des Globalen Südens, etwa 15 bis 20 Länder, darunter die meisten BRICS-Staaten und andere aufstrebende Länder mit mittlerem Einkommen", könnte bei der Schaffung einer neuen Währung an vorderster Front stehen.

Allerdings "müsste dafür eine neue internationale Finanzinstitution geschaffen werden – eine Emissionsbank, deren einzige und ausschließliche Aufgabe darin bestünde, die neue Währung auszugeben und in Umlauf zu bringen."

Das klingt sehr nach Bancor: "Diese emittierende Bank würde die nationalen Zentralbanken nicht ersetzen und ihre Währung würde parallel zu den anderen nationalen und regionalen Währungen, die weltweit existieren, zirkulieren. Sie wäre auf internationale Transaktionen beschränkt, ohne Rolle im Inland."

Batista Jr. stellt klar, dass "die Währung auf einem gewerteten Währungskorb der teilnehmenden Länder basieren und daher auf der Grundlage der Veränderungen dieser Währungen schwanken würde. Da alle Währungen im Korb frei flottieren oder flexibel wären, wäre auch die neue Währung eine frei flottierende Währung. Die Bewertungen im Korb würden sich nach dem Anteil des BIP jedes Landes nach Kaufkraftparität (KKP) am gesamten BIP richten."

Unweigerlich würde "das hohe Gewicht der chinesischen Währung, die von einem Land mit einer soliden Wirtschaft ausgegeben wird, das Vertrauen in die Deckung und in die neue Reservewährung begünstigen".

Batista Jr. ist sich "des Risikos bewusst, dass die Initiative negative Reaktionen des Westens hervorrufen wird, der zu Drohungen und Sanktionen gegen die beteiligten Länder greifen würde".

Doch die Zeit zum Handeln drängt: "Werden wir wirtschaftliche, politische und intellektuelle Anstrengungen bündeln, um aus dieser Falle herauszukommen?"

Die Kosten für die Aufrechterhaltung der Hegemonie werden unerschwinglich.

Die BRICS-Staaten, die derzeit Kräfte für den jährlichen Gipfel später in diesem Jahr in Indien sammeln, müssen die Tatsache nutzen, dass wir uns rasch dem Moment der strukturellen Veränderung nähern, in dem das Imperium des Chaos die Fähigkeit verliert, seinen Willen einseitig durchzusetzen – außer durch totalen Krieg.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín

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