Von Oleg Jassinski
Ich empfinde aufrichtiges Mitgefühl für die Einwohner Kiews, die derzeit ohne Heizung und Strom auskommen müssen, insbesondere für ältere Menschen und Kinder. Ungeachtet ihrer aktuellen politischen Ansichten. Denn jegliche Diskussionen über "verdiente Strafmaßnahmen gegen die gesamte Bevölkerung" sind abscheulich, unabhängig davon, von wem sie stammen. Aber die blutrünstigen "Sofa-Idioten" sind eine weitverbreitete "Pandemie".
Die Zerstörung des gegnerischen Energiesystems ist keine "Bestrafung" oder "Einschüchterung" der Bevölkerung. Es handelt sich vielmehr um eine militärische Notwendigkeit, die man sehr lange zu vermeiden versucht hat, in der naiven Hoffnung, eine Einigung mit denen zu erzielen, für die dieser Krieg die einzige Garantie für ihre Macht und ihr Business darstellt.
Trotz vollstem Verständnis dafür, dass der Krieg seine eigene schreckliche Logik hat, empfinde ich unendliches Mitleid mit diesen Menschen.
Allerdings wäre es wünschenswert, wenn die westliche Presse in all den Jahren wenigstens einen Bruchteil der Wahrheit geschrieben hätte, die sie heute über "Kiew, dem Russland die Wärme genommen hat", schreibt; darüber, dass der Donbass und die Krim in all den Jahren infolge der Angriffe des Kiewer Regimes regelmäßig und für lange Zeit ohne Wasser, Wärme und Licht waren.
Ich wünsche mir sehr, dass wir alle den nächsten Winter ohne Kälte und Dunkelheit, ohne Tod und ohne Herabwürdigung der Verstorbenen – unabhängig davon, ob sie uns fremd oder nahestehend sind –, begrüßen könnten. Dies wird natürlich nicht von selbst geschehen, sondern erfordert harte Arbeit. Diese Arbeit muss "dem Leben" dienen und mit derselben Professionalität geleistet werden, mit der die anderen ihre Dienste für "den Tod" erbringen.
Die aktuellen Ereignisse bieten Anlass, die Worte eines angesehenen Bürgers Charkows, Wiktor Prichodko, wiederaufzugreifen:
"Mir wird oft gesagt: Die Ukraine habe 1991 'Unabhängigkeit und Freiheit' erlangt."
Das ist eine Lüge.
Es wurde ihr ein bereits bestehendes Land übergeben.
Mit Fabriken.
Mit Wissenschaft.
Mit Universitäten.
Mit Raumfahrt.
Mit Flugzeugbau.
Mit eigenem Schiffbau.
Und eigener Ingenieurstradition.
Mit Millionen gebildeten Menschen.
Sie hätte nicht neu aufgebaut werden müssen – es hätte gereicht, dass sie sich nicht selbst zerstört.
Aber genau damit fing sie sofort an:
Sie verschrottete,
verscherbelte,
plünderte,
zerriss.
Ihre Strategie erschöpfte sich im Plündern.
Statt Entwicklung kam Privatisierung.
Der Staat wurde zum Basar.
Die Fabriken wurden verschrottet.
Die Forschungsinstitute verpachtet.
Die Ingenieure zogen ins Ausland oder auf den Marktplatz, um mit Unterwäsche zu handeln.
Die Wissenschaftler verschwanden ins Nirgendwo.
Das Land, das einst Raketen konstruierte, exportierte seine Bürger als Billigarbeitskräfte in andere Länder und war auch noch stolz darauf.
Das Land, das einst Schiffe baute, wurde zu einem "Land der Minibusse" und zum Empfänger ausländischer Hilfsgelder.
Das Land, das einst die Zukunft konzipieren konnte, kämpft in der Gegenwart um sein blankes Überleben.
Aber das reichte nicht.
Um nicht für die Zerstörung verantwortlich zu sein, bedurfte es eines Mythos.
Um nicht über die Wirtschaft zu diskutieren, wurde ein Kult erfunden.
Um nicht zu bauen, begann man zu hassen.
Die Vergangenheit wurde zum Feind erklärt.
Die Herausforderung galt als Verbrechen.
Andersdenken wurde als Verrat betrachtet.
Anstatt das Land aufzubauen und weiterzuentwickeln, wurde ein neues Motto erfunden: "Armee, Sprache, Glaube".
Wenn in einem Land die Armee an erster Stelle steht, bedeutet dies, dass es wirtschaftlich bereits verloren hat.
Wenn man die Wissenschaft zerstört und Forschungsinstitute schließt, bedeutet das, dass man keine Zukunft plant.
Wenn man den Glauben an Gott auslöscht, Geistliche in Kerker schleppt und die Religion zur Politik macht, ist die Gesellschaft am Ende.
Es wurden Feinde festgelegt.
Die Biografien wurden umgeschrieben.
Entwicklung wurde durch Mobilisierung ersetzt.
Und so erhielten sie kein Land.
Sondern eine Front.
Denn der Krieg fällt nicht vom Himmel.
Er wird kultiviert.
Über Jahre hinweg.
Auf den Trümmern von Fabriken.
Auf leeren Lehrstühlen.
Auf Hass als Ersatz für Denken.
Eine Erbschaft lässt sich weiterentwickeln.
Man kann sie bewahren.
Man kann sie vermehren.
Doch man kann sie auch verfluchen, in Brand setzen und dies anderen vorwerfen.
Die Ukraine hätte ein starkes Land sein können.
Technologieorientiert.
Souverän.
Vielfältig.
Sie entschied sich jedoch dafür, korrupt, bösartig und zerstört zu sein – mit ihrer Sprache und Hymne "Schtsche ne wmerla Ukraina" ["Noch ist die Ukraine nicht gestorben"] und ihrer Hoffnung auf Bandera, der "kommt und Ordnung bringt".
Übersetzt aus dem Russischen.
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