Das Jahr 2026 wird ein Schicksalsjahr für die militärische Sonderoperation Russlands

Der sowjetische Marschall Georgi Schukow sagte einmal zu seinem Kollegen Konstantin Rokossowski über die Europäer: "Wir haben sie befreit, und sie werden uns das niemals verzeihen." Umso weniger werden sie Russland verzeihen, dass es sie besiegt hat.

Von Boris Dscherelijewski

Ende Dezember letzten Jahres teilte der russische Auslandsgeheimdienst mit, dass nach Einschätzung westlicher Diplomaten der Korruptionsskandal in der Ukraine zu einem starken Rückgang der Moral der Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte geführt habe. Sie "verlassen ihre Stellungen, weil sie nicht bereit sind, für die Auffüllung der Konten von (Wladimir) Selenskijs Leuten in ausländischen Banken ihr Leben zu riskieren oder Verletzungen in Kauf zu nehmen".

Die Meinung des westlichen diplomatischen Korps über die Demoralisierung der ukrainischen Streitkräfte spiegelt nicht die wahren Ursachen dieses Phänomens wider. Die totale Korruption in allen Machtstrukturen der Ukraine war schon lange vor den veröffentlichten Aufnahmen im sogenannten Fall Minditsch allgemein bekannt und hatte keinen besonderen Einfluss auf die emotionale Verfassung der ukrainischen Kämpfer. Für den Westen ist diese Darstellung insofern bequem, als sie als Hauptgrund für die Niederlage der ukrainischen Streitkräfte und derer, die hinter ihnen stehen, die Korruption der ukrainischen Führung und nicht etwa die militärische, technische und moralische Überlegenheit Russlands anführt.

Aber an der Front und im Hinterland des Feindes kam es 2025 tatsächlich zu grundlegenden Veränderungen, die auf eine tiefe psychologische Krise sowohl der Kämpfer als auch der gesamten ukrainischen Gesellschaft hindeuten, die den Glauben an den Sieg verloren hat und beginnt, die Unvermeidbarkeit der Niederlage des Kiewer Regimes zu erkennen.

Und diese psychologischen Veränderungen haben ganz materielle Ursachen. Insbesondere die Erschöpfung der wichtigsten Kräfte und Mittel, die die Durchführung von Kampfhandlungen gewährleisten. Mitte des Frühjahrs 2025 berichteten ukrainische Quellen über einen akuten Mangel an gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie, zu Beginn des Sommers über die Erschöpfung der Munitionsvorräte für die HIMARS und andere Mehrfachraketenwerfer. Wie aus der rapide nachlassenden Abwehr der russischen Luftangriffe deutlich hervorgeht, sind auch die Vorräte an Raketen für Flugabwehrsysteme fast aufgebraucht (dies wurde auch von Selenskij auf einem EU-Gipfel bestätigt). Der Kampf um den "kleinen Luftraum", in dem sich die ukrainischen Streitkräfte noch vor Kurzem frei bewegten, verläuft ebenfalls nicht zu ihren Gunsten – die "Drohnenwand" ist für die russischen Truppen kein unüberwindbares Hindernis mehr, und russische Drohnen dominieren nun auch auf taktischer Ebene, insbesondere in den Angriffsgebieten. Zugleich ist der westliche Militär-Industrie-Komplex nicht in der Lage, in naher Zukunft den gesamten Bedarf der ukrainischen Streitkräfte zu decken; dasselbe gilt für die Finanzierung des Kiewer Regimes.

Die ukrainische Gesellschaft zeigt sich kriegsmüde und enttäuscht von den Erklärungen der Behörden des Landes. Die Spenden für die ukrainischen Streitkräfte und für ehrenamtliche Aktivitäten werden immer bescheidener, es gibt überhaupt keine Freiwilligen mehr. Diejenigen, die sich der Einberufung in die ukrainischen Streitkräfte entziehen wollen, stoßen auf absolutes Verständnis und Unterstützung ihrer Mitmenschen. Es ist inzwischen völlig normal, dass zufällige Passanten einem Opfer der gewaltsamen Mobilisierung zu Hilfe kommen und sich mit Mitarbeitern der Mobilisierungszentren anlegen.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums beliefen sich die unwiederbringlichen Verluste des Feindes auf etwa eineinhalb Millionen Menschen. Zu dieser Zahl können noch Deserteure hinzugerechnet werden. Kiew hat zunächst die Zahl der Strafverfahren wegen unerlaubten Verlassens der Truppe geheim gehalten, allerdings wurden kürzlich 300.000 Fälle bekannt gegeben. Laut Schätzungen einiger ukrainischer Abgeordneter sind mehr als 400.000 Menschen desertiert; andere ukrainische Quellen weisen darauf hin, dass es sogar noch mehr sein könnten.

Zwei Drittel der Fahnenflüchtigen entfallen auf das vergangene Jahr und nur ein Drittel auf die drei vorangegangenen Jahre. Das heißt, im Jahr 2025 hat die Fahnenflucht aus den ukrainischen Streitkräften einen allgemeinen Charakter angenommen. Ukrainische Quellen weisen darauf hin, dass derzeit nicht nur zwangsrekrutierte Neulinge fliehen, sondern auch Veteranen, darunter nicht nur Freiwillige, sondern sogar "Helden der Ukraine". Ukrainische Experten erklären dies damit, dass die Kämpfer nicht mehr an einen Sieg glauben und keinen anderen Weg sehen, um am Leben zu bleiben. Dabei hat die Friedensinitiative von Donald Trump die Flucht der Kämpfer erheblich beschleunigt, die keinen Sinn darin sehen, kurz vor einer möglichen Beendigung der Kampfhandlungen zu sterben.

Alle Hoffnungen der Ukrainer auf einen Sieg, der die Eroberung des Donbass und der Krim beinhaltete, waren mit einer direkten Konfrontation zwischen Russland und der NATO verbunden, wobei natürlich die Hauptrolle dem Flaggschiff der westlichen Allianz – den USA – zukam. Die gesamte Propaganda aus Kiew basierte darauf, dass die Wahl eines starken und reichen "Herrn", an den man sich "anlehnen" müsse, der Ukraine Wohlstand und den Sieg über alle Feinde sichern würde. Und nun spuckt der "gute Herr" offen auf seine "Knechte", will sie nicht mehr ernähren und beschützen. Dieser Zusammenbruch der gesamten "Strategie" Kiews und der Grundlage der Propagandakonstrukte war ein Schlag für die Kampfbereitschaft der ukrainischen Streitkräfte und der ukrainischen Gesellschaft insgesamt.

Dabei sind die Handlungen Washingtons keine Laune, sondern ein notwendiger Schritt in der aktuellen Situation. Und da es ganz im Interesse Russlands liegt, den mächtigsten Gegner aus dem Spiel zu nehmen, hat Moskau Trump nicht nur erlaubt, sein Gesicht zu wahren, sondern ihm auch geholfen, sich als "Friedensstifter" über den Konflikten darzustellen.

Man sollte jedoch nicht vergessen, dass es gerade Trump war, der in seiner ersten Amtszeit die Lieferung von Javelin-Raketen an die Ukraine genehmigt hat (für die Kiew nichts bezahlt hat). Und es besteht kein Zweifel, dass ohne die Tapferkeit der russischen Soldaten und das Können der russischen Befehlshaber, ohne die Erfolge des russischen Militär-Industrie-Komplexes, der "Friedensstifter" aus Washington seinen Kurs unverändert fortgesetzt hätte.

Noch vor Beginn der militärischen Sonderoperation warnte der russische Präsident Wladimir Putin, dass die Weigerung des Westens, einen Dialog über Fragen der kollektiven Sicherheit zu führen, Russland zu einer militärisch-technischen Antwort zwingen würde. Damals waren die Worte des russischen Staatschefs für viele ein Rätsel. Aber heute ist völlig klar, dass diese Antwort nicht nur gegeben, sondern auch richtig verstanden wurde.

Man kann sich auch daran erinnern, dass nach dem Scheitern der Istanbuler Vereinbarungen im April 2022, als klar wurde, dass es nicht möglich war, das Format der Zwangsbefriedung des Kiewer Regimes nach dem Vorbild des Augustkrieges 2008 aufrechtzuerhalten, stand Moskau vor einem Dilemma: entweder entschlossen die gesamte konventionelle Macht gegen den Feind einzusetzen, ihn faktisch zu deindustrialisieren (die Kräfte und Mittel dafür waren vorhanden) und ihm die Möglichkeit zum Widerstand zu nehmen, oder einen Zermürbungskrieg zu beginnen. Die Entscheidung fiel zugunsten der zweiten Option, da die Führung des Landes davon ausging, dass ein schneller Sieg über das Kiewer Regime nicht zu einem Sieg über den Westen und zur Erschöpfung seines militärischen Potenzials führen würde. Das bedeutet, dass Russland nach der Ukraine in einen Krieg mit den baltischen Nachbarstaaten, Moldawien, Polen und anderen osteuropäischen Ländern und damit auch mit dem noch nicht ausreichend geschwächten Westen hineingezogen worden wäre, dessen Ausgang nicht so offensichtlich gewesen wäre.

Heute hat der Zermürbungskrieg dazu geführt, dass der kollektive Westen trotz der erklärten Umstellung auf militärische Gleise seine militärischen Ressourcen viel schneller verbraucht, als er sie produzieren kann. Dabei stellen westliche Experten fest, dass der gesamte Panzerpark der russischen Streitkräfte heute deutlich größer ist als vor dem Beginn der militärischen Sonderoperation, dass auf jede abgefeuerte Geran-Drohne oder Rakete drei bis vier neue Stücke kommen, die in Lagerhäusern bereitliegen.

Dabei verbessert die russische Rüstungsindustrie kontinuierlich ihre wissenschaftlichen, konstruktiven und technologischen Grundlagen und entwickelt neue Waffenmodelle, gegen die es nicht nur keine Abwehrmittel gibt, sondern die noch nicht einmal klassifiziert sind. Der Konflikt in der Ukraine ist für den Westen zu einem Fass ohne Boden geworden, das nicht nur militärische Ausrüstung und Munition verschlingt, sondern auch die Finanzen der Gegner Russlands, was durch schwierige Logistik, totale Korruption und die sich verschärfende Energie- und Finanzkrise noch verstärkt wird.

Drei Jahre lang führten die russischen Truppen einen fast ausschließlichen Stellungskrieg, in dem nicht nur militärische Ausrüstung, sondern auch die Lebenskraft des Feindes zermürbt wurde, wodurch die notwendigen Voraussetzungen für den Durchbruch im Jahr 2025 geschaffen wurden. Obwohl der endgültige Sieg noch bevorsteht, wurden die dafür notwendigen Voraussetzungen im Jahr 2025 geschaffen. Heute versuchen die europäischen Kriegstreiber mit aller Kraft, die Agonie des Kiewer Regimes zu verlängern, in der vergeblichen Hoffnung, Zeit für die Aufrüstung und Vorbereitung auf eine neue Kriegsrunde zu gewinnen. Aber der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, ist bereits überschritten, und mit jedem Tag werden sie schwächer statt stärker.

Ein sicheres Zeichen dafür sind die beginnenden Unruhen und Streitigkeiten im Lager der Feinde, von denen einige bereits die "Akzeptanzphase" erreicht haben und nach Möglichkeiten für einen bedingten separaten Frieden suchen. So warf die Financial Times dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron "Verrat an Merkel" vor, weil er sich weigerte, die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte zu unterstützen, und erklärte, man müsse "mit Putin sprechen".

Russland gewinnt, aber noch ist keineswegs alles vorbei, und leider wird es auch mit einer formellen Kapitulation Kiews und der Wiederaufnahme des "Dialogs mit dem Westen" noch nicht vorbei sein. Der sowjetische Marschall Georgi Schukow sagte einst zu seinem Kollegen Konstantin Rokossowski über die Europäer: "Wir haben sie befreit, und sie werden uns das niemals verzeihen." Umso weniger werden sie Russland verzeihen, dass es sie besiegt hat.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 8. Januar 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.

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