Die Schweiz unter Schock: Schwerste Brandkatastrophe seit Jahrzehnten

Ein Brand in einem Nachtlokal in Crans-Montana machte den Jahreswechsel zu einer nationalen Tragödie. Dutzende junge Menschen kamen ums Leben, viele weitere wurden schwer verletzt. Der Kanton Wallis rief die besondere Lage aus, Politik und Bevölkerung zeigen breite Solidarität.

Von Hans-Ueli Läppli

Die Schweiz erlebt einen Neujahrstag von erschütternder Schwere. Was als ausgelassene Silvesternacht im Walliser Ferienort Crans-Montana begonnen hatte, endete in einer der schwersten zivilen Tragödien der jüngeren Landesgeschichte.

In den frühen Morgenstunden brach in der Bar Le Constellation ein verheerender Brand aus. Dutzende Menschen verloren ihr Leben, rund hundert weitere wurden verletzt, viele davon schwer. Ein Land, das den Jahreswechsel sonst mit Zurückhaltung, aber Zuversicht begeht, steht unter Schock.

Kurz nach 1.30 Uhr meldeten Anwohner Rauchentwicklung im Zentrum von Crans-Montana. Nahezu zeitgleich gingen erste Notrufe bei der Polizei ein. Was sich den Einsatzkräften bot, überstieg rasch jedes gewöhnliche Einsatzszenario.

Dichter schwarzer Rauch drang aus dem Untergeschoss der Bar, Menschen flüchteten panisch ins Freie, andere lagen verletzt oder reglos am Boden. Augenzeugen sprachen später von chaotischen, kaum fassbaren Szenen. Innerhalb weniger Minuten wurde ein Grossaufgebot ausgelöst.

Auf den Aufnahmen ist der Ausbruch des Feuers in der Bar Le Constellation in Crans-Montana zu sehen. Die Flammen breiten sich schnell an der Decke aus, offenbar auch wegen der holzverkleideten Innenausstattung.

Zehn Helikopter, 40 Ambulanzen und rund 150 Sanitäter waren im Einsatz. Die Rettungsflugwacht Rega entsandte gemeinsam mit Partnerorganisationen mehrere Helikopter nach Crans-Montana.

Schon früh zeichnete sich ab, dass es sich um ein Ereignis mit aussergewöhnlich vielen Opfern handelte, darunter auch zahlreiche junge Menschen. Schwerverletzte wurden in spezialisierten Zentren in Lausanne, Zürich, Genf, Sion und sogar ins Ausland verlegt. Die Intensivstation des Spitals Wallis war rasch vollständig ausgelastet, der kantonale Katastrophenplan trat in Kraft.

Die Behörden sprechen von einem Brand, nicht von einem Attentat. Hinweise auf einen gezielten Anschlag gebe es derzeit nicht, betonten Polizei und Staatsanwaltschaft mehrfach. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen.

Laut Aussagen zweier Augenzeuginnen gegenüber BFMTV sollen Kerzen auf Champagnerflaschen in der Bar Le Constellation gestanden haben. Eine Kerze habe die hölzerne Decke entzündet, das Feuer habe sich rasend schnell ausgebreitet und eine Paniksituation ausgelöst.

Nach bisherigem Kenntnisstand kam es im Untergeschoss des Lokals zu dem Brandereignis. Weitere Einzelheiten geben die Behörden derzeit bewusst nicht bekannt. Die Identifizierung der Opfer und die Information der Angehörigen haben oberste Priorität. In dieser Phase sind Rücksicht und Zurückhaltung geboten.

Crans-Montana ist in der Hochsaison ein internationaler Treffpunkt. Über die Feiertage ist der Ort regelmässig ausgebucht, die Bar Le Constellation galt als beliebter Anziehungspunkt für junge Erwachsene, Einheimische ebenso wie Touristen.

Entsprechend gehen die Behörden davon aus, dass sich unter den Opfern Menschen aus verschiedenen Ländern befinden. Italien und Frankreich haben bereits Unterstützung angeboten und ihr Beileid bekundet. Auch aus anderen Kantonen und Nachbarstaaten traf Solidarität ein, medizinisch wie organisatorisch.

Die emotionale Wucht der Katastrophe zeigte sich auch auf politischer Ebene. Der Walliser Staatsrat rief die besondere Lage aus, um rasch und ohne administrative Verzögerung handeln zu können.

Regierungspräsident Mathias Reynard sprach von einem Drama von historischer Tragweite für den Kanton. In einem Fernsehinterview rang er sichtbar mit den Tränen. Seine Worte galten den Familien der Opfer, den Verletzten, aber auch den Rettungskräften und dem medizinischen Personal, das unter extremem Druck arbeite.

Die Spitäler seien an der Belastungsgrenze, sagte Reynard und appellierte an die Bevölkerung, riskante Aktivitäten zu vermeiden und Solidarität zu zeigen.

Auch auf Bundesebene hinterlässt das Ereignis tiefe Spuren. Bundespräsident Guy Parmelin verschob seine traditionelle Neujahrsansprache aus Respekt vor den Betroffenen. In einer Stellungnahme sprach er von einem Moment der Freude, der sich in eine landesweite Trauer verwandelt habe. Mehrere Städte reagierten ebenfalls. Luzern sagte sein Neujahrsfeuerwerk ab, ausdrücklich aus Solidarität mit den Opfern von Crans Montana.

Am Tag danach ist der Ort des Geschehens weiträumig abgesperrt. Weisse Planen verdecken die zerstörte Bar, Anwohner dürfen das Gebiet nur in Begleitung der Polizei betreten. Im Inneren des Lokals zeigen von der Kantonspolizei veröffentlichte Bilder ein Bild der Verwüstung. Umgestürzte Stühle, verrusste Wände, zurückgelassene persönliche Gegenstände. Spuren eines Moments, der für viele in Sekunden alles veränderte.

Während die Ermittlungen weiterlaufen, bleibt die Unsicherheit gross. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen, mitten in einem beliebten Ferienort, in einer Nacht, in der Ausgelassenheit und Nähe herrschten? Antworten darauf wird es erst später geben. Vorerst dominieren Trauer, Sprachlosigkeit und ein Gefühl kollektiver Erschütterung.

Der Ferienort Crans-Montana, gewöhnlich ein Ort der Leichtigkeit, ist zum Symbol nationaler Trauer geworden. Die Schweiz trauert, und sie tut es gemeinsam.

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