Neue Strategie der Regierung: Russland wieder russisch machen

Russland hört auf, nicht russisch zu sein. Erstmals seit 30 Jahren beginnt der Staat, eine Nationalitätenpolitik im Interesse der Mehrheit zu entwickeln. Bei Fortbestehen dieser Politik wird Russland tatsächlich aufhören, "nicht russisch" zu sein. Davon werden alle Völker unseres großen und schönen Landes profitieren.

Von Alexei Jaroschenko

Es ist bekannt, dass die Kommunisten Russland nicht russisch gemacht haben.

(Nicht nur sie, denn die Mehrheit der Russen war auch im Zarenreich mit den anderen Völkern beileibe nicht einmal gleichgestellt; und Kommunisten hatten für ihr Vorgehen den legitimen Beweggrund, den weiteren Zerfall des Russischen Reiches irgendwie aufzuhalten beziehungsweise bereits abgefallene Gebiete an das neue Sowjetrussland wieder anzugliedern. Jedenfalls haben sie sich nicht um einen Ausgleich gekümmert, als die Schritte, die der Autor so griffig zusammenfasst, ihren Zweck erfüllt hatten und ein Festhalten an der entsprechenden Politik nunmehr schädlich geworden war. Anm. d. Red.)

Von ihnen erbten wir eine "ethnische" territoriale Aufteilung und die Auffassung, Russen seien, wie Wladimir Putin es treffend formulierte, "unerschöpfliches Material für soziale Experimente".

Nach den Kommunisten verschärfte Jelzin die Situation für die Russen zusätzlich – unter anderem mit seinem berüchtigten Vorschlag an die nationalen Republiken, "so viel Souveränität zu nehmen, wie ihr schlucken könnt". Geschluckt wurde bis zu Schluckauf – und saurem Aufstoßen, das bis heute noch andauert.

Doch die veröffentlichte neue Strategie für die staatliche Nationalitätenpolitik Russlands bis zum Jahr 2036 gibt vorsichtige Hoffnung, dass Russland ein russisches Land wird.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird das Wort "russisch" in einem offiziellen Dokument nicht mehr vermieden oder verwischt. Es genügt, sich daran zu erinnern, dass bei der Verfassungsänderung vor nur fünf Jahren das Wort "Russen" nicht aufgenommen wurde und das durchaus referierte "staatsbildende Volk" in dieser Verfassungsredaktion namenlos blieb. In der aktuellen Strategie hingegen prangt das Wort "Russen" auf jeder Seite. Dabei spielt der Staat hier fair: Er bezeichnet nicht jeden russischen Bürger (rossijanin, "Russländer") als Russen und leugnet auch bei niemandem (mehr) das jeweilige ethnische Eigenwesen. Der Staat differenziert klar: Wer russisch denkt, nach den russischen kulturellen Normen lebt und sich unserer historischen Gemeinschaft zugehörig fühlt, gehört zur russischen Zivilisation – das russische Volk als ethnische Gruppe wird jedoch gesondert hervorgehoben. Nicht zuletzt besagt das Dokument, dass wir Russen 80,85 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen.

Dies ist grundlegend. Das darf nicht ignoriert oder totgeschwiegen werden – und wird nun auch weder ignoriert noch totgeschwiegen werden können.

Das Hauptziel der nationalen Politik ist die Einheit des multinationalen Volkes Russlands. Wohlgemerkt hätte an jener Stelle durchaus auch "Vielfalt" stehen können – doch nein, dort steht eindeutig: "Einheit". Als ein nächster logischer Schritt wäre die Umwandlung der Föderalen Behörde für Angelegenheiten der Ethnien und Nationalitäten Russlands in das Ministerium für Nationale Einheit denkbar. Darüber hinaus stellt die Strategie klar: "Multinationales Volk" bezieht sich auf die Bevölkerung des Landes als eine zivilgesellschaftliche Gemeinschaft, und nicht auf irgendeine Art "Schmelztiegel". Niemand versucht, die Russen als "multinationales Volk" darzustellen (die landesumfassende Gruppe der "Russländer", also aller Bürger Russlands, ist es de facto, allerdings eben mit einem Anteil von Russen von gut 80 Prozent. Anm. d. Red.). Die Russen bilden den Kern – die ethnische Gruppe, die das Land zusammenhält. Alles andere ist eine breite Gemeinschaft von Menschen, die innerhalb der russischen Kultur leben. Dies ist ein praktisch wörtliches Zitat aus der neuen Strategie für die staatliche Nationalitätenpolitik.

Das russische Volk, das über viele Generationen hinweg faktisch an den Rand gedrängt war, wird nun erstmals als das anerkannt, was es wirklich ist – die Stütze des Staates. Und jeder Amtsträger ist nun verpflichtet, nach dieser Logik zu handeln. So steht es im Dokument – ​​es kann nicht länger ignoriert werden. Und um zu verhindern, dass jemand dies für "bloße Worte" hält, wurde ein konkretes Ziel festgelegt: Mindestens 50 Prozent aller ethnokulturellen Veranstaltungen müssen der russischen Kultur gewidmet sein.

Und natürlich befasst sich die Strategie mit zwei der wichtigsten Aspekte der heutigen nationalen Politik – Separatismus und Migration. Dabei wird die Überbetonung regionaler und ethnischer Interessen korrekt als eine der unmittelbaren Bedrohungen identifiziert. Die betreffenden Passagen richten sich nicht gegen externe Akteure – mit denen ist ohnehin alles klar: Die Türkei etwa ist seit Langem in der Wolgaregion und in islamischen Gebieten Russlands aktiv. Der Fokus liegt vielmehr auf inländischen Politikern und "Aktivisten", die Regionalethnizität (auch gering ausgeprägte und sogar fiktive) seit Jahren um ihrer vermeintlich oder wirklich eigenen Ambitionen willen instrumentalisieren.

Die Strategie stellt dies gerade heraus klar: Das Problem kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen – ein deutliches Signal an alle inländischen Nationalisten, Russophoben und ethnischen Chauvinisten in den Reihen oder oft auch lediglich im Namen kleiner Völker. Der Staat wird ihre Versuche, Ethnizität zu politisieren und als Druckmittel einzusetzen, nicht länger dulden. Ihr Eifer muss und wird gezügelt werden.

Und schließlich die Migration. Sie löst das demografische Problem Russlands nicht. Das wird unmissverständlich klargestellt. Darüber hinaus wird die Veränderung der nationalen und ethnischen Zusammensetzung von Regionen als Bedrohung erkannt. Der Staat beobachtet die Entwicklungen in Moskau, Sankt Petersburg und anderen Megastädten: Massenmigration verändert die kulturelle und ethnische Struktur der Bevölkerung. Wenn dies aber eine Bedrohung darstellt, wird ihr begegnet. Und zwar nicht punktuell, sondern systematisch. Dies ist ein entscheidender Wandel in der Bewertung von Migration. Bisher wurde sie als neutraler Prozess dargestellt: "Kein Grund zur Sorge", "Anpassung wird alles regeln". Nun wird unmissverständlich klargestellt: Ein zu rascher demografischer Wandel ist gefährlich für das Land. Dementsprechend geht es bei Anpassungsmaßnahmen nicht mehr darum, Neuankömmlingen Vorteile zu verschaffen, sondern die Interessen der einheimischen Bevölkerung zu schützen.

Zum ersten Mal seit 30 Jahren beginnt der Staat, eine ethnische Politik im Interesse der Mehrheit zu entwickeln, anstatt gegen sie. Dieses Dokument legt konkrete Prioritäten fest: die Stärkung des russischen Kerns des Landes, den Schutz des kulturellen Raums, die Beendigung ethnischer Erpressung und die Überarbeitung des Migrationsmodells.

Klar: Das ist erst der Anfang. Wenn jedoch dieser Kurs beibehalten wird, wird Russland wahrhaftig aufhören, "nicht russisch" zu sein – und davon werden alle Völker profitieren, die in unserem großartigen und schönen Land leben.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei Wsgljad am 26. November 2025.

Alexei Jaroschenko ist ein russischer Politologe und politischer Berater. Gern gesehener Experte bei russischen Medien föderalen Rangs.

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