Von Rainer Rupp
US-Präsident Trump hat in den vergangenen Wochen die Karibik, die Sehnsucht-Region vieler Urlauber aus dem Norden, in ein brandgefährliches geopolitisches Minenfeld verwandelt. Vor der Küste Venezuelas ankert die USS "Gerald R. Ford", der größte Flugzeugträger der US-Marine, umgeben von Zerstörern, U-Booten und Bombergeschwadern. Insgesamt haben die USA inzwischen rund 15.000 Soldaten in der Region stationiert, darunter in Puerto Rico, Trinidad und Tobago.
Zugleich hat die US-amerikanische Bundesluftfahrtbehörde, die Federal Aviation Administration (FAA) "vor einer potenziell gefährlichen Situation" für Flüge über Venezuela gewarnt, was bereits zur Stornierung von Flügen durch drei internationale Fluggesellschaften geführt hat. Aktuell gibt es – offiziell noch nicht bestätigte Meldungen – wonach US-Kriegsschiffe russischen und chinesischen Tankern die Durchfahrt zu venezolanischen Häfen verwehren. All das sieht wie der Beginn einer See- und Luftblockade aus.
Am 24. November 2025 hat der oberste US-Militärberater, General Dan Caine, die Karibikregion besucht, um Truppen in Puerto Rico und auf einem US-Kriegsschiff zu inspizieren. Dies geschieht inmitten einer massiven Aufrüstung, bei der 30 Prozent der eingesetzten Schiffe, einschließlich des Flugzeugträgers "Gerald R. Ford", mit über 200 Tomahawk-Raketen bestückt sind. Der Besuch des Generals unterstreicht die Vorbereitungen auf potenzielle Luft- und Bodenangriffe in den nächsten zwei Wochen, da das US-Southern Command (SOUTHCOM) Urlaube über Thanksgiving und Weihnachten für Soldaten eingeschränkt hat.
Seit Ende August 2025 hat Washington unter dem Deckmantel der "Operation Southern Spear" 21 Raketenschläge auf bloßen Verdacht hin gegen mutmaßliche Drogenboote geführt, die bisher 83 Menschen das Leben gekostet haben. Das wird offiziell von Trump als legitimer Schlag gegen den Drogenhandel präsentiert, was jedoch nach Auffassung internationaler Rechtsexperten kaltblütiger Mord und – wenn vom Militär ausgeführt – ein Kriegsverbrechen ist!
Präsident Trump, der sich in dieser auf den Kopf gestellten Welt sogar als "Friedenspräsident" huldigen lässt, schloss in einer Pressekonferenz am 18. November weitere militärische Optionen nicht aus: "Ich schließe nichts aus, aber ich bin offen für Gespräche mit Maduro". Diese Worte klingen diplomatisch, doch sie kaschieren eine Eskalation, deren weitere Schritte aktuell vorbereitet werden.
Das Imperium in Washington ist inzwischen so schamlos, dass es nicht einmal mehr wie früher versucht, seinen militärischen Aufmarsch hinter humanitären Motiven zu verstecken. Vielmehr wird offen eingeräumt, dass es auch im Fall Venezuela um einen abscheulichen Raubzug für Ressourcen geht.
Früher bemühten sich Washingtons Apologeten wenigstens noch, Militärinterventionen mit hohem moralischem Pathos zu rechtfertigen – Demokratie fördern, Menschenrechte schützen, Tyrannen stürzen. Heute ist das nicht mehr nötig. Das Imperium stellt ganz offen seine Gier nach Öl, Lithium und seltenen Erden zur Schau. Die wenigen vorgeschobenen Vorwände – wie der "Kampf gegen den Drogenhandel" – sind dabei lächerlich dünn, zumal sie nach internationalem Recht keine außergerichtlichen Mordoperationen vor den Küsten Venezuelas und Kolumbiens rechtfertigen. Aber genau das ist es, wozu "Friedensfürst" Trump den Befehl gibt.
Am Montag, dem 24. November 2025, hat die US-Regierung das von Maduro kontrollierte "Cartel de los Soles" offiziell als ausländische Terrororganisation eingestuft. Dies markiert eine scharfe Eskalation und "rechtfertigt" aus US-Sicht potenziell weitere Militärschläge, da die Organisation nun mit dem venezolanischen Regierungsapparat gleichgesetzt wird.
Neben dem Plan, Venezuelas reiche Bodenschätze zu stehlen, hat Trump noch ein weiteres Ziel: Als Nebenprodukt des angestrebten Regimewechsels in Caracas soll Venezuela aus dem neuen, US-kritischen Bollwerk des Globalen Südens herausgebrochen werden, um Chinas und auch Russlands Einfluss in der Region zurückzudrängen und die westliche Hemisphäre in einer Art Monroe-Doktrin 2.0 wieder vollkommen unter die US-amerikanische Oberherrschaft zu zwingen.
Die von Trump vorgebrachte Rechtfertigung für das beängstigende Ausmaß des militärischen US-Aufmarschs vor der Küste Venezuelas, nämlich die angebliche Rolle Venezuelas als Produzent und Drehkreuz des Drogenhandels in Richtung USA, mag zwar im Kreis einer besoffenen Stammtischrunde als akzeptable Legitimation für die Bombardierung venezolanischer Schiffe auf bloßen Verdacht hin gelten. Tatsächlich aber handelt es sich dabei um Kriegsverbrechen. Ja, sogar Trumps Drohung der militärischen Gewaltausübung stellt bereits einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar. Zu allem Überfluss stimmen Trumps Behauptungen, dass Venezuela eine Schlüsselrolle im Drogenexport in Richtung USA spielt, hinten und vorne nicht.
Nach Angaben westlicher NGOs, aber auch des jüngsten UNO-Welt-Drogenberichts (UNODC), machen aus Venezuela kommende Drogen nur 5 Prozent des gesamten lateinamerikanischen Exports aus – und davon werden 70 Prozent von den venezolanischen Behörden selbst abgefangen. Das entspricht lächerlichen 2 bis 3 Prozent des US-Drogenmarkts, der hauptsächlich über Mexiko und Kolumbien fließt. Kokain aus Kolumbien, Fentanyl aus mexikanischen Labors – das sind die wahren Quellen, aus denen die US-Drogensucht bedient wird. Der Drogenhandel als Trumps Rechtfertigung ist ein Witz, den nicht einmal seine Erfinder ernst nehmen. Dennoch zielt Washingtons Raketenfeuer auf Schiffe in venezolanischen Gewässern, wo Fischer aus Angst vor US-Drohnen nur noch nah am Ufer arbeiten.
Noch absurder ist der von West-Medien geförderte Mythos der "Demokratieförderung" Venezuelas. Die Vergabe des "Friedensnobelpreises" an die angebliche "Oppositionsführerin" María Corina Machado Ende Oktober 2025 war kein Zufall, sondern ein klarer Kriegsgruß. Die norwegische Kommission, traditionell ein Sprachrohr westlich-imperialistischer Interessen, ehrte Machado als "Kämpferin für Demokratie" – genau in dem Moment, als Trump und Außenminister Marco Rubio einen "unvermeidlichen Militärschlag" gegen ihr Land öffentlich ankündigten.
Am 31. Oktober erklärte die neue "Friedensnobelpreisträgerin" Machado sogar, dass sie eine kriegerische Intervention seitens der USA im eigenen Land begrüßen würde. Für die US-Marionette, die als "Oppositionspolitikerin" inszeniert wird, ist die "Eskalation" zum gewaltsamen Regimewechsel "der einzige Weg", um Präsident Maduro loszuwerden, so Machado.
Die wahren US-Motive der US‑Kriegsvorbereitungen sind geostrategisch und ressourcengetrieben, wie Generalin Laura J. Richardson, Kommandantin des US Southern Command, bereits 2023 auf einem CSIS-Panel zugab. Sie sprach unverblümt von "feindseligen Fußspuren" Russlands, Chinas und Irans in der Region – und bezeichnete Venezuela, Bolivien, Chile und Argentinien als "nationale Sicherheitsfragen" für die USA. Warum? Weil hier die größten Ölreserven der Welt schlummern: Über 300 Milliarden Barrel in Venezuela allein, genug, um die USA für Jahrhunderte unabhängig zu machen. Hinzu kommen Gold, Kupfer und der Zugang zum Lithium-Dreieck (Argentinien, Bolivien, Chile), das 60 Prozent der globalen Vorkommen birgt – essenziell für Batterien, Elektroautos und Hightech-Waffen. Und vergessen wir nicht die 31 Prozent des weltweiten Süßwassers in der Region, ein Faktor in Zeiten globaler Knappheit.
Dieser Raubzug ist Teil eines größeren Plans: die Vorbereitung auf einen Konflikt mit China, der nicht nur Peking, sondern den gesamten Globalen Süden treffen wird. Washington will mit Gewaltanwendung seinen hegemonialen Einfluss in der Karibik und entlang der pazifischen Südamerikaküste wiederherstellen, um Chinas "Belt and Road Initiative (BRI)" zu blockieren. Chinesisch finanzierte Investitionen in Häfen, Straßen und Transitwege in Venezuela? Das geht aus Washingtons Sicht überhaupt nicht. Trumps Forderung nach Rückgabe des Panamakanals, die Installation faschistischer Regime in El Salvador und Ecuador (inklusive möglicher Basen auf den Galapagosinseln) und wachsende Drohungen gegen Kolumbien sind Puzzleteile desselben Bildes. Zugleich bleiben Kuba und Nicaragua weiterhin Zielscheiben, denn zusammen mit Venezuela bilden sie eine antiimperialistische Achse, mit denen das Imperium kurzen Prozess machen will.
Die jüngste US-Eskalation hat die internationale Besorgnis verstärkt: Brasiliens Präsident Lula da Silva äußerte am 24. November Bedenken über den US-Aufmarsch und plant, das Thema mit Trump zu besprechen. Zudem deuten Berichte auf geplante verdeckte CIA-Operationen hin, die als erster Schritt gegen Maduro dienen könnten. In den USA lehnen laut einer CBS News/YouGov-Umfrage vom 23. November 70 Prozent der Bürger eine militärische Intervention ab, während zur selben Zeit am 24. November B-52H-Strategische Bomber der US Air Force in Richtung Karibik-Südsee aufbrachen, um eine weitere "Machtdemonstration" durchzuführen.
Während das US-Imperium seine Gier entblößt, schweigen oder applaudieren sogar die selbst ernannten "Progressiven" – jene jungen, Soros-finanzierten Aktivisten, die sich selbst stolz als "links" bezeichnen. Es sind dieselben "Linken", die sich 2024 über den angeblichen "Wahlbetrug" in Venezuela aufgeregt hatten, und jetzt nicht mit der Wimper zucken, wenn ein US-Flugzeugträger Caracas bedroht. Stattdessen feierten sie Machados Nobelpreis als "Sieg der Demokratie" und ignorieren die tödlichen Schikanen gegen karibische Fischer. Diese, in neoliberalen "Reagenzgläsern" gezüchteten "Linken" demonstrieren nicht gegen imperialistische Kriegspläne, sondern gegen angebliche "Autokraten", aber nur, wenn diese nicht US-freundlich sind.
Riskiert Trump in Venezuela ein neues Vietnam?
Sollte Washington angreifen, wären die Folgen verheerend und unberechenbar.
Erstens: Die USA hatten bereits in der Vergangenheit immer Schwierigkeiten, Venezuela zu kontrollieren. Das wird sich im Fall eines Angriffs sehr wahrscheinlich erbittert wehren. Mit einer 4,5 Millionen starken Miliz, von der niemand die Yankees liebt, mit 95.000 bis 150.000 regulären Truppen und russischen S-400-Flugabwehrsystemen, sowie Drohnen kann Caracas asymmetrische Guerillakriege führen und die US-Soldaten im Dschungel und in den Bergen bluten lassen.
Experten wie Ex-CIA-Analyst Fulton Armstrong warnen: "Es wird wie ein Schwarm angreifender Bienen sein, sobald sie (die US-Soldaten) ihre gesicherten Zonen verlassen". Für eine reguläre Invasion und zum Halten von Territorium bräuchten die USA 50.000 bis 150.000 US-Truppen – weitaus mehr als die aktuell in der Karibik verfügbaren 15.000. Trump würde zudem für Tausende tote US-Soldaten zur Rechenschaft gezogen.
Zweitens: Lateinamerika würde explodieren. Die stärksten Anti-US-Stimmungen seit Jahrzehnten würden Angriffe auf Botschaften, Sabotage und Attentate auslösen – aber vor allem eine Welle von neu erstarktem Nationalbewusstsein. Nachbarn wie Kolumbien und Guyana wüssten: Sie sind die Nächsten. Es geht nicht mehr um Marionettenregime, sondern um die Zerstörung jeglicher Souveränität vom Rio Grande bis Patagonien. China hat bereits Stellung genommen und erklärt: "Wir lehnen jede US-Einmischung ab", hieß es am 20. November aus Peking. Russland verstärkt Venezuelas Verteidigungsfähigkeiten mit neuen Lieferungen, Iran schickt Drohnen und im Fall einer Blockade der venezolanischen Seehäfen stünde immer noch der Landweg über die brasilianische Grenze für wichtige Waffenlieferungen aus dem Globalen Süden offen.
Drittens: Während Trump mit einem Regimewechsel in Venezuela dem Globalen Süden eine terroristische Lektion erteilen will, dass sich nämlich niemand dem Monster in Washington widersetzen kann, könnte genau das Gegenteil passieren: Für den Globalen Süden würden die USA als Terrorstaat dastehen. Eine kontinentale Einheit gegen das Imperium könnte entstehen, gestärkt durch BRICS und BRI. Der Ölmarkt würde taumeln und Preise explodieren lassen.
Dennoch könnte es sich bei all dem auch um eine Taktik Trumps handeln, die er in seinem Buch "The Art of the Deal" beschrieben hat, nämlich: Eskalieren, um zu verhandeln, wie das zuvor im Fall Nordkorea geschehen ist. Doch ein Fehltritt könnte genügen, um das Pulverfass Karibik zu entzünden. Der "Friedenspräsident" Trump riskiert, im eigenen Sumpf zu versinken und seine zunehmend skeptische MAGA-Basis zu vergraulen.
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