Die grüne Heiz-Domina und die Wohnungserfassung

Die ganze schräge Nummer mit dem Wärmepumpenzwang ist noch nicht durch, da wird schon wieder nachgelegt. Das Publikum weiß noch nicht, ob es sich wirklich wehren soll oder einfach alles ignorieren, da erfindet Habeck ein Heizkataster, in das jede Wohnung gemeldet werden soll.

Von Dagmar Henn

Wer hat sie nicht gehört, die Sätze aus der biblischen Weihnachtsgeschichte: "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde." Es geht um eine Volkszählung im Römischen Reich, für die jeder an seinen Geburtsort zurückkehren sollte. Irgendwie muss diese Geschichte bei den Grünen hängen geblieben sein. Sonst würden sie nicht Daten über die Heizungen so erheben wollen, wie sie es wollen.

Bei den Volkszählungen sind die Vollerfassungen inzwischen die Ausnahme, zwischen den letzten beiden lagen elf Jahre. Dazwischen wird der Stand per Mikrozensus nachkorrigiert. Das sind zwar keine extrem genauen Daten, aber der Aufwand ist wesentlich geringer. Und in den allermeisten Fällen stellt der mögliche statistische Fehler kein Problem dar, weil selbst beim Mikrozensus die Ausgangsmenge noch sehr groß ist, immerhin ein Hundertstel der Gesamtbevölkerung.

Der Trick beim Mikrozensus wie bei jeder statistischen Teilerhebung ist, dass die Abweichung der realen Daten von den so ermittelten Daten mathematischen Gesetzen unterliegt und durch die Gaußsche Normalverteilung bestimmt ist. Um zu erfassen, wie die Deutschen tatsächlich heizen, würde es genügen, die konkreten Daten von einer Stichprobe zu erheben.

Gut, es sind die Grünen, die gerade das Wirtschaftsministerium besetzt halten, und vermutlich sind die alten Mitarbeiter noch von der Spionagenummer eingeschüchtert. Aber eigentlich sollte in diesem Bau noch jemand übrig sein, der selbst Herrn Habeck erklären kann, dass man nicht wirklich die Heizkostenabrechnung jedes einzelnen Bürgers ins Datennetz einpflegen muss, um einen Überblick zu erhalten.

Anders ist das allerdings, wenn all das Teil der Immobilienbewertung werden soll. Davon ist im Moment zwar nicht die Rede. Aber es sieht sehr danach aus, dass in Wirklichkeit diese Daten gesammelt werden, um sie anschließend zur Bepreisung einzusetzen, um problemlos entsprechende Strafen verhängen zu können, oder beides.

Vielleicht ist das auch die Rache dafür, dass der Zwang zum Einbau eines Smartmeters, also eines "intelligenten" Stromzählers, immer noch nicht durchgesetzt werden konnte. Die Leidenschaft dafür, nicht nur einsehbar zu machen, wann man seine schmutzige Wäsche wäscht, sondern sogar die Entscheidung über das Ob an die Stromerzeuger abzutreten, hält sich doch in engeren Grenzen.

Vergangenen Winter wurde die Heizordnung schon einmal eingeübt, die sich ankündigt. Man kann schon fast den Schwarzmarkt für schadhafte Thermometer vor sich sehen, mit denen man sich dann lebensfreundliche Heizgrade mehr erschummeln kann, wenn die Wärmekontrolle aufschlägt. Oder die Isoliertapeten, durch die der Nachbar nicht mehr mitbekommen soll, wie warm es wirklich ist… Auf jeden Fall führt allein die Ankündigung, man wolle das künftig für jede einzelne Wohnung wissen, zur Entwicklung allerlei dystopischer Vorstellungen.

Schließlich ist da ja auch noch Özdemir, der ständig den Fleischverzicht predigt. Was nicht nur unangenehm an Kasteiung erinnert, permanente Fastenzeit ohne Biberschwänze sozusagen. Sondern auch an das Jagdverbot, welches das Wildbret nur dem Adel erlaubte. Der Habecksche Heizzwang dient ohnehin schon dazu, die Ärmeren ihres kärglichen Besitzes zu berauben. Eine oder zwei Stufen weiter lässt sich das dann auch mit dem Heizkataster drehen.

Überhaupt ist die Erfahrung mit neuen bürokratischen Aufgaben in der nahen Vergangenheit eher abschreckend. Wie ist das noch einmal mit der neuen Grundsteuer? Oder der digitalen Steuererklärung? Oder dem berüchtigten Bildungs- und Teilhabepaket? Alles Fälle, in denen ungeheuer viel Aufwand erwartet wird, für kaum ein Ergebnis. Hauptsache, die Bürger sind beschäftigt.

Und niemand hat die geringsten Zweifel, dass unseren grünen Überwachungshelden noch die dazu passenden Strafen einfallen werden. Das Heizkataster mit der elektronischen Krankenakte und dem Ernährungsprotokoll kreuzen, und davon dann den Zugang zu Urlaubsreisen abhängig zu machen, sofern man nicht extra bezahlt. So etwas Ähnliches dürften die meisten fürchten.

Dabei war schon die ganze Mülltrennerei unnötige Beschäftigungstherapie mit der Nebenwirkung, möglichst viel noch verwertbare Materialien bei gewinnorientierten Unternehmen und nicht bei der kommunalen Abfallwirtschaft unterzubringen. Anders gesagt: Durch die eifrige Trennerei erarbeitet sich der folgsame Bürger seine höheren Müllgebühren.

Irgendwie wird sich auch beim Heizkataster ein Weg entdecken lassen, Geld von den Armen zu den Reichen zu befördern. Und irgendwie auch aus Europa in die USA. Und ansonsten bei den Opfern das Gefühl erzeugen, in die Hände einer bösartigen Gouvernante gefallen zu sein. Sonst wäre das kein wahrhaft grünes Projekt. Habeck jedenfalls, davon kann man ausgehen, wird in dieser Hinsicht sein Bestes tun.

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