Westliche Medien schauen lieber weg, wenn Verbrechen von Marionetten des Westens begangen werden

Syrer werfen der vom Westen unterstützten kurdischen Enklave im Norden des Landes vor, ethnische Säuberungen durchgeführt und Kindersoldaten eingesetzt zu haben, um einen neuen antiarabischen Staat zu bilden. Die Parallelen zur Gründung Israels in den 1940er-Jahren sind frappierend.

Ein Kommentar von Eva Bartlett

Die kurdischen Kräfte in Syrien werden von vielen im Westen als Kämpfer für Freiheit und eine autonome Gesellschaft gepriesen. Aber wenn man sich nicht bei unabhängigen Journalisten und die syrischen Medien informiert, ist man sich möglicherweise nicht der Verbrechen bewusst, die von einer durch die USA unterstützte Gruppierung seit Jahren begangen werden.

Am 25. November berichtete die Daily Sabah – eine Zeitung, die keinerlei Sympathien für die syrische Regierung hegt – über eine der widerlichsten Praktiken der kurdischen Kräfte in Syrien. Das Blatt enthüllte: "YPG/PKK-Terroristen haben am 21. November drei 15-jährige Mädchen – Hediyye Abdurrahim Anter, Evin Jalal Halil und Ayana Idris Ibrahim – in Amuda in der Provinz Hasaka entführt, um sie zwangsweise als Kindersoldaten einzusetzen. Die Terrorgruppe hat zudem Anfang August zwei Kinder im Alter von 13 und 16 Jahren und am 23. August zwei Kinder, ebenfalls im Alter von 13 und 16 Jahren, für denselben Zweck entführt."

In dem Artikel heißt es weiter, dass diese Praxis, Kinder zu entführen, um sie zum Kampf zu zwingen, in einem Bericht der Vereinten Nationen dokumentiert wurde, in dem es hieß, dass die YPG/PKK zwischen Juli 2018 und Juni 2020 mehr als 400 Kinder bei Kampfhandlungen eingesetzt hatte.

Dennoch wird die Welt glauben gemacht, dass die selbst ernannte autonome Region – bekannt als Rojava und bestehend aus den Gouvernements Hasaka, Raqqa, Deir ez-Zor und Aleppo – ein Zufluchtsort für Liberale und Feministinnen ist, zusammen mit freiheitsliebenden kurdischen Kämpfern, die den IS bekämpfen und Syrien befreien wollen.

Tatsächlich wird auf der Webseite der YPG Rojava behauptet: "Die YPG wurde gegründet, um das Erbe und die Werte der Bevölkerung von Rojava zu schützen, und basiert auf den Prinzipien des Paradigmas einer demokratischen Gesellschaft, der Ökologie und der Befreiung der Frau. Ohne Religion, Sprache, Nation, Geschlecht oder politische Parteien zu bevorzugen oder zu diskriminieren, schützt die YPG das Land vor allen Angriffen von außen. Die YPG ist die Verteidigungsmacht der demokratischen Nation und steht mit keiner politischen Partei in Verbindung."

Es liest sich wie ein Wohlfühlmärchen, entspricht aber keineswegs der Realität.

Das utopische Bild der sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), zu denen auch YPG und PKK gehören, bekommt durch die Entführungen, die leider kein neues Phänomen sind, massive Risse. Man suche nur in syrischen Medien nach QSD – dem arabischen Akronym –, und man wird regelmäßig über Entführungen von Zivilisten und Journalisten durch kurdische Streitkräfte informiert. Dieses Bild bekommt weitere Risse durch ethnische Säuberungen von einheimischen Syrern aus den nordöstlichen Gebieten Syriens, die ebenfalls von kurdischen Truppen besetzt sind, und ihrer Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften, die sich illegal in Syrien aufhalten.

All dies wird jedoch in den Mainstream-Medien des Westens nie erwähnt. Stattdessen dichtet man weiterhin Oden, in denen kurdische Kämpfer romantisiert werden. In einem kürzlich erschienen Artikel wird gar behauptet, dass in den von kurdischen Kräften kontrollierten Gebieten eine "überwiegend kurdische Bevölkerung" lebe – eine Behauptung, die nicht den Tatsachen entspricht. Wie der Autor Stephen Gowans in einem Artikel aus dem Jahr 2017 ausführte, stellen die Kurden in Syrien "nur einen kleinen Prozentsatz der syrischen Bevölkerung. Schätzungen des Anteils der in Syrien lebenden Kurden an der Gesamtbevölkerung schwanken zwischen zwei und sieben Prozent, basierend auf den Bevölkerungszahlen, die im CIA World Factbook aufgeführt sind."

Warum also sollten Assyrer, Aramäer und andere syrische Volksangehörige, die seit Generationen dort leben, akzeptieren, von Kurden regiert oder gar vertrieben zu werden? Gowans fügte hinzu: "Kurdische Kämpfer haben den Feldzug gegen den IS als Gelegenheit genutzt, Kurdistan in traditionell arabische Gebiete auszudehnen, in denen Kurden nie eine Mehrheit stellten."

Im Jahr 2018 schrieb die syrische Journalistin Sarah Abed über die Entführungen und ethnischen Säuberungen durch die SDF und stellte nicht nur die Entführungen von Männern, sondern auch von Kindern fest. Sie berichtete, wie Eddie Gaboro Hanna, der Gründer von Patriarchal Relief Care Australia, einer Organisation, die christliche Familien unterstützt, die von Kriegen in Syrien und im Irak betroffen sind, erklärte: "Sie nehmen junge christliche Jungen gewaltsam mit, um sie für das kurdische Militär zu verpflichten, und schicken sie an die Front." Er fügte hinzu: "Christen werden hier in ihrem eigenen Land als Bürger zweiter Klasse behandelt. Genauso wie der IS eine islamische Ablass-Steuer eingeführt hat, haben die Kurden ihre eigene eingeführt. Sie haben einfach den IS ersetzt."

Obwohl die Berichterstattung der BBC über die Aktivitäten der Kurden in Syrien vorhersehbarerweise zugunsten der SDF ausfällt, berichtete 2015 sogar sie über die ethnischen Säuberungen und die Vertreibung einheimischer Syrer. Unter Berufung auf einen Bericht von Amnesty International wurde der YPG vorgeworfen, in den Provinzen Hasaka und Raqqa "ganze Dörfer zerstört zu haben, nachdem sie diese vom IS zurückerobert hatten".

Die Geschichte der Kurden in Syrien

Im Januar 2019 sprach ich mit dem geopolitischen Analysten und Mitarbeiter von Sputnik  Laith Marouf über die Kurden in Syrien. Als ein im ostsyrischen Gouvernement Deir ez-Zor geborener Syrer, das heute teilweise von Kurden besetzt ist, hatte Marouf viel über die Geschichte der Kurden in Syrien zu erzählen und deren Projekt des 21. Jahrhunderts, sich Land anzueignen.

Er erzählte: "In den 1940er-Jahren kam eine Welle kurdischer Flüchtlinge aus der Türkei nach Syrien, und eine zweite Welle kam in den 1960er-Jahren, als die PKK die bewaffnete Rebellion gegen die türkische Regierung von arabischem Land aus begann. Die syrische Regierung verlieh ihnen die Staatsbürgerschaft. Sie wurden vom syrischen Staat bewaffnet und erhielten Schutz, um in den Bergen Kurdistans, in der Türkei, für ihre Befreiung zu kämpfen. Die syrische Regierung beherbergte bis Anfang der 90er-Jahre die oberste Führung des gesamten kurdischen Widerstands."

Marouf merkte an, dass Syriens Unterstützung für die Kurden dazu geführt hatte, dass die Türkei in den 1990er-Jahren mit einer Invasion gedroht und zahlreiche Dämme entlang des Euphrat gebaut hatte, um den Zufluss von Wasser nach Syrien zu unterbinden. Syrien weigerte sich jedoch, den PKK-Führer Abdullah Öcalan auszuliefern. Marouf betonte: "Syrien hätte beinahe Krieg mit der Türkei geführt, um die Rechte der Kurden zu schützen. Das syrische Volk im Nordosten litt unter Wassermangel, und die Landwirtschaft – die Kornkammer Syriens – brach in diesen Jahren fast zusammen. Was jetzt passiert, ist, dass einige Verrückte behaupten, dass es etwas namens Rojava gibt und dass man sich abspalten und Teile syrischen Landes stehlen, kolonisieren und besiedeln könne."

Auch sprach er von den Jahren der Entführungen und des Verschwindenlassens von Kritikern der kurdischen Herrschaft. "Selbst kurdische Syrer, die der YPG kritisch gegenüberstanden, selbst entfernt kritische Professoren an den Universitäten in Hasaka, Raqqa und Deir ez-Zor verschwanden. Und das waren bloß die kritischen Kurden. Man kann sich also vorstellen, was mit den assyrischen und arabischen Volksangehörigen in der Region passiert ist, den Denkern, Stammesführern und Ex-Militärs – eine hohe Zahl von Verschleppungen und Vertreibungen."

Wie der Artikel der Journalistin Sarah Abed hervorhob, wurden ehemals assyrische Dörfer in Hasaka und Raqqa vollständig von kurdischen Streitkräften eingenommen. "Sie ziehen mit den kurdischen Milizen und ihren Familienmitgliedern in diese Dörfer ein und schaffen neue, ethnisch reine Städte und Dörfer, die dann kurdisch sind. Und das weiten sie auf den Einflussbereich der syrischen und armenischen Kirchen aus. Sie haben ihr ganzes Land beschlagnahmt."

So viel also zum "Erbe und den Werten" Rojavas, zu denen auch "ohne Bevorzugung oder Diskriminierung jeglicher Religion, Sprache, Nation, Geschlecht oder politischer Parteien" gehören soll.

Marouf sagte auch: "Sie haben für alle Schulen – einschließlich Schulen, die von ethnischen und/oder religiösen Gruppen betrieben werden – Lehrpläne durchgesetzt, sodass allen Schulen, die von Kirchen geführt werden, befohlen wurde, nach diesen Lehrplänen zu unterrichten, in denen gezielt Unwahrheiten über die kurdische Präsenz in der Region gelehrt werden. Als sich die Assyrer dem widersetzten, weil ihre Schulen Privatschulen waren, die unter der Obhut ihrer Kirche standen, hat die YPG all diese Schulen geschlossen, und bewaffnete Männer haben dafür gesorgt, dass die Kinder nicht zur Schule gehen konnten."

Die ethnische Säuberung und erzwungene Vertreibung einheimischer Völker kommt einem schrecklich bekannt vor, wie Marouf betonte. "Die Realität ist also, dass wir einen ethnonationalistischen Siedlerkolonialstaat namens Rojava haben, der vom westlichen Imperium durchgesetzt wird – und er wird genauso verkauft, wie in den 1940er-Jahren der Staat Israel verkauft wurde. Es ist dieselbe Blaupause einer Propaganda, die uns weismachen soll, dass wir im 'Meer der barbarischen Araber' die Utopie einer säkularen und sozialistischen Regierung schaffen."

Im Laufe der Jahre wurde ich von Verfechtern der Idee Rojava kritisiert, weil ich die Souveränität Syriens nicht in Frage stelle und kritisch über den Versuch des Westens schreibe, die syrische Regierung zu stürzen. Stattdessen hätte ich ihrer Meinung nach diese falsche Utopie unterstützen sollen, für die viele getötet und vertrieben wurden. Diesen Leuten sage ich, ihr wurdet verblendet, genauso wie viele westliche Linke in Bezug auf Syrien.

Und man kann darauf wetten, dass sämtliche westlichen Konzernmedien regelmäßig laut darüber berichten würden, beginge der Staat Syrien die Verbrechen, die die SDF begehen. Aber weil diese Verbrechen von Marionetten des Westens ausgeführt werden, schaut man lieber weg.

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Übersetzt aus dem Englischen.

Eva Bartlett ist eine kanadische freie Journalistin und Aktivistin. Sie hat Jahre vor Ort in Konfliktzonen im Nahen Osten verbracht, insbesondere in Syrien und Palästina (wo sie fast vier Jahre lang lebte). Sie twittert unter @EvaKBartlett.