Assange am ersten Anhörungstag: 11 mal in Handschellen gelegt und zweimal nackt durchsucht

Die Anwältin von WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange, Jennifer Robinson, sagte am Dienstag vor dem Woolwich Crown Court in London zur Presse, dass Assange am ersten Tag seiner Auslieferungsanhörung 11 Mal mit Handschellen gefesselt und zweimal nackt einer Leibesvisitation unterzogen wurde.

Robinson erklärte zudem, dass Assange auch "der Zugang zu seinen juristischen Papieren verweigert und sie ihm weggenommen worden seien". Sie fügte hinzu, dass sein Verteidigerteam diesen Umstand dem Gericht gegenüber als bedenklich angesprochen habe. Vor allem in Bezug auf Assanges "Fähigkeit zur ordnungsgemäßen Teilnahme an diesen Verfahren" sei dies nicht zumutbar.

Die Bedingungen in dem Londoner Gericht, in dem derzeit über eine Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange an die USA verhandelt wird, sind aus Sicht der beiden deutschen Parlamentarier Heike Hänsel und Sevim Dagdelen (beide Linke) "unhaltbar".

Wegen erheblicher Tonprobleme habe Assange den Auftakt der Hauptanhörung "kaum mitverfolgen" können, monierten laut der Nachrichtenagentur AFP Hänsel und Dagdelen, die als Prozessbeobachter in London dabei sind.

Der WikiLeaks-Mitbegründer sitzt seit dem 1. Mai 2019 im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh hinter Gittern. Er war aufgrund angeblicher Verstöße gegen seine Kautionsbedingungen zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Eine Auslieferung nach Schweden wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe soll vermieden werden.

Obwohl die Anklage am 22. September fallen gelassen wurde, ordnete ein britischer Richter an, dass Assange weiter im Gefängnis bleiben muss, während ihm dort eine Auslieferung an die USA droht. Die Anhörung, die auf vier Wochen Dauer ausgelegt ist, wird fortgesetzt.

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