Ischinger auf Bundespressekonferenz: In Syrien hat die Staatengemeinschaft der EU vollkommen versagt

Am kommenden Wochenende findet die Münchner Sicherheitskonferenz statt. In Berlin stellte Wolfgang Ischinger den diesjährigen Bericht vor und hielt konsterniert fest, dass der "Westen immer weniger westlich" wird. Aber auch bei den großen Krisen habe vor allem die EU versagt.

Der Westen steckt in einer tiefen Krise. Das ist das Resümee des diesjährigen Berichts der Münchner Sicherheitskonferenz und für einen überzeugten Transatlantiker wie Wolfgang Ischinger, dem Vorsitzenden der Konferenz, besonders bitter. Sogar so bitter, dass dafür ein eigenes Schlagwort kreiert wurde: Westlessness. 

Es gebe dafür noch kein deutsches Wort, sagte Ischinger in Berlin, aber man könne es ungefähr mit "Westlosigkeit" übersetzen. Es sei ein "doppeltes Phänomen", sagte er, weil nicht nur der Westen "weniger westlich" geworden ist, sondern "die Welt insgesamt". Bei einem Anteil von gerade einmal rund elf Prozent (USA und EU) der Weltbevölkerung sollte sich im Jahr 2020 eigentlich niemand mehr wundern, dass die Dominanz des Westens auf der Weltbühne immer mehr abnimmt.

Das zeigt sich im besonderen Maße bei Konfliktherden wie im Jemen, in Libyen oder Syrien, aber auch zuletzt im Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran. In all diesen Ländern spielten und spielen die westlichen Länder Brandstifter, aber die Fähigkeit, die selbstgelegten Brände zu löschen, ist ihnen abhanden gekommen. Im Falle Syriens hat man es in den vergangenen neun Jahren nicht einmal versucht, wie Ischinger zurecht betrübt feststellen muss. Bei der Frage von RT, was denn die internationale Staatengemeinschaft in Syrien tun sollte, um das Ruder doch noch irgendwie herumzureißen, musste der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz anfangs lange nach Worten suchen.

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