In Schweden wurde der WikiLeaks-Gründer Julian Assange der Vergewaltigung beschuldigt; die Voruntersuchungen jedoch wurden im Mai 2017 eingestellt. Die Staatsanwaltschaft sah keine Möglichkeit, die Ermittlungen voranzubringen. Die Schuldfrage sei damit aber nicht geklärt, sagte die Anklägerin damals. Nun wurde am Montag bekannt, dass die Untersuchungen in dem Fall wieder aufgenommen werden.
"Ich habe die Entscheidung getroffen, die Ermittlungen wieder aufzunehmen", sagte die schwedische Generalstaatsanwältin Eva-Marie Persson auf einer Pressekonferenz.
Zwei Schwedinnen werfen Assange vor, dass sie sexuellen Handlungen nicht zugestimmt hätten. Assange bestreitet die Vorwürfe.
Bereits am 11. April – dem Tag, als Assange in London festgenommen worden war – wurde die Wiederaufnahme der vorläufigen Ermittlungen in Schweden von der Anwältin einer der zwei Frauen beantragt, die Anschuldigungen gegen Assange vorgebracht hatte.
Elisabeth Massi Fritz, schwedische Anwältin der beiden mutmaßlichen Opfer von Julian Assange, sagte damals gegenüber dem schwedischen Expressen zu der Verhaftung des weltbekannten Whistleblowers:
Ich und meine Klientinnen haben eben die Nachricht erhalten, dass Assange verhaftet wurde. Das, worauf wir seit fast sieben Jahren gewartet und gehofft haben, ist für meine Klientinnen offensichtlich wie ein Schock. Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass die Staatsanwälte die vorläufigen Ermittlungen in Schweden wieder aufnehmen, damit Assange an Schweden ausgeliefert und wegen Vergewaltigung strafrechtlich verfolgt werden kann.
Antrag auf Auslieferung des WikiLeaks-Gründers nach Schweden angekündigt
Die schwedische Staatsanwaltschaft hat nun am Montag angekündigt, dass sie eine Auslieferung des WikiLeaks-Gründers nach Schweden beantragen werde. Assange vermied eine Auslieferung an Schweden für etwa sieben Jahre, indem er 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London Zuflucht gesucht hatte.
Der 47-Jährige befindet sich derzeit im Gefängnis von Belmarsh in London. Im April wurde Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen und zu 50 Wochen Haft verurteilt, weil er gegen Kautionsauflagen verstoßen und sich jahrelang dem Zugriff der Polizei entzogen hatte.
Die USA wollen ebenfalls, dass der Australier an sie ausgeliefert wird. Sie werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor, um einen Pentagon-Computer zu hacken und Staatsgeheimnisse zu stehlen.
Laut der schwedischen Staatsanwältin obliege es den britischen Behörden zu entscheiden, ob der schwedische oder US-amerikanische Auslieferungsantrag Vorrang habe. Kristinn Hrafnsson, Chefredakteur von WikiLeaks, sagte, dass "es erheblichen politischen Druck auf Schweden gegeben hat, die Untersuchung wieder aufzunehmen, aber es gab immer politischen Druck in Verbindung mit diesem Fall".
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