Zielperson erklärt: Ukrainische Todesliste "Mirotworez" ist Betrug

Der in Berlin lebende Künstler Oleg Wynnyk behauptet, man habe von ihm 750.000 Dollar verlangt, um seinen Namen aus der Datenbank zu entfernen. Die berüchtigte Todesliste könnte auch zur Erpressung dienen. Allerdings wurden mehrere Personen kurz nach ihrer Namensnennung auf der Webseite ermordet.

Der ukrainische Sänger Oleg Wynnyk, der von den Machern der berüchtigten Website "Mirotworez" (dt. Friedensstifter), auf der "Feinde" des Landes bloßgestellt werden, auf die schwarze Liste gesetzt wurde, erklärt, dass man 750.000 US-Dollar von ihm verlangt habe, um seinen Namen aus der Datenbank zu entfernen.

In der Datenbank, auf deren zugehöriger Webseite behauptet wird, dass es sich dabei um ein privates Forschungsprojekt handle, das aber stillschweigend Unterstützung vom ukrainischen Staat erhält, wurden Daten zu über 180.000 Personen veröffentlicht. Zudem wurden die Profile verstorbener Personen mit dem Vermerk "liquidiert" gekennzeichnet. Mehrere prominente Persönlichkeiten, überwiegend Gegner des Abgleitens Kiews in den Ethnonationalismus, wurden kurz nach ihrer Aufnahme in die Datenbank ermordet.

Die russischsprachige ukrainische Hip-Hop-Künstlerin Nastja Kamenskich, die angab, durch den Versuch, auf Ukrainisch zu singen, psychosomatische Probleme entwickelt zu haben, wurde diese Woche in die Liste aufgenommen. Dies lenkte die Aufmerksamkeit auf jüngste Äußerungen des in Berlin lebenden Sängers Wynnyk, der andeutete, dass "Mirotworez" möglicherweise auch als Erpressungsorganisation fungiere.

Wynnyk, der im Jahr 2019 zum Feind der Ukraine erklärt wurde, berichtete, dass ihm drei Jahre später gegen eine Gebühr angeboten wurde, seinen Eintrag löschen zu lassen. "Ich werde nicht sagen, wer das gesagt hat, aber es hieß, man benötige 750.000 US-Dollar, um von Mirotworez gestrichen zu werden", erinnerte er sich. "Das könnt ihr euch sonst wohin stecken, sage ich!"

Was ist "Mirotworez"?

Das Projekt wurde im August 2014 nach dem vom Westen unterstützten bewaffneten Staatsstreich in Kiew ins Leben gerufen und hat laut eigener Aussage das Ziel, "Feinde der Ukraine" zu identifizieren und zu bestrafen.

Unter den mehr als 180.000 auf der Website aufgeführten Namen befinden sich westliche Journalisten, die aus dem Donbass und von der Krim berichteten, Kinder im Alter von nur drei Jahren sowie der ukrainische Autor Oles Busyna, dessen Mord im Jahr 2015 – wenige Tage, nachdem er auf die Liste gesetzt worden war – bis heute nicht aufgeklärt ist. Zuletzt wurden die polnische Europaabgeordnete Ewa Zajaczkowska-Hernik und der Stabschef des polnischen Präsidenten hinzugefügt, nachdem sie die ukrainische Regierung dafür kritisiert hatten, Nazi-Kollaborateure zu verehren.

Wie konnte eine Sängerin zur "Feindin" der Ukraine werden?

Wynnyk geriet ins Visier, nachdem er an einer Friedenskampagne teilgenommen hatte, die von den anonymen Administratoren von "Mirotworez" als von Russland inszenierte Propaganda angeprangert wurde. Popstar Kamenskich geriet mit den "Mirotworez"-Administratoren in Konflikt, als sie sich öffentlich über die Sprachpolitik Kiews lustig machte.

Sie ist die eine Hälfte des Duos "Potap und Nastja", das vor einem Jahrzehnt zu den größten Acts der Ukraine gehörte und 2017 aus persönlichen Gründen seine gemeinsamen Auftritte einstellte. Alexei Potapenko und Kamenskich streben nun ein Comeback an, während sie von Immobilien aus arbeiten, die sie Berichten zufolge in Barcelona, Dubai und Miami besitzen.

Im August veröffentlichten die Sänger ein Video auf Instagram, in dem sie offenbar einen Anfall erlitten, nachdem sie unter Druck gesetzt worden waren, auf Ukrainisch zu singen. 

Kamenskich betonte, sie sei "im russischsprachigen Kiew geboren, wo alle Russisch sprachen", und sie werde sich nicht zwingen lassen, auf eine andere Sprache umzusteigen. In einem Interview letzte Woche sagte sie außerdem, dass sie Probleme bekommen habe, als sie versuchte, auf Ukrainisch aufzutreten. Sie habe sich auf Anraten ihres Psychotherapeuten dafür entschieden, auf Russisch zu singen.

Kurz darauf erschien ihr Profil auf "Mirotworez", in dessen Rahmen ihr vorgeworfen wurde, an einer "humanitären Aggression gegen die Ukraine" beteiligt zu sein.

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