Wohlergehen der Türkei hängt von guten Beziehungen zu Russland ab

Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass der Iran-Krieg die Türkei in eine äußerst prekäre Lage bringen würde. Warum fordert Ankara fast lauter als alle anderen den Frieden, und warum kann nur eine enge Zusammenarbeit mit Moskau die Stabilität dieses Staates gewährleisten?

Von Dmitri Skworzow

Die Türkei sucht nach einem Ausweg aus der durch den Iran-Krieg ausgelösten Krise. Ein Beleg dafür sind insbesondere die Verhandlungen zwischen der Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien über ein mögliches Konsortium für Öllieferungen durch die Straße von Hormus. Im Grunde handelt es sich dabei um den Versuch, sich gegen einen Krieg im Persischen Golf abzusichern und die Krise in eine Einnahmequelle zu verwandeln.

Für die Türkei ist dies ein typisches Verhaltensmuster. Ankara hat sich schon mehrmals als "Friedensstifter" in fremde Krisen eingemischt und ist daraus als Nutznießer hervorgegangen. Ein typisches Beispiel: Nach Beginn der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine schloss sich die Türkei den westlichen Sanktionen nicht an, baute die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland aus, versuchte, als Vermittler aufzutreten, und profitierte gleichzeitig von der Lage des Landes als Umschlagplatz.

Die Türkei unter "Beschuss" von Norden und Süden

Doch heute versagt dieses Modell; die Türkei befindet sich zwischen zwei großen Konflikten – und wird selbst Teil eines großen Risikobogens. Der Krieg Israels und der USA gegen Iran hat den Raum vom Persischen Golf bis zur Levante in eine einzige Zone der Instabilität verwandelt, und von dort aus breitete sich die Schockwelle weiter aus – ins Rote Meer, in den Kaukasus und ins Schwarze Meer. S&P hat kürzlich die Prognose für die durchschnittliche Inflationsrate in der Türkei für das Jahr 2026 auf 28,9 Prozent angehoben, gerade wegen der energiepolitischen Folgen des Krieges, und der türkische Energieminister räumte ein: Jeder zusätzliche Dollar beim Ölpreis belastet die Energiekosten des Landes um etwa 400 Millionen Dollar.

Zuvor hatte der Krieg im Schwarzen Meer bereits begonnen, die türkischen Interessen direkt zu beeinträchtigen. Im November 2025 griff ein ukrainisches unbemanntes Boot den Tanker "Virat" etwa 35 Meilen vor der türkischen Küste im Schwarzen Meer an; im März 2026 traf eine Meeresdrohne den Tanker "Altura" in internationalen Gewässern, jedoch innerhalb der türkischen ausschließlichen Wirtschaftszone.

Auch die Infrastruktur, über die die Türkei ihre Rolle als "Kohlenwasserstoffbrücke" ausbaute, geriet ins Visier der Ukraine. Im März führten die ukrainischen Streitkräfte Angriffe auf Objekte durch, die mit der Gaspipeline "TurkStream" in Verbindung standen. Und obwohl es nicht um die Sprengung der Unterwasserpipelines selbst ging, sondern um Angriffe auf die Infrastruktur an Land, ist die Botschaft klar:

Wenn die Wartungsknotenpunkte zum Ziel werden, wird der gesamte Transit anfällig.

Es überrascht nicht, dass Erdoğan nun gegenüber dem Anführer des Kiewer Regimes, Wladimir Selenskij, von der "Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der sicheren Schifffahrt und der energetischen Stabilität im Schwarzen Meer" spricht. Und insgesamt hat die Türkei ihre friedensstiftenden Bemühungen in letzter Zeit deutlich verstärkt. So heißt es in einer jüngsten Erklärung Erdoğans, dass der Konflikt mit Iran vor dem Hintergrund der russisch-ukrainischen Krise nicht zur Entstehung neuer Spannungsherde führen dürfe.

Im Süden sind die Risiken nicht mehr hypothetisch, sondern unmittelbar. Am 30. März meldete die Türkei den vierten Vorfall, bei dem eine ballistische Rakete aus Iran in ihren Luftraum eindrang und von NATO-Kräften abgeschossen wurde. Gleichzeitig versucht Ankara, Nachrichten zwischen Teheran und Washington zu übermitteln, und drängt auf ein Ende des Krieges.

Das Problem ist jedoch, dass sich der aktuelle Konflikt nach einer weitaus härteren Logik entwickelt als jene, bei denen frühere türkische Vermittlungsversuche erfolgreich waren.

Während 2022 zwischen Moskau und Kiew noch Raum für technische Vereinbarungen bestand, werden die Ziele des Krieges gegen Iran heute von den amerikanischen und israelischen Akteuren selbst weit gefasst formuliert – von der Entmachtung Teherans bis hin zu einer radikalen Veränderung der gesamten Architektur des regionalen Kräftegleichgewichts. Für die Türkei bedeutet all dies nicht nur steigende Energiepreise, sondern auch das Verschwinden des Luxus, auf "begrenzte Krisen" zu setzen, sowie eine starke Einschränkung des Spielraums für das übliche türkische Mehrschritt-Manöver.

Daraus ergibt sich die wichtigste Schlussfolgerung zum Konsortium. Es kann als vorübergehender Koordinationsmechanismus zwischen der Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien dienen, als Signal an die Märkte und als Mittel, um ein Modell für die Erzielung von Einnahmen aus dem Transitverkehr nach dem Krieg vorzubereiten. Als wirksames Mittel zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit ist es jedoch ohne die Beteiligung Irans nutzlos. Einfacher ausgedrückt: Sich ohne Teheran über die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu einigen, ist genauso sinnlos, wie die Verkehrsregeln für eine gesperrte Brücke zu besprechen, ohne sich mit demjenigen abzusprechen, der die Schranke geschlossen hält.

Drei Weggabelungen für die Türkei

Unter den gegenwärtigen Umständen zeichnen sich für die Türkei drei mögliche Szenarien ab. Das erste Szenario tritt ein, wenn Washington den Konflikt gewinnt und seine führende Rolle im Nahen Osten behält, während Iran – unter dem Druck des Krieges, der Sanktionen und innerer Verluste – einer zurückhaltenderen Außenpolitik zustimmt. In diesem Fall wird es für die Türkei vor allem darum gehen, Washington zu beweisen, inwiefern sie für die USA von Nutzen sein kann. Es ist nicht sicher, dass dies gelingen wird: Sollte Teheran nachgeben, wird Washington die Hilfe Ankaras bei der Sicherung des Öltransports durch die Straße von Hormus nicht benötigen. Auch die NATO-Infrastruktur dürfte Trump höchstwahrscheinlich nicht sonderlich beunruhigen.

Eine mögliche Variante wäre die Umwandlung der amerikanischen Stützpunkte von NATO-Einrichtungen in ein Format der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Ankara und Washington. Der Vorteil eines solchen Szenarios für die Türkei wäre eine relative Vorhersehbarkeit der Zukunft (obwohl man bei Trumps Impulsivität kaum von Vorhersehbarkeit sprechen kann). Der Nachteil: Washington wird in diesem Modell weniger Toleranz für türkische Eigenmächtigkeit zeigen und Loyalität strenger einfordern. Doch die Wahrscheinlichkeit eines amerikanischen Sieges im Krieg gegen Iran nähert sich mit der Zeit immer mehr der Null.

Das zweite Szenario ist für die Türkei weitaus gefährlicher. Sollte der Krieg gegen Iran nicht mit der Schaffung einer neuen Sicherheitsarchitektur in der Region enden, sondern sich weiter ausbreiten – auf die Levante, den Irak, den Norden Syriens und den Persischen Golf –, wird Ankara fast zwangsläufig mit einer Verstärkung des kurdischen Faktors und dem Risiko einer direkten Konfrontation mit Israel konfrontiert sein. Und in einem solchen Fall würden sich proamerikanische Gruppierungen in Syrien unweigerlich gegen die Türkei stellen. Dieses Szenario birgt für die Türkei kritische Gefahren:

Krieg an den Grenzen, Flüchtlinge, Angriffe auf den Transitverkehr, steigende Energiepreise und die Gefahr einer Überlastung der Armee, die gezwungen wäre, an mehreren Fronten gleichzeitig zu agieren.

In einer solchen Situation wäre zumindest die politische Unterstützung Ägyptens als größter sunnitisch-arabischer Staat für die Türkei tatsächlich von entscheidender Bedeutung. Doch es gibt keine Garantien:

Die Beziehungen zwischen Kairo und Ankara sind nach 2013 gerade wegen des Sturzes des von Erdoğan unterstützten Präsidenten Mursi von den "Muslimbrüdern" zerbrochen, und obwohl die Seiten 2023–2024 ihre Botschafter wieder eingesetzt und eine neue Phase der Zusammenarbeit begonnen haben, ist die ägyptische Abneigung gegen diese Linie keineswegs verschwunden.

Eine dritte Option, die Erdoğan noch zur Verfügung steht, besteht darin, zu versuchen, einen dichteren nördlichen Sicherheitsgürtel unter Beteiligung Russlands, Aserbaidschans und Irans und im Idealfall auch eines Teils des post-syrischen Raums aufzubauen. Für die Türkei wäre dies ein Szenario strategischer Autonomie: die Möglichkeit, die Abhängigkeit von Washington zu verringern, den Kaukasus zu stabilisieren, den Transit über das Schwarze Meer abzusichern, die kaspischen und russischen Routen miteinander zu verknüpfen und gleichzeitig das Risiko eines kurdischen Bogens entlang ihrer Grenzen zu verringern. Doch diese Option ist an eine strenge Bedingung geknüpft: Iran muss als Staat bestehen bleiben und seine Verhandlungsfähigkeit bewahren.

Die Vorteile dieses Szenarios für Ankara sind maximale Handlungsfreiheit und die Chance, sich die Rolle als Zentrum einer neuen eurasischen Verbindung zu sichern. Die Nachteile sind eine drastische Verschlechterung der Beziehungen zu den USA und einem Teil der NATO sowie eine mögliche Abkühlung der Beziehungen zu Saudi-Arabien und einer Reihe von Ländern am Persischen Golf. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist viel höher, als es den Anschein hat, denn die Türkei, Russland und Aserbaidschan haben bereits ein praktisches Interesse daran, den Transit aufrechtzuerhalten und eine Ausweitung des Krieges zu verhindern.

Was bedeutet die Entscheidung der Türkei aus Sicht der russischen Interessen?

Für Russland ist der nördliche Sicherheitsgürtel der Türkei nicht als schönes eurasisches Schlagwort wichtig, sondern als Chance, nicht gleich den gesamten südlichen Perimeter zu verlieren. Nach der Einstellung des ukrainischen Transits im Januar 2025 blieb die Türkei die einzige Route für russisches Pipelinegas nach Europa, und im März 2026 stiegen die Lieferungen über die "TurkStream"-Pipeline im Jahresvergleich um 22 Prozent. Mit anderen Worten: Die türkische Route ist für Moskau das letzte verbliebene Gasfenster zum europäischen Markt. Sollte die Türkei in einen großen Krieg im Süden hineingezogen werden und der Südkaukasus sowie das Kaspische Meer in eine Phase der Destabilisierung geraten, wird auch dieses Fenster unter Druck geraten.

Die zweite Bedeutung für Russland liegt im Transportwesen. Die Eisenbahnstrecke Rascht–Astara und der gesamte Nord-Süd-Korridor werden von Moskau seit Langem als eine Route betrachtet, die Russland, Aserbaidschan, Iran und Indien verbinden und teilweise mit dem Suezkanal konkurrieren könnte. Sollte Iran als zusammenhängender Staat zerstört werden und der Südkaukasus unter fremde Verwaltung geraten, würde dieses Projekt seinen Sinn verlieren. Für Moskau würde dies nicht nur eine geopolitische Niederlage bedeuten, sondern auch einen Schlag gegen eine der wenigen verbleibenden Strategien zur Umgehung des westlichen Drucks.

Die dritte Bedeutung ist militärisch-politischer Natur. In den letzten Monaten haben die USA ihre Position im Südkaukasus deutlich gestärkt. Für Russland bedeutet dies einen direkten Wettbewerb um einen Raum, den es jahrzehntelang als seine natürliche Einflusszone betrachtete. Ein nördlicher Gürtel unter Beteiligung der Türkei, Aserbaidschans und Irans wäre für Moskau ein Mittel, diese Entwicklung aufzuhalten.

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Unter dem Strich ist das derzeitige Konsortium zur Straße von Hormus für die Türkei keine Lösung, sondern ein Test. Früher war es Erdoğan fast immer gelungen, sich als Erster in eine neue regionale Konstellation einzufügen und eine fremde Krise in eine eigene Ressource zu verwandeln. Jetzt ist die Aufgabe schwieriger: Die Türkei steht nicht mehr abseits des großen Spiels, sondern liegt selbst an vorderster Front – zwischen der Straße von Hormus und dem Schwarzen Meer.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. April 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung Wsgljad erschienen.

Dmitri Skworzow ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.

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