Von Sergei Sawtschuk
Washington gelingt es bislang, die Weltmärkte zu hypnotisieren und einen Anstieg der Ölpreise über die psychologische Marke von 150 Dollar pro Barrel hinaus zu verhindern, doch die Folgen zeigen sich bereits an den ungewöhnlichsten Orten und in den seltsamsten Formen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über eine gänzlich unerwartete Entwicklung: Chinesische Unternehmen verzeichneten im März Rekordumsätze mit Flüssigerdgas. Allerdings nicht mit eigenem, sondern mit zuvor in anderen Ländern, vor allem in Australien und Russland, eingekauftem.
Nach Angaben des internationalen Analyseunternehmens "Kpler" hat China im vergangenen Monat zehn LNG-Lieferungen gekauft, von denen acht sofort weiterverkauft wurden. Dies ist ein absoluter Rekord seit Beginn der statistischen Erfassung, wobei die chinesischen Händler das Gas zwei- bis dreimal teurer verkauften, als sie es gekauft hatten. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn neunzehn solcher Geschäfte mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Millionen Tonnen (1,8 Milliarden Kubikmeter) getätigt. Den Löwenanteil, nämlich zehn Tankerladungen, hat Südkorea aufgekauft, fünf gingen an Thailand, und der Rest verteilte sich auf Japan, Indien und die Philippinen.
"Kpler", das seit mehreren Jahrzehnten sorgfältig Statistiken zum Handel mit Energieressourcen erhebt, hat berechnet, dass im vergangenen Jahr fast halb so viel LNG nach einem ähnlichen Schema weiterverkauft wurde. Stand Anfang April schätzt die amerikanische Fachplattform "S&P Global Platts" den Wert einer Tonne LNG nach JKM-Spotverträgen (Japan, Korea, Taiwan und China) auf 500 bis 600 US-Dollar. Das heißt, der Grundpreis für das von chinesischen Unternehmen importierte Flüssiggas lag bei etwa sechseinhalb Milliarden US-Dollar, während sie es für mindestens zwölf, wenn nicht sogar fünfzehn Milliarden weiterverkauften.
Kein schlechter Umsatz für die kurze Zeitspanne, das steht fest.
Da der Krieg in einer Region mit der größten Ölförderung geführt wird, richtet sich das Augenmerk der Berichterstattung vor allem auf das schwarze Gold, während Erdgas nur als Begleitfaktor erwähnt wird. Dabei ist der LNG-Markt der am schnellsten wachsende Bereich der weltweiten Energiewirtschaft. Es wird erwartet, dass die weltweiten Verkäufe von Flüssiggas bis zum Ende dieses Jahres um sieben Prozent steigen werden und das Volumen des Weltmarktes bis 2032 einen Wert von 227 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Blickt man noch weiter in die Zukunft, so wird der LNG-Markt ausgehend vom aktuellen Jahresumsatz von 422 Millionen Tonnen bis 2040 um sechzig Prozent wachsen und im folgenden Jahrzehnt um denselben Prozentsatz weiter zunehmen.
Übrigens eine interessante, aber kaum beachtete Tatsache: Als diese Prognose erstellt wurde, wurden China, Indien und die Staaten Südostasiens als Hauptabnehmer der Rohstoffe genannt. Ihr Bedarf sollte angesichts des gleichzeitigen Marktwachstums von den beiden größten Treiberländern, nämlich Katar und den Vereinigten Staaten, gedeckt werden.
Vor ein paar Tagen erklärte der Chef von "Qatar Gas", dass das Unternehmen durch die iranischen Raketenangriffe bereits Verluste in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar erlitten habe und die LNG-Produktion künftig, insbesondere wenn der Krieg in gleichem Tempo weitergeht, um 13 Millionen Tonnen pro Jahr zurückgehen werde, was 17 Prozent der gesamten staatlichen Exporte entspricht. Das Unternehmen bereitet sich darauf vor, für die Fünfjahresverträge mit Italien, Belgien und Südkorea höhere Gewalt geltend zu machen. Auch wenn Katar also nicht aus der Liste der treibenden Kräfte gestrichen wurde, ist sein Potenzial doch erheblich geschwächt, und es ist noch unklar, wie schnell und in welchem Umfang es sich wiederherstellen lässt.
Die Vereinigten Staaten hingegen haben hier alles im Griff. Während iranische Raketen die Infrastruktur der mit den USA verbündeten Nachbarländer am Persischen Golf zerstörten, wurde in den USA selbst feierlich die erste Phase der Golden-Pass-LNG-Anlage in Texas in Betrieb genommen. Insgesamt sollen im Rahmen des Projekts drei Phasen in Betrieb genommen werden, was voraussichtlich einen Nettogewinn von 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr bringen wird. Der Fairness halber muss angemerkt werden, dass Golden Pass LNG ein Joint Venture ist und die Katarer hier die Mehrheitsanteile halten. Doch Katar befindet sich derzeit in einer schwierigen Lage und wird daher im Spiel auf amerikanischem Terrain und mit lokalen Rohstoffen gezwungen sein, aufmerksam auf die Wünsche aus Washington zu hören.
Das heißt, neben den aktuellen Problemen mit dem Anstieg der Öl- und Benzinpreise schaffen die Vereinigten Staaten gleichzeitig die Voraussetzungen für eine noch stärkere Dominanz auf dem weltweiten LNG-Markt.
China hat die beschriebenen Tendenzen offensichtlich durchkalkuliert und im Rahmen der anhaltenden geopolitischen Konfrontation einen asymmetrischen Schachzug unternommen. Es wäre töricht, den massiven Weiterverkauf von LNG nur in Geld zu messen. Durch die Blockade der Straße von Hormus und den Wegfall von Öl und Gas aus den regionalen Monarchien entstand ein Defizit, das nicht nur einen Preisanstieg, sondern auch eine Umstrukturierung der Logistikketten sowie eine Veränderung der Akteurslandschaft zur Folge hatte.
Einfacher gesagt: An die Stelle der verschwundenen Lieferanten sind andere getreten, und nun etablieren sie sich in Nischen, die ihnen bisher verschlossen waren. Bezeichnenderweise zahlen ihnen dankbare Käufer dafür sogar den doppelten Preis. Genau aus diesem Grund hat Russland übrigens nie die Option in Betracht gezogen, sich zurückzuziehen und die Auslandsmärkte zu verlassen: Einmal ausgestiegen, wäre die Rückkehr viel schwieriger, und angesichts all der Sanktionen, die gegen unsere Öl- und Gasindustrie verhängt wurden, praktisch unmöglich.
China hingegen tritt als Wohltäter auf. Ja, LNG wird mit einem wahnsinnigen Aufschlag verkauft, aber wir haben damit nichts zu tun, alle Fragen sind an das Weiße Haus zu richten. Peking kann sich eine solche Großzügigkeit leisten, da es im Laufe des letzten Jahrzehnts in rasantem Tempo kolossale Erzeugungskapazitäten aufgebaut hat, einschließlich traditioneller Energiequellen wie Kohle. Dadurch verringert sich seine Abhängigkeit von Importen aus unfreundlichen Ländern, und der Bedarf wird durch Einkäufe bei zuverlässigen Lieferanten gedeckt. Zum Beispiel in Russland, mit dem China nicht nur durch partnerschaftliche Beziehungen verbunden ist, sondern auch durch die stählernen Leitungen der Öl- und Gaspipelines, die vor plötzlichen Überfällen der Demokratie geschützt sind.
Während die USA Iran in ihren Pressemitteilungen besiegen, zieht China die Staaten Südostasiens unter seinen Schutzschirm. Dieser Schutzschirm ist ressourcenreich und verdoppelt den Zuwachs an Goldmünzen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Originalartikel ist am 3.4.2026 auf ria.ru erschienen.
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