Die Rede von US-Außenminister Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz am 14. Februar 2026 unterschied sich erheblich davon, was US-Vizepräsident J.D. Vance ein Jahr zuvor bei derselben Konferenz gesagt hatte.
Die Rede von Vance im vergangenen Jahr stellte im Wesentlichen einen Triumph der "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA) dar – einer Ideologie, unter deren Banner Donald Trump an die Macht kam und erneut die Präsidentschaftswahlen gewann. Der US-Vizepräsident legte den Europäern (von denen die meisten Globalisten waren) den neuen Kurs Washingtons zur Stärkung der Vereinigten Staaten als vollständig souveränen Pol in einem multipolaren Weltkontext sowie das Ende des Zeitalters des Globalismus dar. Vance machte keinen Hehl aus seiner Verachtung gegenüber den Europäern und kritisierte scharf ihre linksliberale Ideologie. Dass seine Rede keine hysterischen russophoben Mantras und Schimpftiraden beinhaltete, wurde von der pro-globalistischen Elite in Europa fast schon als "pro-russische Haltung" aufgefasst. Es entstand der Eindruck, dass der "Atlantismus" zusammengebrochen sei und sich der kollektive Westen in zwei unabhängige Systeme aufgeteilt habe: den US-amerikanischen Nationalismus ("America First") und den Überrest des gescheiterten Globalismus, verkörpert durch die EU.
Diesmal trat in München US-Außenminister Marco Rubio auf – und seine Rede reflektierte diejenigen Veränderungen, welchen die Politik der US-Regierung in der vergangenen Zeit unterzogen wurde. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass Rubio selbst ein Neokonservativer ist, der sich für die Stärkung der atlantischen Solidarität, die Fortsetzung und sogar Verschärfung der hegemonialen Politik in Lateinamerika (Rubio war es, der die Invasion in Venezuela, den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro sowie die Intervention und den Regimewechsel in Kuba vorantrieb) und für eine Verschärfung der Konfrontation mit Russland einsetzt. Aber gleichzeitig versucht Marco Rubio, mit der konservativen Rhetorik Trumps Schritt zu halten und kritisiert (wenn auch viel milder als MAGA und insbesondere Vance) die linksliberale Agenda.
Zunächst beruhigte Rubio die EU-Führer, dass die atlantische Solidarität erhalten bleiben werde. Seinen Worten zufolge "sollte in einer Zeit, in der Schlagzeilen das Ende der transatlantischen Ära proklamieren, allen klar sein, dass dies weder unser Ziel noch unser Wunsch ist – denn obwohl das Zuhause der Amerikaner in der westlichen Hemisphäre liegt, werden wir immer ein Kind Europas bleiben." Und er fuhr fort:
"Europa und die USA gehören zusammen."
Die transatlantische Ära bleibt also fortbestehen. Dabei betonte Rubio in klassischer neokonservativer Manier insbesondere den strategischen Aspekt Europas. So sagte er:
"Wir wollen, dass Europa stark ist. [...] Unser Schicksal war schon immer mit Ihrem verflochten und wird es auch weiterhin bleiben. Denn das Schicksal Europas wird uns immer am Herzen liegen."
Der US-Außenminister versicherte außerdem, dass die NATO nichts zu befürchten habe.
"Wir möchten uns nicht von Europa trennen, sondern vielmehr das Bündnis wiederbeleben."
Rubio äußerte sich kritisch gegenüber dem linksliberalen Wertesystem. Dabei ging er eher auf die falschen Hoffnungen der liberalen Demokraten ein, auf ihre Selbstgefälligkeit und ihr Vertrauen in die garantierte Weltherrschaft nach dem Zusammenbruch der UdSSR. So sagte Rubio:
"Die euphorische Stimmung nach diesem Sieg führte uns zu der gefährlichen Fehleinschätzung, dass nun jede Nation eine liberale Demokratie werden würde, dass die ausschließlich durch Handel und Geschäftstätigkeit entstandenen Verbindungen die nationale Identität ersetzen würden, dass eine auf Regeln basierende globale Ordnung nationale Interessen verdrängen würde und dass wir in einer Welt ohne Grenzen leben würden, in der jeder ein Weltbürger wäre. [...] Die Idee, in einer grenzenlosen Welt zu leben, war eine dumme Idee."
Obwohl Rubio Russland in seiner Rede nicht direkt erwähnte, äußerte er sich am Rande seines Besuchs besorgt über die "Schrecken des Krieges" und erklärte, dass man nicht wisse, ob die Russen es mit der Beendigung des Krieges ernst meinten, und dass man dies weiterhin überprüfen werde. Er versicherte außerdem, dass die USA weiterhin Druck auf Russland ausüben würden, sowohl durch Wirtschaftssanktionen als auch durch Waffenlieferungen an Europa, die letztendlich in die Ukraine gelangen würden. In dieser Frage stellte sich Rubio eher auf die Seite des Alten Welt:
"Wir und Europa werden weiterhin Maßnahmen ergreifen, um Druck auf Russland auszuüben, damit es sich an den Verhandlungstisch setzt."
Rubio verzichtete jedoch auf die Teilnahme an dem Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs mit Selenskij zur Ukraine-Frage, das am Rande dieser Konferenz stattfand, und begab sich stattdessen zu einem Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán – und allein dies löste Kritik seitens der europäischen Globalisten aus, für die ein solches Verhalten eine "Provokation" darstellte.
Rubio beendete seine Rede bei der Konferenz mit einer optimistischen Bemerkung: Er wies darauf hin, dass Donald Trump als "neuer Sheriff" gar nicht so beängstigend sei, wie man ihn darstelle, und dass sich seine internationale Agenda in Wirklichkeit nicht wesentlich von den Plänen der Globalisten unterscheide, auch wenn sie in einer besonderen, extravaganten "Verpackung" daherkomme. Und allein der Umstand, dass der Neokonservative und Globalist Rubio auf dieser Konferenz anwesend war, sollte diese These untermauern. Er schloss mit den Worten:
"Die USA ebnen den Weg für ein neues Zeitalter des Wohlstands, und wir möchten dies gemeinsam mit Ihnen, unseren geschätzten Verbündeten und langjährigen Freunden, erreichen."
Lässt man aber die Emotionen einmal beiseite, so deutet der Besuch von US-Außenminister Marco Rubio in Europa anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz auf eine wesentliche Veränderung in der Politik der US-Regierung im Vergleich zum Vorjahr hin. Laut der neuen US-Sicherheitsstrategie sollten sich die USA nun auf die "westliche Hemisphäre" fokussieren, was als Rückgriff auf die Monroe-Doktrin (Amerika für Amerikaner) und als Bruch mit der Alten Welt interpretiert wurde. Rubio stellte jedoch klar, dass dies nicht der Fall sei und alle atlantischen Strukturen erhalten blieben.
Man kann also mit gewisser Sicherheit feststellen, dass sich die Politik der USA im letzten Jahr weit von den revolutionären MAGA-Projekten entfernt hat und sich nun einer radikalen Version der Neokonservativen und atlantischen Realisten annähert.
Vor dem Hintergrund der von Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit vertretenen Positionen bestanden für Russland und die Vereinigten Staaten vielversprechende Perspektiven, sich über neue Grundlagen der Weltordnung zu einigen. Denn sowohl wir als auch Vance, Trump selbst und Rubio teilen die Ansicht, dass die alte liberale, globalistische und auf "Regeln" basierende Weltordnung nicht mehr existiert. Insbesondere hätten wir nichts gegen eine Stärkung der USA in der westlichen Hemisphäre einzuwenden, wobei Wladimir Putin in Anchorage die Gelegenheit hatte, seine globale Vision mit dem US-Präsidenten zu erörtern. Die Ukraine-Frage wäre damit zwar kaum gelöst worden, aber Washington hätte sich durchaus aus diesem Konflikt zurückziehen und sich auf seine eigenen Probleme konzentrieren können. Eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und der EU würde uns eher in die Hände spielen. Auch die Rückkehr der USA zu traditionellen Werten entspricht unserer eigenen patriotischen und konservativen Ideologie. Mit der MAGA-Bewegung hätten wir also alle Chancen gehabt, eine gemeinsame Sprache zu finden.
Doch ab einem gewissen Zeitpunkt rückte Trump selbst in seiner Politik von den Ideen der MAGA-Bewegung ab und näherte sich den Neokonservativen an. Gleichzeitig gewann die Rolle von Marco Rubio in diesem politischen System an Bedeutung. Die Verhandlungen über die Ukraine, die ohnehin problematisch und sogar zweideutig waren, gerieten allmählich fast in eine Sackgasse.
Und das Wichtigste ist dabei, dass dies nicht nur die Beziehungen zwischen den USA und Russland betrifft. Die US-Regierung greift in allen anderen Bereichen auf neokonservative Strategien zurück (im Grunde genommen geht es um den Versuch, die westliche Hegemonie und die unipolare Welt zu retten): Man übt Druck auf die BRICS-Staaten aus, greift Iran an, entführt Maduro und erhöht den Sanktionsdruck auf Russland. Und jetzt verkündet Marco Rubio bei der Münchner Konferenz ein Programm des neuen "Atlantismus" – zwar weniger liberal und mehr realistisch, aber immerhin. Es handelt sich immer noch um die gleiche unipolare Welt – und keineswegs um eine neue Weltordnung der Großmächte.
Die Zivilisationswege Russlands und des Westens trennen sich immer weiter voneinander (obwohl dieser Prozess schon vor vielen Jahrhunderten begann). Und dafür müssen wir uns bereit halten.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. Februar 2026 zuerst bei "RIA Nowosti" erschienen.
Mehr zum Thema – Kreml: Russland offen für Gespräche über "externe Regierung" der Ukraine