Ein jährliches Treffen hochrangiger internationaler Sicherheitspolitiker, das im vergangenen Jahr den Ton für eine wachsende Kluft zwischen den USA und Europa angab, beginnt am Freitag.
Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) wird mit einer Rede des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz eröffnet. Er ist einer von 15 Staats- und Regierungschefs aus den Ländern der Europäischen Union, deren Teilnahme die Organisatoren erwarten.
Russland entsendet keine Delegation, und das Forum zog die Einladungen an iranische Vertreter nach den jüngsten Protesten im Land zurück.
Merz wird in seiner Rede voraussichtlich die transatlantischen Beziehungen betonen und gleichzeitig die Notwendigkeit einer stärkeren Europäischen Union hervorheben, erklärte ein Beamter der deutschen Regierung Anfang dieser Woche.
Zu den weiteren erwarteten Gästen der bis Sonntag dauernden Konferenz gehören der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij und Chinas Außenminister Wang Yi. Der Tradition der Konferenz entsprechend wird auch eine große Delegation von Mitgliedern des US-Kongresses anwesend sein.
Im Mittelpunkt steht die Sorge im Westen, dass das transatlantische Bündnis – vor allem die NATO-Partnerschaft – unter der neuen US-Regierung von Präsident Donald Trump einer starken Belastung ausgesetzt ist. Ein Jahr zuvor hatte US-Vizepräsident J.D. Vance die europäischen Verbündeten bei der MSC 2025 offen kritisiert.
Die Rede von Vance auf der Konferenz im vergangenen Jahr, in der er den europäischen Staats- und Regierungschefs vorwarf, die freie Meinungsäußerung zu zensieren und die Einwanderung nicht unter Kontrolle zu bringen, gilt als Beginn einer neuen, konfrontativen Phase der Beziehungen.
Da in diesem Jahr Rubio die US-Delegation anführt, dürften die europäischen Staats- und Regierungschefs auf ein weniger konfrontatives Vorgehen hoffen, das sich stärker auf klassische globale Sicherheitsfragen konzentriert. Die große Frage bleibt trotzdem: Wird er an die Rede von Vance aus dem Vorjahr anknüpfen oder nach der Grönland-Krise doch ein Stück auf die Verbündeten in Europa zugehen? Die Europäer erhoffen sich ein Bekenntnis zur NATO und möglichst auch eine klare Ansage zum Verbleib von US-Truppen und Atomwaffen in Europa.
Trumps Politik – darunter Zolldrohungen, militärische Drohungen gegenüber Lateinamerika und sogar Vorstöße zur Annexion Grönlands – hat das Vertrauen in die USA bei vielen europäischen Partnern erschüttert.
"Am Ende geht es um Vertrauen: Vertrauen wir einander als Partner, und kann dieses fehlende Vertrauen wiederhergestellt werden?", sagte Claudia Major, Senior Vice President beim German Marshall Fund in Berlin. "Insbesondere Grönland war für die Europäer eine grundlegende Zäsur. Dass ein NATO-Verbündeter einem anderen NATO-Verbündeten droht, hat das europäische Vertrauen in die transatlantische Beziehung zutiefst erschüttert."
Das transatlantische Bündnis ist ins Wanken geraten, und die von internationalen Regeln sowie westlichen Interessen geprägte Weltordnung droht zunehmend von einer multipolaren Ordnung und der machtpolitischen Konkurrenz der Großmächte verdrängt zu werden. Der Westen befindet sich in einer Krise – und viele Staaten des Globalen Südens sehen darin eine große Chance, ihren Platz in einer neuen, gerechteren Weltordnung zu behaupten und neu zu definieren.
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