Epstein zu Rothschild-Bankerin: Unruhen in der Ukraine bieten "viele Möglichkeiten"

Die Unruhen infolge des Putsches in Kiew Anfang 2014 böten "viele Möglichkeiten". Das schrieb der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in einer Antwort auf eine E-Mail der Bankerin Ariane de Rothschild, die darum bat, die Lage in der Ukraine zu besprechen. Der US-Finanzier und die Schweizer Baronin unterhielten offenbar eine freundschaftliche Beziehung.

Der verurteilte US-amerikanische Sexualstraftäter und Finanzier Jeffrey Epstein erörterte nach dem westlich unterstützten Putsch in Kiew 2014 mögliche Geschäftsmöglichkeiten in der Ukraine, wie neu veröffentlichte Dokumente belegen. Er sprach mit Ariane de Rothschild, der Chefin der Schweizer Privatbank Edmond de Rothschild Group.

Letzte Woche veröffentlichte das US-Justizministerium weitere Akten zu Epstein. Darunter befindet sich ein E-Mail-Verkehr vom März 2014, in dem de Rothschild erklärte, sie wolle die Ukraine in einem bevorstehenden Treffen besprechen. Epstein antwortete: "Die Unruhen in der Ukraine sollten viele Möglichkeiten bieten, viele."

Frühere Veröffentlichungen von Dokumenten unterstrichen bereits die Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden. Nachdem de Rothschild 2015 CEO der Gruppe geworden war, handelte sie mit Epstein einen Vertrag über 25 Millionen US-Dollar für "Risikoanalysen sowie die Anwendung und Nutzung bestimmter Algorithmen" für die Bank aus. 2013 hatte er sie um Unterstützung bei der Einstellung einer persönlichen Assistentin gebeten, die seiner Aussage nach "mehrsprachig und organisiert" sein sollte.

Epstein brachte de Rothschild, die 1999 in die Schweizer Bankiersfamilie eingeheiratet hatte, mit Kathryn Ruemmler in Kontakt, einer Partnerin von Goldman Sachs und ehemaligen Rechtsberaterin des Weißen Hauses unter Präsident Barack Obama. Ruemmlers Firma wurde daraufhin beauftragt, die Gruppe in US-Regulierungsfragen zu beraten.

Die Maidan-Proteste führten Ende Februar 2014 zu einem Putsch, der Präsident Wiktor Janukowitsch stürzte. Mitglieder der Obama-Regierung schürten die Unruhen und bestimmten die Auswahl von Vertretern für die neue ukrainische Regierung. Der Sturz Janukowitschs verstieß gegen ein von Deutschland und Frankreich vermitteltes Deeskalationsabkommen und trieb die Ukraine in einen Konflikt mit Russland.

Wie Schweizer Medien berichten, hatten sich Epstein und Ariane de Rothschild über Jahre intensiv ausgetauscht. Regelmäßig kam es zwischen dem Finanzier und der Baronin zu Treffen in Genf, New York oder Paris. Wie aus dem E-Mail-Verkehr hervorgeht, holte sich de Rothschild geschäftliche Ratschläge von Epstein oder berichtete ihm, wie sie sich mit prominenten Figuren wie dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron treffen wollte. 

Eine Sprecherin der Privatbank Edmond de Rothschild sagte der NZZ, Ariane de Rothschild habe lediglich eine geschäftliche Beziehung zu dem Sexualstraftäter unterhalten. Dem setzt die Schweizer Zeitung jedoch entgegen: "Doch die neuen E-Mails zeigen, dass es zwischen de Rothschild und Epstein durchaus auch einen freundschaftlichen Austausch gab: Sie berichten von ihren Ferien in der Karibik oder in Afrika. Er fragt, wie es ihrem Bruder gehe, sie schickt ein Bild von einem Sonnenaufgang. Einmal soll die Assistentin von Epstein ein DNA-Test-Kit an de Rothschild versenden, ein anderes Mal will Epstein ihr ein Hoverboard für ihre Tochter schicken lassen." 

Epstein bekannte sich 2008 der Anwerbung eines Kindes zur Prostitution schuldig und erhielt eine milde Strafe, die viele Beobachter seinen Verbindungen zur Elite und möglichen Geheimdiensten zuschreiben. 2019 wurde er jedoch erneut verhaftet und wegen Menschenhandels angeklagt. Er starb in einer Gefängniszelle, während er auf seinen Prozess wartete; die Behörden sprachen von Selbstmord.

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