Russland und die USA bereiten ein Treffen von Parlamentariern vor, bei dem unter anderem Venezuela und eine mögliche Zusammenarbeit im Ölsektor thematisiert werden sollen. Dies berichtet die Zeitung Iswestija unter Berufung auf Dmitri Nowikow, den ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der Staatsduma.
Konkrete Angaben zu Datum und Ort der Gespräche gibt es bislang nicht. Laut der US-Kongressabgeordneten Anna Paulina Luna könnten die Konsultationen jedoch in Washington stattfinden, eventuell noch vor Ende Januar. Mehrere Abgeordnete der Staatsduma hätten bereits entsprechende Einladungen erhalten. Die Zusammensetzung der russischen Delegation sei jedoch noch offen.
Laut Nowikow wird die Venezuela-Agenda zwangsläufig auch Fragen der Energiepolitik umfassen.
"Ich denke, dass es während des Treffens, falls es stattfindet, Fragen geben wird, auch im Zusammenhang mit der venezolanischen Richtung. Damit werden auch Themen rund um Öl aufkommen. Denn die Initiatoren der Zuspitzung der Lage um Venezuela – das derzeitige Team im Weißen Haus – verbergen kaum, dass das Öl eines ihrer Ziele ist. Deshalb ergeben sich diese Fragen ganz natürlich."
Neben Venezuela sollen bei den Gesprächen auch die Bedingungen einer möglichen Zusammenarbeit sowie die Beilegung der Ukraine-Krise erörtert werden. Laut Luna wird gerade dieses Thema eine zentrale Rolle spielen.
In der Staatsduma wird jedoch betont, dass vor einem solchen Treffen noch zahlreiche organisatorische Fragen zu klären seien. Dazu zählen Termine, der genaue Teilnehmerkreis sowie Sicherheitsgarantien für die russische Delegation. Zudem erwartet Moskau eine vorübergehende Aufhebung personenbezogener Sanktionen gegen die eingeladenen Abgeordneten, so Nowikow.
"Es gibt verschiedene Themen im Zusammenhang mit den Sanktionslisten des Westens, auch gegen meine Kollegen in der Staatsduma. Ohne Einigung über diese Punkte und ohne Garantien von amerikanischer Seite ist es schwer, diese Diskussionen abzuschließen."
Erschwert werde die Vorbereitung der Gespräche auch durch Unklarheiten über die inhaltliche Agenda.
"Wenn wir nicht sehen, dass dies zumindest zu einem sehr substanziellen Meinungsaustausch führen kann, der den Verlauf der Ereignisse beeinflusst, stellt sich die Frage nach dem Sinn einer solchen Reise."
Russland ist seit Jahren auf dem venezolanischen Energiemarkt präsent. In dem Land sind fünf gemeinsame Unternehmen tätig. Zudem ist Russland der größte Naphtha-Lieferant für Venezuela. Dieser Verdünner ist notwendig, um schwere Rohölsorten fördern und exportieren zu können. Darauf hatte zuvor Venezuelas Botschafter in Moskau, Jesús Rafael Salazar, hingewiesen.
Nach Angaben einer Quelle in der Staatsduma bestehen die Kontakte zur venezolanischen Seite trotz der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro weiterhin, und zwar sowohl auf parlamentarischer als auch auf diplomatischer Ebene. Eine Ausweitung der Zusammenarbeit dürfte jedoch schwieriger werden. Die USA streben danach, sämtliche Transportwege für Treibstoff zu kontrollieren. In dieser Lage könnte es für Russland notwendig werden, energiepolitische Fragen direkt mit Washington zu klären.
Experten bewerten die Perspektiven einer russisch-amerikanischen Zusammenarbeit im venezolanischen Ölsektor unterschiedlich. Einige halten gemeinsame Projekte in der Förderung für wenig wahrscheinlich. Andere schließen eine begrenzte Kooperation nicht aus, sofern der Dialog zwischen Moskau und Washington aufrechterhalten bleibt. Zugleich wird betont, dass die venezolanischen Projekte für Russland eher diplomatische als wirtschaftliche Bedeutung haben. Ein möglicher Rückzug vom Markt würde der russischen Wirtschaft nach Einschätzung von Analysten keinen schweren Schaden zufügen.
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