Nach Mobbingvorwürfen: Britischer Vizepremier Dominic Raab tritt zurück

Der britische Vizepremier und Justizminister Dominic Raab ist nach Mobbingvorwürfen zurückgetreten. Medienberichten zufolge sei Raab "manipulativ" und "aggressiv" gewesen und habe mit Tomaten geworfen. Letzteres weist er von sich.

Der britische Vizepremier und Justizminister Dominic Raab ist wegen Mobbingvorwürfen zurückgetreten. Er reagierte damit auf die Ergebnisse eines Untersuchungsberichts zu seinem Verhalten als Minister. Premierminister Rishi Sunak hatte die Untersuchung angeordnet, nachdem Vorwürfe früherer Mitarbeiter Raabs bekannt geworden waren. Raab hatte im November nach dem Bekanntwerden von Beschwerden gegen ihn selbst um eine Untersuchung gebeten.

In einem Schreiben teilte Raab am Freitag mit, dass er seine Posten niederlege. Er fühle sich verpflichtet, den Ausgang der Untersuchung zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu akzeptieren. Zugleich wies er die Mobbingvorwürfe weiterhin zurück. Der Bericht war am Donnerstag an Sunak überreicht worden, der Inhalt wurde aber zunächst nicht bekannt.

Aus einer Reihe von Vorwürfen seien nur zwei als berechtigt anerkannt worden, so Raab. Der Gutachter habe zudem festgestellt, "dass ich kein einziges Mal innerhalb von viereinhalb Jahren irgendjemanden beleidigt oder angeschrien, noch mit Gegenständen geworfen oder anderweitig körperlich eingeschüchtert oder absichtlich jemanden gedemütigt habe".

Welche Vorwürfe bestätigt wurden, teilte Raab nicht mit. Er halte die Entscheidung aber für fehlerhaft. Mobbing so niedrigschwellig zu definieren, schaffe zudem einen gefährlichen Präzedenzfall, schrieb er. Er entschuldige sich dennoch für "jeglichen unbeabsichtigten Stress oder Anstoß, den ich durch Tempo, Standards oder Herausforderungen in das Justizministerium gebracht habe", so der Ex-Minister weiter.

Die Sun hatte im November berichtet, der einstige Brexit-Unterhändler habe beispielsweise in einem Wutanfall Tomaten aus einem Salat quer durch den Raum geworfen. Ein Sprecher Raabs dementierte dies. Wie der Guardian berichtete, soll während Raabs erster Amtszeit als Justizminister von September 2021 bis September 2022 in dessen Ministerium ein "Klima der Angst" geherrscht haben. Der Ressortchef sei "manipulativ" und "aggressiv".

Für Premierminister Sunak kommt die Diskussion um Raab zur Unzeit. Im Mai stehen in Großbritannien Regionalwahlen an, die Tories befürchten hohe Verluste. Einer aktuellen Umfrage zufolge glauben 44 Prozent der Briten, dass Sunak von den Vorwürfen gegen Raab wusste, als er diesen in sein Kabinett holte.

Der Premier hatte bei seiner Partei-internen Wahl im Oktober unter anderem angekündigt, er wolle nach der von Skandalen geprägten Amtszeit seines Vorgängers Boris Johnson und dem kurzen Zwischenspiel von Liz Truss "Integrität, Professionalität und Verantwortung" in der Regierung wiederherstellen. Raab ist bereits das dritte hochrangige Regierungsmitglied unter Sunak, das wegen seines persönlichen Verhaltens zurückgetreten ist.

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