London: "Reporter ohne Grenzen" wird verabredeter Besuch von Julian Assange verwehrt

Vor dem Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh trafen Journalisten von "Reporter ohne Grenzen" die Ehefrau des seit 2019 inhaftierten WikiLeaks-Gründers Julian Assange. Stella Assange erklärte den Journalisten, dass es Assange von Tag zu Tag schlechter gehen würde. Den Journalisten wurden ein geplantes Treffen mit Assange verweigert.

Am Dienstagmorgen wurde Journalisten der Organisation "Reporter ohne Grenzen" ein geplantes Treffen mit Julian Assange in der Londoner Justizvollzugsanstalt Belmarsh verweigert.

Der heute 51-jährige Gründer der Enthüllungs-Plattform WikiLeaks ist nunmehr seit 2019 im Hochsicherheittrakt dieses Gefängnisses bis zu 20 Stunden am Tag in seiner Zelle eingesperrt. Es gibt seit Jahren ein juristisches Tauziehen über Assanges Auslieferung an die USA. Ihm drohen dort viele weitere Jahre der Inhaftierung. Über das Treffen der Reporter mit der Frau von Assange berichtete die Berliner Zeitung am Dienstag.

Es heißt in dem Zeitungsbericht, eigentlich hätten die Journalisten die Zusage für einen Besuch des Inhaftierten gehabt, um sich mit Julian Assange persönlich zu beraten und sich einen authentischen Eindruck von seinem Zustand zu verschaffen. Vor dem Gefängnis trafen die Reporter dessen Ehefrau Stella Assange. Sie habe mitgeteilt, dass es ihrem Mann gesundheitlich immer schlechter gehe:

"Sein körperlicher Zustand wird mit jedem Tag schlechter, denn das passiert eben, wenn man einen Menschen bis zu 20 Stunden am Tag einsperrt, Besuche einschränkt und auf grausame Weise mit seinem Wohlbefinden umgeht."

Die USA beschuldigen Assange, er habe "geheimes Material von Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen, veröffentlicht und das Leben von Journalisten in Gefahr gebracht". Stattdessen meinen weltweit unzählige Unterstützer, Assange sei ein mutiger Journalist, der US-Kriegsverbrechen bekannt gemacht habe, schrieb die Berliner Zeitung zu seinem Fall. Seit Jahren setzte sich die Organisation "Reporter ohne Grenzen" für die Freilassung des WikiLeaks-Aktivisten ein. Dabei wäre unabhängigen Beobachtern von der britischen Regierung systematisch der Zugang verwehrt worden.

"Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass an diesem Fall nichts normal ist", stellte der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, Christophe Deloire, vor dem Gefängnis fest.

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