NATO-Delegation in Albanien: Aufklärung eines mutmaßlichen iranischen Cyberangriffs

Die albanische Regierung brach Anfang September wegen einer iranischen Cyberattacke die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Nun hat die NATO eine hochrangige Delegation nach Albanien entsandt, um dem Land bei der Bewältigung der Folgen des jüngsten Cyberangriffs zu helfen. Albanien ist Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO.

Die albanische Regierung brach Anfang September wegen einer iranischen Cyberattacke die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Ein schwerer Cyberangriff, der das Land Mitte Juli traf, hatte die zentrale staatliche IT-Infrastruktur erheblich beeinträchtigt.

Die NATO hat am Mittwoch eine hochrangige Delegation nach Albanien entsandt, um dem Land auf dem Balkan bei der Bewältigung der Folgen der jüngsten Cyberattacke zu helfen. Die Regierung in Tirana macht Iran auch für diesen Angriff verantwortlich.

Nach Angaben der NATO leitet James Appathurai, der stellvertretende Generalsekretär des Bündnisses, ein Expertenteam, das dem Mitgliedsland "politische und praktische Unterstützung" anbieten und den Beamten der albanischen Verteidigungs- und anderer Sicherheitsinstitutionen zu verstehen geben soll, dass sie den Angriff nicht allein bewältigen müssen.

Albanien hatte sich vor kurzem externe Unterstützung bei Microsoft geholt. Das IT-Unternehmen half daraufhin bei der Wiederherstellung der Systeme und der Analyse des iranischen Cyberangriffs.

Microsoft kam zu dem Schluss, dass zwei iranische Gruppen, die von der Regierung in Teheran gefördert werden, hinter dem Angriff und einer anschließenden Veröffentlichung von Daten standen.

Nachdem die albanische Regierung die in Tirana stationierten Mitarbeiter der iranischen Botschaft ausgewiesen hatte, wurde ein Informationssystem, das die Ein- und Ausreise an der Grenze aufzeichnet, von derselben iranischen Hackergruppe angegriffen. Diese neue Attacke führte nach Angaben der albanischen Behörden zu Schwierigkeiten und Verzögerungen für Reisende. Verteidigungsminister Niko Peleshi sagte, sein Ministerium und die albanische Armee seien nicht betroffen, "weil sie vom allgemeinen Kommunikationsnetz getrennt sind."

Tirana und Teheran haben seit Jahren ein belastetes Verhältnis. Dies hängt insbesondere mit dem Aufenthaltsrecht zusammen, das schätzungsweise 3.000 Angehörige der Volksmudschahedin (MEK) in Albanien genießen. Die militante iranische "Oppositionsgruppe", die bereits gegen den Schah von Persien kämpfte, strebt den Sturz der Islamischen Republik an. In Iran werden die Volksmudschahedin für eine beispiellose Terrorwelle verantwortlich gemacht, der schon Führungsmitglieder der Islamischen Republik, aber auch unzählige Zivilisten zum Opfer fielen. Seit 2013 residieren die Volksmudschahedin in Albanien, in einem hermetisch abgeriegelten Camp in der Nähe von Tirana. Vom 10. August 1997 bis zum 28. September 2012 standen die Volksmudschahedin auf der Liste der ausländischen Terrororganisationen des US-Außenministeriums.

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