"König unwirsch" – Charles erntet Spott, doch Angestellte haben wenig zu lachen

Sie können eine Zumutung sein – Hausangestellte, die einfach nicht erahnen, dass ein Tintenfass aus dem Weg zu stellen ist. So oder so müssen nicht wenige der Mitarbeiter von Charles bald ihren Hut nehmen, wie sie während der Gedenkfeiern erfuhren.

In sozialen Netzwerken werfen einige Nutzer bereits die Frage auf, ob der Nachfolger von Königin Elizabeth schon nach weniger als einer Woche im Amt ausgebrannt sei. Der TV-Kritiker Toby Earle twitterte: "Am Montag hat König Charles geschworen, dem "inspirierenden Beispiel" der Queen zu folgen. Am Dienstag regt er sich über einen Stift auf."

Es genügten ein paar Tropfen Tinte, um den neuen König in Großbritannien aus der Fassung zu bringen. "Ich kann dieses blöde Ding nicht ertragen", grummelt Charles III., als der Füllfederhalter, mit dem er sich bei einem Besuch im Hillsborough Castle in Nordirland in ein Gästebuch einträgt, zu tropfen beginnt.

"Jedes verdammte Mal" passiere das, schimpft er, "ich hasse das."

Charles III. und auslaufende Füller – es scheint eine unglückliche Beziehung mit Vorgeschichte zu sein. "König Charles der Grantige" oder "Kleiner König Kalle Unwirsch", in Anlehnung an das bekannte Kinderbuch von Tilde Michels, lauten erste Spottnamen im Netz.

Doch zum Glück gibt es sie – die königlichen Angestellten. Gleich zu Beginn seiner Regentschaft ließ sich beobachten, wie der frischgebackene König Großbritanniens auf sie zählt, um einfach allzu nervenraubende oder vielleicht profane Tätigkeiten zu übernehmen.

So konnte sich Charles der III. beim Beitrittsrat am Samstag nicht mal einfach mal in den Sitz niederlassen, weil ein Tintenfass es noch wagte, seinen Platz am Tisch zu okkupieren. Augenscheinlich sehr verärgert wies er einen Adjutanten mit einer unwirschen Handbewegung auf dieses Hindernis hin, das es umgehend zu entfernen gelte, was dieser dann bald, wenn auch nicht bald genug, tat.

Andererseits sollen nicht wenige der Angestellten nun ihre eigenen Sachen nehmen und gehen. Noch während seine Mitarbeiter im Clarence House – seiner bisherigen Residenz als Prinz von Wales – Überstunden und Sonderschichten schieben, erreicht sie in dieser Woche ein explosiver Brief. Clarence House als Institution mit zahlreichen Projekten und Aufgaben wird nach der Thronbesteigung nicht mehr existieren wie zuvor.

Zeitgleich mit den Gedenkfeierlichkeiten für Königin Elizabeth II., während der Gerichtsverhandlungen ausgesetzt wurden, erhielten Dutzende von Mitarbeitern von König Charles die Nachricht, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, berichtete der Guardian am Dienstag.

Der Zeitung zufolge erfuhren die Privatsekretäre, das Finanzbüro, das Kommunikationsteam und das Haushaltspersonal – insgesamt bis zu 100 Angestellte – am Montag während eines Dankgottesdienstes für die Königin in der St. Giles-Kathedrale in Edinburgh, dass ihre Arbeitsplätze in Gefahr sind.

"Alle sind absolut wütend, einschließlich der Privatsekretäre und der leitenden Angestellten. Das gesamte Personal hat seit Donnerstag jede Nacht bis spät in die Nacht gearbeitet, um dann mit dieser Nachricht konfrontiert zu werden. Die Leute waren sichtlich erschüttert", so eine Insider-Quelle.

Der Privatsekretär des Monarchen, Sir Clive Alderton, teilte die "beunruhigende Nachricht" über die bevorstehenden Entlassungen in einem Brief an die Mitarbeiter mit, den der Guardian einsehen konnte. Er erklärte, dass im Zuge der Vorbereitungen des neuen Monarchen für den Umzug seines Büros von seiner früheren offiziellen Residenz Clarence House in den Buckingham Palast die Arbeit derjenigen Mitarbeiter, die die persönlichen Interessen des ehemaligen Prinzen von Wales, seine früheren Aktivitäten und den Haushaltsbetrieb unterstützt haben, "nicht mehr benötigt werden".

Er stellte klar, dass bestimmte Mitarbeiter, die Charles III. und seine Frau Camilla "direkt, eng und persönlich unterstützen und beraten", ihre Arbeitsplätze behalten werden.

Ein Sprecher des Clarence House, der vom Guardian zitiert wird, sagte, dass einige Entlassungen "unvermeidlich sein werden", dass das Königshaus aber dringend daran arbeitet, "alternative Rollen für die größtmögliche Anzahl von Mitarbeitern zu finden".

An der im Vereinigten Königreich andernorts stark spürbaren und seit Jahren zunehmende Austerität dürfte dieser Schritt nicht liegen – immerhin muss der neue Monarch keine Steuern auf sein dreistelliges Millionenerbe zahlen. Laut Medienberichten erbt Charles III. Ländereien und anderes im Wert von 650 Millionen Pfund, worauf Normalsterbliche eine Erbschaftssteuer in Höhe von 40 Prozent zahlen müssten, nicht aber der Nachfolger der britischen Königin. Wegen des konservativen früheren Premierministers ist auch nicht vorgesehen, dass die Monarchen diese Summe mit der Allgemeinheit teilen. Ob Charles III. es wie seine Mutter Königin Elisabeth hält, die dennoch freiwillig Steuern gezahlt hat, bleibt abzuwarten.

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