Der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres und der Leiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros A. Ghebreyesus stellten gemeinsam am 5. Oktober in Lyon in Frankreich ihr Ziel vor, dass bis Ende dieses Jahres 40 Prozent der Weltbevölkerung und 70 Prozent bis Mitte 2022 gegen COVID-19 geimpft werden sollen. Aktuelle Zahlen belegen nun, dass dies bei Weitem nicht erreicht wurde.
Dutzende Länder, vor allem in Afrika, werden laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) das Ziel von 40 Prozent Corona-Geimpften bis Ende dieses Jahres eindeutig verfehlen. Kurz vor Weihnachten waren nach Angaben der WHO in rund "der Hälfte der 194 Mitgliedsländer noch keine 40 Prozent der Bevölkerung geimpft. In rund 40 Ländern waren es noch nicht einmal zehn Prozent".
Demnach wurden bis Dienstag mehr als 8,6 Milliarden Impfdosen weltweit verabreicht. Die vornehmlich "reichen" Länder, die eigene Verträge mit Impfstoffherstellern hatten, seien in einer eindeutigen Vorteilssituation gewesen. Ärmere Länder waren auf die Belieferung durch COVAX angewiesen, eine Initiative, die einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen gewährleisten soll.
Die dpa wies erneut darauf hin, dass die COVAX-Initiative monatelang zwar von den mehrheitlich westlichen Nationen Geld erhalten hatte, um Impfstoffe einzukaufen, doch hätten "die reichen Länder zunächst einen Großteil der Impfstoffproduktion für sich gesichert".
Während in Deutschland nach aktuellen WHO-Zahlen durchschnittlich rund 171 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht wurden, waren es laut dpa zum Beispiel in Madagaskar erst knapp 2,7 und in der Demokratischen Republik Kongo 0,32. In den meisten Ländern Afrikas läge die Zahl höchstens im niedrigen zweistelligen Bereich. Die New York Times hat in einem Artikel vom Sonntag eine aktuelle Auflistung als Bestandsaufnahme des weltweiten Status quo unter dem Titel "Verfolgung der Coronavirus-Impfungen auf der ganzen Welt" veröffentlicht.
Laut dpa wäre es die Überzeugung der Pharmaindustrie, dass nicht "ein Mangel an Impfdosen" für die weltweite Impfquote verantwortlich sei. Vielmehr sei die Impfskepsis in vielen Ländern groß, und viele hätten ein Problem, die Impfstoffverteilung zu organisieren. Die Industrie hat nach Schätzungen des Pharmaverbandes IFPMA allein im Dezember rund 1,4 Milliarden Impfdosen hergestellt.
WHO-Informationen vom Oktober zufolge liegt die weltweite Impfstoffproduktion derzeit bei fast 1,5 Milliarden Dosen pro Monat. Um 70 Prozent der Weltbevölkerung zu impfen, seien jedoch mindestens elf Milliarden Impfstoffdosen erforderlich. Bis Ende September waren weltweit bereits knapp über sechs Milliarden Dosen verabreicht worden, so Zahlen der WHO.
Zudem argumentierte die WHO, dass ihrer Einschätzung nach "das Erreichen des Impfziels von 40 Prozent im Wesentlichen die akute Phase der Coronavirus-Pandemie beenden" könnte. Sollten jedoch die Ziele nicht erreicht werden können, bestünde "weiterhin die Gefahr, dass neue Varianten entstehen, die möglicherweise gegen den Impfstoff resistent sind".
Mehr zum Thema - Versprecher oder Missverständnis? WHO-Chef spricht von Booster-Impfungen, "die Kinder töten"