Diese Woche tagt die alljährliche Vollversammlung der Vereinten Nationen. Nach der Machtübernahme in Afghanistan wollen die Taliban das Land auch offiziell auf der Bühne der UNO vertreten dürfen. Die Taliban forderten deswegen Redezeit während der UN-Vollversammlung in New York, um sich an der Generaldebatte zu beteiligen. In einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres erbat der Außenminister der Taliban Amir Chan Motaki das Recht, bei der laufenden 76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung zu sprechen.
Der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas sprach sich inzwischen dagegen aus. "Showeinlagen bei den Vereinten Nationen halte ich nicht für hilfreich", sagte Maas am Mittwoch in New York. "Ich finde es richtig, dass wir mit den Taliban sprechen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Kanälen, die sich in den letzten Wochen herausgebildet haben", fügte Maas hinzu:
"Eine Ansprache auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen ist nach meiner Auffassung nicht das geeignete Gremium oder der geeignete Rahmen, um in der Sache wirklich weiterzukommen."
Die USA begannen vor knapp 20 Jahren – am 7. Oktober 2001 – ihre Invasion nach Afghanistan, um unter anderem die Taliban zu bekämpfen und den Afghanen "Demokratie" zu bringen. Am Ende blieb den USA nichts anderes übrig, als die Entscheidung zum Abzug umzusetzen – und das, obwohl sie keines ihrer Ziele erreicht hatten.
Bei den Friedensgesprächen im Jahre 2020 in Doha ließen die US-Amerikaner selbst die vom Westen unterstützte offizielle afghanische Regierung in Kabul im Stich, indem sie zuerst die Taliban als einen Akteur in Afghanistan anerkannten, ohne im Vorfeld ein Gleichgewicht der Machtverhältnisse zwischen den Taliban und der von den USA im Land installierten Regierung in Kabul zu debattieren.
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