Gasspeicher: Jetzt sollen Sefe und Uniper die Speicher füllen

Bundeswirtschaftsministerin Reiche tut auch gern so, als würde sie nichts anweisen. Dann muss die Bundesregierung nämlich nicht haften. Aber in Wirklichkeit zahlt am Ende so oder so der Bürger, und ob ihre Strategie die Gasspeicher wirklich ausreichend füllt, bleibt fraglich.

Aktuell beträgt der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher nach Angaben der europäischen Gasspeicherplattform AGSI 55,93 Prozent. Das ist nicht nur deutlich weniger als in den Vorjahren (im vergangenen September waren es 75 Prozent), es ist auch weniger als im Durchschnitt der EU – der liegt aktuell bei 68,49 Prozent. Allerdings sind die Speicheranlagen in Deutschland mit die größten und werden auch von anderen Ländern genutzt.

Wirtschaftsministerin Reiche hatte bereits erklärt, sie wolle nicht eingreifen und werde keine Befüllung anordnen. Nun kam die Meldung, das staatliche Gasunternehmen Sefe werde Erdgas kaufen, um die Speicher zu füllen. Sefe ist das frühere Gazprom Deutschland, das 2022 im Rahmen der Sanktionen verstaatlicht wurde. Außerdem sei Reiche mit einem weiteren staatlichen Gasunternehmen, Uniper, im Gespräch.

Uniper wurde 2016 aus E.ON abgespalten und ist seit 2022 zu 99,12 Prozent im Bundesbesitz. Auch das war eine Folge der Russland-Sanktionen – Uniper, das Verträge auf Grundlage russischer Gaslieferungen geschlossen hatte, geriet in Schwierigkeiten, weil es seine Lieferverpflichtungen nicht mehr erfüllen konnte, als das russische Gas ausfiel, und wurde dann durch eine Übernahme durch den Staat gerettet. Die EU-Kommission hat allerdings vorgegeben, die Firma müsse bis 2028 reprivatisiert werden. Auch Uniper wird zusätzliches Erdgas kaufen.

Sefe betont explizit, "man handle ausschließlich aus strategischen und wirtschaftlichen Erwägungen und habe eine eigenständige kommerzielle Geschäftsentscheidung getroffen". Es gebe keine Anweisung dazu vom Bundeswirtschaftsministerium.

Bei dieser Aussage geht es vor allem darum, eine eventuelle Haftung des Bundes für eventuelle Verluste auszuschließen. Sofern der Kauf auf Anweisung erfolgt, müsste nämlich der Bund die Verluste übernehmen.

In der entsprechenden dpa-Meldung heißt es: "Die Kosten würden vom Markt getragen und nicht wie bei einem staatlichen Eingriff von den Steuerzahlern oder den Gaskunden über eine Umlage."

Diese Aussage muss man natürlich genau lesen. Denn letzten Endes zahlt dennoch der Steuerzahler oder der Gaskunde – letzterer allerdings nicht über eine Umlage, die es gäbe, wenn der Zukauf auf Weisung erfolgte, sondern über eine gewöhnliche Preiserhöhung. Es ist dann nur der Absender nicht mehr sichtbar.

Wirtschaftlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder muss das gespeicherte Gas billiger verkauft werden, als es gekauft wurde, dann entsteht bei den beiden Gesellschaften ein Verlust, der so oder so, über erforderliche Zuschüsse oder über nötige Abschreibungen, doch beim Eigentümer, also beim Bund, landet. Oder das gespeicherte Gas wird teurer verkauft, als es gekauft wurde – dann stehen den Gewinnen bei Sefe und Uniper mit hoher Wahrscheinlichkeit entsprechend höhere Preise für die Gaskunden gegenüber. Die allerdings, was die Aussage rettet, nicht als Umlage anfallen.

Es gibt jedoch einige Probleme bei der Frage, ob dadurch tatsächlich der erforderliche Speicherfüllstand erreicht werden kann. Sefe und Uniper besitzen zwar tatsächlich die größten Gasspeicher in Deutschland, und nach den Füllstandsangaben der europäischen Gasspeicherplattform AGSI ist auch noch physischer Platz im Speicher. Allerdings verkaufen beide Unternehmen Speicherplatz an Versorger, sodass physisch leer und verfügbar zwei verschiedene Kategorien sind. Auch wenn ein Versorger von ihm gebuchte Kapazität nicht in Anspruch nimmt, kann sie trotzdem nicht einfach vom Eigentümer des Speichers befüllt werden.

Kleinere Gasspeicherbetreiber veröffentlichen die Zahlen zu ihren Speichern ‒ sie können als Modell dienen, wie sich das tatsächlich darstellt. Der Gasspeicher von EWE in Jemgum hat eine Kapazität von 3,466 TWh. Gefüllt ist er zu 40,08 Prozent. Gebucht sind 2,576 TWh – das bedeutet, 74 Prozent der Speicherkapazität sind vergeben. Fast die Hälfte davon ist aber physisch nicht befüllt. Tatsächlich verfügbar sind nur die verbliebenen 26 Prozent.

Ähnlich dürfte es sich bei den Speichern von Sefe und Uniper darstellen. Natürlich können beide wiederum Speicher bei anderen anmieten. Allerdings dürften die Verträge über den Speicherplatz größtenteils bereits geschlossen sein. Nur dass Sefe und Uniper jetzt zusätzliches Gas kaufen, obwohl die Preise aktuell hoch sind, garantiert noch lange nicht, dass deshalb die nötige Speichermenge für einen sicheren Winter erreicht wird. Tatsächlich müsste man, um diese Frage zu überprüfen, auch noch die Befüllungsgeschwindigkeit mitberücksichtigen, die eine physische Konstante ist, die sich von Speicher zu Speicher unterscheidet. Es bleibt also auf jeden Fall eine Herausforderung, noch eine Füllmenge zu erreichen, die einen kälteren Winter absichert.

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