Deutschland bereitet sein Gesundheitssystem auf einen möglichen militärischen Ernstfall vor. Die Bundeswehr prüft, wie zivile und militärische Kliniken im Falle eines Krieges mit Russland zusammenarbeiten könnten. Dabei geht es unter anderem auch um die mögliche Reaktivierung einer unterirdischen medizinischen Einrichtung aus dem Kalten Krieg in Ulm, wie Bloomberg am Mittwoch berichtet.
Nach Bundeswehr-Szenarien könnten im Falle eines "russischen Angriffs auf NATO-Gebiet" täglich bis zu 1.000 verwundete Soldaten nach Deutschland kommen. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser wären schnell ausgelastet, sodass auch zivile Kliniken einspringen müssten. Das könnte das deutsche Gesundheitssystem vor erhebliche Kapazitätsprobleme stellen.
Deutschland steht beim Aufbau eines kriegsfesten Gesundheitssystems noch am Anfang, hieß es in Bloomberg. Nach Einschätzung von Benedikt Friemert, dem medizinischen Direktor des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm, sei das deutsche Gesundheitswesen derzeit nicht ausreichend auf einen militärischen Ernstfall vorbereitet. "Was vor uns liegt, ist ein Marathon", sagte er gegenüber Bloomberg.
Die medizinische Versorgung im Kriegsfall wurde bereits praktisch erprobt. Bei einer großen Bundeswehrübung im März wurde ein Angriff auf Litauen simuliert und die Verlegung verwundeter Soldaten in Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg geübt. Nach Einschätzung der "Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie" (DGU) verlief die Übung erfolgreich, dennoch müsse die Zusammenarbeit zwischen militärischem und zivilem Gesundheitssystem weiter trainiert werden.
Ein geplantes Gesundheitssicherheitsgesetz soll künftig einen Echtzeitüberblick über verfügbare Krankenhausbetten, Medikamente und medizinisches Personal mit kriegsrelevanten Fähigkeiten ermöglichen. Bislang sind diese Informationen jedoch weitgehend dezentral erfasst.
Auch Unternehmen bereiten sich auf mögliche Engpässe vor. Der Biotech-Konzern CSL untersucht unter anderem, wie die Produktion wichtiger Medikamente aufrechterhalten werden kann, falls Mitarbeiter als Reservisten oder Helfer ausfallen und die Nachfrage nach medizinischen Produkten sprunghaft steigt.
Die aktuelle Bundesregierung wollte im Sommer einen Entwurf für ein Gesundheitssicherheitsgesetz vorlegen, verschob das Vorhaben jedoch auf den Herbst. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist derzeit offen.
Der russische Präsident Wladimir Putin wies mehrfach zurück, dass Russland einen Angriff auf NATO-Staaten plane. Er bezeichnete entsprechende Befürchtungen als unbegründet und erklärte, ein Angriff auf die NATO liege nicht im Interesse Russlands. Berlin versucht seit Ausbruch des Ukraine-Krieges, seine Militärausgaben durch massive Verschuldung hochzufahren und dabei die Bevölkerung mit einem Kriegsnarrativ zu füttern. Kritiker warnen vor einer zunehmenden Militarisierung der deutschen Politik und einer wachsenden Fixierung auf ein Kriegsszenario.
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