Von Hans-Ueli Läppli
Anti-Tagi hat bereits vergangene Woche auf das bemerkenswerte Schauspiel hingewiesen: Während Welt-Journalist Paul Ronzheimer im Wahlkampf noch glaubte, mit einer Tasse die AfD vorführen zu können, war das vermeintliche Skandalstück längst auf dem besten Weg, zum teuersten Wahlkampf-Souvenir Deutschlands zu werden.
Man muss der Welt eines lassen: Für Unterhaltung ist gesorgt.
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der Aufschrift "Armee Russlands" zum großen medienpolitischen Fundstück. Ronzheimer entdeckte sie im Büro des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider – und aus einer Tasse wurde, zumindest in der medialen Dramaturgie, plötzlich ein geopolitischer Kriminalfall.
Anti-Tagi berichtete bereits vergangene Woche über den Versuch, aus diesem Fund möglichst viel politischen Sprengstoff zu machen. Die Botschaft war schwer zu übersehen: Schaut her, die AfD und Russland – schon wieder!
Nur hatte die Geschichte einen kleinen Schönheitsfehler. Die Realität spielte nicht mit.
Denn anstatt sich von der Tasse politisch erledigen zu lassen, machte Tillschneider das, was man mit einem medialen Aufreger am besten machen kann: Er versteigerte ihn.
Startpreis: 1 Euro
Und nun wird es besonders hübsch.
Das angeblich hochgefährliche Beweisstück, das geeignet sein sollte, einen AfD-Politiker kurz vor der Wahl politisch zu beschädigen, wird inzwischen für mehr als 2.000 Euro gehandelt. Die Auktion läuft weiter.
Man könnte sagen: Ronzheimer entdeckte die Tasse – Tillschneider entdeckte ihr Geschäftsmodell.
Und während die Welt noch über die politische Bedeutung eines Trinkgefäßes sinnierte, kam der Wähler zu einem etwas anderen Urteil.
Die AfD gewann Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab.
Natürlich wäre es Unsinn, diesen Wahlausgang auf eine einzige Welt-Geschichte oder eine einzige Tasse zurückzuführen. Aber als mediale Pointe ist das Ergebnis geradezu perfekt.
Die AfD sollte vorgeführt werden – und gewann.
Die CDU sollte ihre politische Position behaupten – und verlor massiv.
Die Tasse sollte zum Belastungsstück werden – und wird nun zum Auktionshit.
Das ist ungefähr so, als würde ein Journalist einen politischen Brandbeschleuniger suchen, dabei eine Kaffeetasse finden – und am Ende feststellen, dass genau diese Tasse für mehrere Tausend Euro versteigert wird.
Anti-Tagi hatte den Versuch bereits vergangene Woche kommentiert. Nun liefert die Realität die Pointe gleich selbst nach.
Die Welt wollte eine Geschichte über die Gefährlichkeit einer Tasse erzählen. Am Ende wurde die Tasse zur teuersten Pointe der ganzen Geschichte.
Und wer weiß: Wenn das Gebot noch ein bisschen weiter steigt, muss man vielleicht bald nicht mehr fragen, wie gefährlich die Tasse ist – sondern wie teuer schlechte Wahlkampf-PR werden kann.
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